Thursday, December 8, 2022
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“Wir sind entschlossen, Iran zu stoppen”

ZDF-Interview mit US-Staatssekretär Robert Joseph  

Die USA wollen alle diplomatischen Mittel nutzen, um Iran daran zu hindern, Atomwaffen herzustellen. Der nächste Schritt sind Sanktionen, erklärt der US-Staatssekretär Robert Joseph im Interview mit dem ZDF: "Schon ein Iran ohne Nuklearwaffen stört die Interessen der Weltgemeinschaft." Joseph ist in der US-Regierung zuständig für Rüstungsfragen. 

ZDF: Wie entschlossen sind die USA, Iran von der Entwicklung einer Nuklearwaffe abzuhalten – und wie wollen sie dabei vorgehen? 

Robert Joseph: Wir sind sehr entschlossen, weil ein Iran, der über Nuklearwaffen verfügt, eine große Gefahr darstellen würde. Iran gefährdet bereits ohne Nuklearwaffen unsere Interessen und die der internationalen Gemeinschaft. Iran benutzt Terror, um den Friedensprozess zu untergraben und um die Fortschritte, die wir gemeinsam im Irak und in Afghanistan machen, zu unterhöhlen. Wie wir erst kürzlich gesehen haben, setzt Iran Terror im Libanon ein, um die Aussichten auf Frieden zwischen Palästina und Israel zunichte zu machen. Würde Iran über Nuklearwaffen verfügen, fühlte es sich noch mehr darin ermutigt. 

ZDF: Wie wollen Sie Iran stoppen?

Joseph: Der nächste Schritt ist ein diplomatischer – nämlich Sanktionen. Dem Iran muss gezeigt werden, dass sein Verhalten Konsequenzen mit sich bringt, dass die kontinuierliche Missachtung der internationalen Gemeinschaft etwas kostet. 

ZDF: Russland und China verhalten sich sehr zurückhaltend, was Sanktionen betrifft. Wie wollen Sie sie davon überzeugen, dass Sanktionen etwas bewirken können? 

Joseph: Sowohl Russland als auch China haben der Security Council Resolution 1696 zugestimmt. Damit haben sie die Bereitschaft gezeigt, zu geeigneten Maßnahmen zu greifen, sollte Iran den Forderungen des Security Councils nicht nachkommen – und diese Forderungen waren, die Urananreicherung einzustellen. Iran hat die Frist, die mit dem 31. August endete, nicht eingehalten. Nun sind Sanktionen der nächste Schritt. Gezielte Sanktionen, die der iranischen Regierung zeigen, dass ihre trotzige Haltung Kosten mit sich bringt.                        

ZDF: Wenn Sie die Entwicklungen im Iran heute mit den Entwicklungen im Irak vor einigen Jahren vergleichen: Wo sehen Sie Parallelen, wo Unterschiede?                         

Joseph: Die Art und Weise, wie Iran an Nuklearwaffen kommen will, ist anders als im Irak Iran ist viel geschickter im Umgang mit den Regelungen des Atomwaffensperrvertrages, im Verleugnen und Hintergehen. Iran verfügt über ein hohes Gefahrenpotential, das durch den Besitz von atomaren Waffen noch erhöht würde.                        

ZDF: Daraus würde also folgen, was einige Neo-Konservative in Washington fordern: Iran angreifen, bevor er Nuklearwaffen besitzt.                         

Joseph: Ich will nichts zu den Neo-Konservativen sagen, aber es herrscht große Übereinstimmung darüber, dass wir alle diplomatischen Mittel einsetzen müssen, um Iran an der Entwicklung von Atomwaffen zu hindern. Auch in der internationalen Gemeinschaft herrscht Einigkeit darüber, wie die UN Resolution gezeigt hat, dass ein Iran, der über Nuklearwaffen verfügt, nicht toleriert werden kann.