Wednesday, December 7, 2022
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Unruhen im Iran helfen den iranischen Nachbarn: US Experte Raymond Tanter

 Trend News Interview mit Raymond Tanter, einem früheren Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates der USA im Weißen Haus und früherem Vertreter des Verteidigungsministeriums. Er ist aktuell der Präsident des Ausschusses für iranische Politik in Washington.

Trend News: Was denken sie über die aktuelle Lage im Iran? Was war der wirkliche Anlaß für die aktuellen Ereignisse im Iran und die riesigen Demonstrationen der Opposition?

T: Der Auslöser der Proteste der letzten Monate war die gestohlene Präsidentenwahl von Präsident Mahmoud Ahmadinejad gegen den Kandidaten Mussawi. Jetzt jedoch geht die Bewegung gegen das ganze Regierungssystem im Iran. Der Grund für die Unzufriedenheit des iranischen Volkes gegenüber dem Regime sind unter anderem fehlende Freiheiten, wirtschaftliches Missmanagement und eine Außen- und Atompolitik, die den Iran vom Rest der Welt isoliert hat. TN: Kann die Instabilität die iranischen Nachbarn wie z.B. Azerbaijan beeinflussen?

T: Die Unruhen im Iran kommen den Nachbarn des Iran zu Gute. Je mehr das Regime sich auf innere Probleme konzentrieren muss, desto weniger wird Teheran versuchen, die islamische Revolution zu seinen Nachbarn zu bringen.

TN: Was denken sie, gibt es einen Weg aus der aktuellen Krise? Wenn die Proteste weiter gehen, wohin werden sie ihrer Meinung nach führen?

T: Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder schlagen die Sicherheitskräfte des Regimes mit Gewalt die Unruhen nieder oder das System bricht zusammen. Je länger die Proteste gehen, desto wahrscheinlicher wird ein Regimewechsel. Die Untersuchungen meines Ausschusses für iranische Politik (IPC) ergaben, dass wenn die Mojahedin von Khalq und der Nationale Widerstandsrad Iran von der US Terrorliste wie in der EU genommen wird, dann könnte das Regime eher stürzen.

NT: Ist Ahmadinjads Regime stark genug, Staatsstreiche zu verhindern und können die regierenden Instanzen von der Opposition in naher Zukunft beeinflußt werden?

T: Ein Staatsstreich ist unwahrscheinlich, weil die reguläre Armee als Quelle eines Staatsstreichs, nicht wie die islamischen Revolutionsgarden (IRGC) ist. In der Tat haben die Proteste die Position der Revolutionsgarden gestärkt. Das heisst, wenn ein Staatsstreich in Reichweite steht, dann würde eher der oberste Führer Ajatollah Khamenei Präsident Ahmadinejad absetzt. Ein kompletter Staatsstreich würde sowohl Khamenei als auch den obersten Führer betreffen. 

NT: Sehen sie ausländische Kräfte, die Einfluß in die Entwicklung nehmen?

T: Die USA spielen eine wichtige Rolle in der führenden Meinung und bei der Unterstützung der iranischen Oppositionsbewegung. Mein Ausschuß denkt, dass ein machtvolles US Signal zur Solidarität mit der iranischen Dissidentenbewegung die Delistung der iranischen Hauptoppositionsgruppen Mojahedin von Khalq und dem Nationalen Widerstandsrat Iran von den US Terrorlisten wäre.