Thursday, December 8, 2022
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Warnung vor A.Q. Khan’s möglichen Schmugglerring

WASHINGTON (Agenturen) – Ein pakistanischer Schmugglerring wurde wahrscheinlich vor drei Jahren zerschlagen und könnte unter der starken Anfrage von Regierungen und terroristischen Gruppen nach Atomtechnologie seine Arbeit wieder aufnehmen, geht aus einer neuen Studie hervor.

Obwohl die Vereinigten Staaten erklärten, dass das Netzwerk unter Führung des in Ungnade gefallenen pakistanischen Wissenschaftlers Abdul Qadeer Khan aufgeflogen sei, sind nur ein paar der 40 bekannt gewordenen Personen, die mit ihm gearbeitet haben, in Gefangenschaft, steht in dem Bericht des Londoner Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS).

Die Fahnder sind sich sicher, dass niemand mehr in Atomwaffengeschäfte verwickelt ist, aber sie "sind sich jedoch weniger sicher über das Schattendasein des Ringes".

"Mindestens einige von Khans Mitarbeitern scheinen sich der Strafverfolgung entzogen zu haben  und könnten nach einer Ruhepause ihre Geschäfte am Schwarzmarkt wieder aufnehmen", steht in dem 176 Seiten umfassenden Dossier "Atomarer Schwarzmarkt: Pakistan, A.Q. Khan und das Erstarken des Atomwaffennetzwerks."

"Wenn die Knotenpunkte eines nicht-hierarchischen Netzwerks ausgeschaltet werden, ist damit nicht automatisch das Unternehmen ausradiert", wird gewarnt.

Außer an den Iran und Nordkorea hat Khan wahrscheinlich nukleartechnische Ausrüstungen oder Nukleartechnologie nach Lybien und Syrien verkauft.

Khan wurde im Januar 2004 ergriffen und ist gegenwärtig unter Hausarrest, nachdem ihm vom pakistanischen Präsidenten General Pervez Musharraf verziehen wurde.

Einige Informationen wurden nach der Vernehmung Khans von Musharraf an die Vereinigten Staaten weitergegeben, aber weder Islamabad noch die Bush Administration äußerten sich öffentlich über das, was Khan eventuell ausgesagt hat.

Der Bericht des IISS hat ebenfalls große Bedenken, weil das organisierte Verbrechen auf dem nuklearen Schwarzmarkt auf dem Vormarsch ist.

Eine zu vorsichtige Schätzung von etwa 429 Fällen illegalen Handels mit nukleartechnischen Gütern in der Zeit von 2001 bis 2005 deutet an, dass etwa 10% davon durch kriminelle Gruppen abgewickelt wird, ist zu lesen.
"Das wahre Ausmaß ihrer Verwicklung ist wohl größer."

Der Bericht betont, dass "die größten Indizien für eine wirklichen Bedarf an illegalem Nuklearmaterial deuten auf terroristische Gruppen, nicht auf nationale Staaten hin."

Es werden einige Länder genannt: Iran, Irak, Pakistan, Indien, Nordkorea, Lybien, Argentinien, Brasilien, Ägypten, Südafrika, Syrien und Israel – die angeblich über illegale Kanäle nach Nukleartechnologie suchen.

"Einige versuchen es immer noch, die bereits ein aktives Atomwaffenprogramm haben, versuchen, dieses Programm aufrecht zu erhalten", erklärte Mark Fitzpatrick, ein früherer Mitarbeiter im Büro des US State Departments für die Nichtverbreitung von Kernwaffen, der die IISS Studie herausgegeben hat.

"Das ist vor allem bedeutend im Fall Iran, im Fall Pakistan und auf einem niedrigeren Niveau Indien", sagte er Reportern gegenüber.

Das Khan Netzwerk importiert nukleartechnische Waren von Firmen in mindestens sieben 
Hauptlieferländern: Deutschland, Italien, Japan, den Niederlanden, Spanien, der Schweiz und Großbritannien.

Auch "private Akteure" in Malaysia, Singapore, Südafrika, Südkorea, in der Türkei und in den Vereinigten Arabischen Emiraten sind verwickelt.

Südkorea, Südafrika und Singapore haben dem Bericht zufolge inzwischen Exportkontrollen eingeführt und begonnen, Genehmigungsverfahren für den Handel mit Gütern mit "doppeltem Verwendungszweck" – sowohl für friedliche Nutzung als auch für militärische Zwecke – einzuführen.

Allerdings fehlen in Malaysia und den VAE noch Gesetze und Richtlinien, um den Handel mit nukleartechnischen Gütern und Nukleartechnologien zu regulieren.

Die internationalen Rahmenbedingung von Exportkontrollen "haben noch immer ernstzunehmende Lücken, die von einem dem Khan-Ring ähnlichen Netzwerk ausgenutzt werden könnte, warnt der Bericht.