Friday, February 3, 2023
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Stoppt die Hinrichtungen im Iran, ich hasse die Todesstrafe

NWRI – Shole Pakravan , die Mutter von Reyhaneh Jabbari, hat auf ihre Facebook-Seite einen Text  gestellt über ihre Reise nach Kurdistan und ihren Besuch bei den Angehörigen sunnitischer Gefangener, die hingerichtet worden sind.

 Hier eine Zusammenfassung des Textes, den sie veröffentlicht hat:
„Ich hasse die Todesstrafe. Die Hinrichtung ist widerlich, egal wofür sie verhängt worden ist. Es gibt tausend Gründe für diesen Hass. Ich möchte nur einen davon nennen.
Es ergab sich die Gelegenheit, mit Shahnaz zu reisen. Wir nahmen den nächsten Bus und reisten in ein Land, das um seine Märtyrer trauert, die ihre Leben geopfert und ohne Abschied dahin gegangen sind. Stunden vergingen. Shahnaz und ich starrten ins Dunkle und auf die Straße, die sich in Kurven hinzog. Manchmal gingen uns Dinge durch den Kopf, die erwähnenswert sind. Shahnaz sprach über den Kopf von Mostafa, der mit Blut bedeckt war und ich erzählte über die geschlossenen Augen und Lippen von Reyhaneh. Wir haben auch geweint. Die Augen von Shahnaz röteten sich. Sie redete über den von Löchern durchbohrten Schädel Mostafas, der in Blut getaucht war. Ich fühlte mich betäubt und tot wie Reyhaneh, als ich sie neben einer tiefen Grube in die Arme nahm. Um etwa 3 Uhr nachmittags kamen wir an dem Bahnhof an. Der Bruder, die Schwester und die Frau eines Mannes, der hingerichtet worden war, warteten auf uns.
Im Verlauf mehrerer Stunden haben wir die Mutter zweier Gefangener besucht, die hingerichtet worden waren. Wir sind in Sanandaj in der Provinz Kurdistan, die Heimat von Bahram und Shahram. Ich sitze auf dem Boden und höre mir die Geschichten dieser Familienangehörigen an. Sie sprachen ausführlich über das, was ihnen in diesen sieben Jahren passiert ist. Ich wollte alles genau darüber wissen, wie sie die Zeit während der Fahrt von Sanandaj zum Friedhof Behesht-e Zahra (im südlichen Teil von Teheran gelegen) verbracht haben: Welche Szenen haben sie erlebt und welche Worte haben sie gehört? Wie sind sie von Teheran zurückgekommen und wie haben sie sich gefühlt?  Wie sind sie damit fertig geworden, dass brutale Agenten auf sie zukamen, um sie daran zu hindern, eine Begräbniszeremonie abzuhalten? Ich hörte den herzzerreißenden Schrei einer alten Frau, als sie die Fotos ihrer Kinder in der Hand hält. Sie schreit den Namen Shahram laut heraus.
Der Vater brachte die gerahmten Bilder seiner beiden jungen Söhne. Bahram ist 1990 geboren worden. Er ist vor vier Jahren hingerichtet worden und konnte nicht einmal seine Angehörigen und ihm Nahestehenden im schmutzigen Besuchszimmer sehen oder gar in den Arm nehmen. Vor der Hinrichtung hat er alle seine Sachen den anderen Gefangenen und seinem Bruder übergeben. Es waren die Geschenke einer denunzierten Person. Die Familie konnte sich nicht einmal lange genug von diesen Klagen erholen, als Shahram ebenfalls hingerichtet worden ist. Er wurde 1987 geboren. Man hat ihn hingerichtet, ohne dass er seiner Familie Lebewohl sagen konnte.  Zusammen mit seinen Zellengenossen wurde er mit verklebten Lippen und gefesselten Beinen zur Hinrichtung geführt. Niemand weiß, was mit ihm passiert ist. Bei der Begräbniszeremonie war ein dunkler Fleck auf seiner Schulter zu sehen. Der Knüppel hatte blaue Stellen auf seinem Körper hinterlassen. Bei der Zeremonie konnten sie seine Hände und Füße nicht sehen. Shahrams Habe wurde beschlagnahmt und ausgeraubt.
Beim Besuch anderer Familien blutete mir das Herz stark; nicht so sehr wegen der Väter, sondern vor allem wegen der Mütter, der Frauen und Kinder, die allein zurückblieben. Ich habe ein Mädchen gesehen, das in einer ganz ähnlich Situation wie Reyhaneh gewesen ist. Sie sagte zu mir vor zwei Jahren: „Mutter! Das hat mich viel gelehrt. Vorher wusste ich nicht, dass es kleine Mädchen gibt, die ihre Mütter nicht sehen und umarmen dürfen“.