Tuesday, February 7, 2023
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Warum im Iran tausende von Menschen ihre neugeborenen Kinder aussetzen

Neugeborene Kinder bringen Freude in die Familie. Manche betrachten sie als einen Teil des Himmels auf Erden. Eine Mutter erträgt neun Monate lang Schmerzen, um ihr Baby zu bekommen, das sie für d i e Liebe ihres Lebens hält. Doch Nachrichten aus dem Iran besagen, daß die Armut und der Hunger, die von dem herrschen-den korrupten Regime verantwortet werden müssen, einige Mütter dazu zwingen, ihre neugeborenen Kinder, weil sie die Kosten ihrer Ernährung, ihrer Aufzucht und ihrer Gesundheit nicht aufbringen können, auszusetzen auf der Straße.

Unlängst zirkulierten in den sozialen Netzwerken herzzerreißende Videos; sie zeigten Kinder, die – in Dutzenden iranischer Städte – auf den Straßen ausgesetzt worden waren, eingehüllt in Plastiktüten. Sie wurden später in die örtlichen Krankenhäuser gebracht; doch über ihr Ergehen ist nur wenig bekannt.

Am 8. Mai 2022 berichteten die staatlichen Medien des Iran, es seien binnen weniger als zehn Tagen im Iran mehr als 5 000 neuge-borene Babies gefunden worden. Dies Trauerspiel ereignete sich, während des iranische Regime den sogenannten „Plan junge Bevölkerung“ gebilligt hat und fördert.

Wie folgt zitierte die staatliche Website „Roydad 24“ Mohammad Reza Mahboubfar, einen iranischen Pathologen: „Der Plan
fördert nicht die Heirat Jugendlicher und nur unzureichend die Wohlfahrt der Menschen; dabei sollen die Behörden sie fördern, um zur Ehe und zur Geburt von Kindern zu ermutigen. Für die Geburt von Kindern sind keine wirklichen Anreize vorhanden; Personen, die in Hoffnung auf solche Anreize versuchen, Kinder in die Welt zu setzen, bleibt das Aufkommen für ihre Geburt und Erziehung überlassen. Am Ende des Tages versuchen sie eine Abtreibung oder setzen ihre Kinder auf der Straße aus.“

Mahboubfar unterstreicht, daß die Behörden durch Zustimmung zu diesem Plan eine Vervielfachung der Abtreibungsrate bewirkt haben. Und statt der Abtreibung eine sichere Umgebung zu verschaffen, verfolgen sie jene Mutter, die sie legal unternehmen wollen. Daher versuchen viele Iranerinnen eine illegale Abtreibung, womit sie die Gesundheitsrisiken vermehren.

Viele halten den berühmten Spruch von Ernest Hemingway: „Zu verkaufen: Babyschuhe – niemals getragen“ für die kürzeste und zugleich traurigste aller Geschichten. Doch an den Mauern des Iran finden sich viele Angebote von Eltern, die ihre ungeborenen Kinder verkaufen wollen – was jedes menschliche Wesen zutiefst betrübt. An den Mauern des Landes finden sich beschämend viele Angebote ungeborener Kinder bzw. ihrer Körperteile – und dies aufgrund der üblen Herrschaft im Lande und des korrupten Regimes.
Im Dezember 2021 räumten die staatlichen Medien des Iran einige Details dieser Tragödie ein und entblößten somit das grimmige Angesicht der Armut im Iran.

Die staatliche Website „Tabnak“ zitierte am 18. Dezember 2021 Habibollah Massoudi, den stellvertretenden Leiter der Wohlfahrtsorganisation zu den sozialen Angelegenheiten.

Massoudi räumte ein, daß viele iranische Frauen ihre ungeborenen Kinder für einen so niedrigen Preis wie 1 000 000 Rial verkaufen – d. h. $3!

Die staatliche Website „Jam-e Jam“ bekannte 2015 in einer tragischen Geschichte: „Vor sechs Monaten erschreckte mich in Teheran eine Anzeige wie ein Blitz: ‚Wir verkaufen unser ungeborenes Baby.‘ Ich rief die betreffende Nummer an und erreichte ein junges Paar, das einen fünf Monate alten Fötus ersteigert hatte.“

Nach diesem Bericht konnten die Eltern am Ende ihre preisloses Baby für 50 000 Rial verkaufen – etwa $152. „Wir hofften sehr, daß wir eine nette Familie gründen könnten; doch wir konnten es nicht. Wir versuchten uns in allen Jobs, doch ohne Erfolg. Wir wollten das Leben unseres Sohnes ja nicht ruinieren“ – so die Eltern gegenüber einem Reporter von „Jam-e Jam“.

Im April 2022 zeigten Bilder, die in den sozialen Netzwerken gepostet wurden, Zahra Moshir, die Ehefrau des Sprechers des Parlaments des iranischen Regimes, Mohammad Bagher Qalibaf, und zwei ihrer Gefährten, die von der Türkei zurückkehrten und als seine Tochter Maryam Qalibaf und ihr Ehemann Mohammad Reza Bahiraei identifiziert wurden.

Sie kamen nach Teheran von Istanbul mit 19 Gepäckstücken, darunter einer umfangreichen, teuren Babyausstattung für das ungeborene Kind. Diese Nachricht rief in der Gesellschaft viel Unruhe hervor; online wurde von dem „baby stuff-gate“ gesprochen (d. h.: ‚Baby-Ausstattungs-Affäre‘).

Dies war nur der letzte, doch nicht geringste Fall von Nachrichten über Funktionäre des Regimes, die sich eines verschwenderischen Lebens erfreuen. Bilder von Kindern iranischer Spitzenfunktionäre, die luxuriöse Autos fahren und teure Kleider und Juwelen tragen, zirkulieren im Internet.

Aufgrund der im Regime obwaltenden Korruption, Inkompetenz und Mißwirtschaft sind die Iraner von finanziellem Elend betroffen. Die Inflation liegt bei 40%, Millionen sind ohne Arbeit, Kinder suchen in Mülleimern nach Nahrung, Frauen betreiben Prostitution, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, und manche verkaufen ihren Körper oder ungeborene Kinder, um sich am Leben zu halten.
Unter dem Mullah-Regime kann sich im Iran niemand seines Lebens freuen. Die Behörden muten den Menschen karge Lebensumstände zu, während sie selbst das nationale Vermögen ausplündern und es für den Terrorismus oder für die Ausstattung ihrer Verwandten verschwenden.

Die in der Gesellschaft anhaltenden Proteste, die von allen Bereichen der Gesellschaft getragen werden, tun einen weiteren Aspekt des armen, doch tapferen iranischen Volkes dar. Die Demonstranten weisen mit ihren Slogans über die Funktionäre des Regimes laut und deutlich auf die Wurzel ihrer Probleme hin. Und eben davor erschrickt es am meisten.

Die staatliche Tageszeitung „Mostaghel“ schrieb dazu am 6. Juni: „Die Funktionäre sollten ihr luxuriöses Leben aufgeben und nicht mehr zugleich das Volk zu wirtschaftlicher Knappheit einladen. Wir können durch Befehle die Steigerung der Preise nicht aufhalten. Die Inflation zieht sich solche Befehle nicht an und steigt weiter. Das herrschende System trägt für die gegenwärtige Situation des Volkes die volle Verantwortung.“