Friday, February 3, 2023
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Hoher UN Beamter angeklagt dafür, dass er Tausende mit falschen Vorspiegelungen in ein ‚Konzentrationslager‘ gelockt hat

Von Christopher Booker
The Sunday Telegraph – Wenn berichtet würde, dass ein hoher UN Beamter in eine Verschwörung hineingezogen worden wäre, die zuerst zum Tod oder zu Verletzungen von mehreren hundert unschuldigen Menschen geführt und dann Tausende mehr im Glauben gewiegt hätte, dass sie in die Freiheit gelangen würden, die sich dann aber in die Falle eines abscheulichen Konzentrationslagers gelockt sehen, so würde das schon als eine ganz schön ernste Sache erscheinen.

Wenn dann enthüllt würde, dass der gleiche Beamte falsche Dokumente erstellt hat, mit deren Hilfe er der Welt versichert, alles sei in Ordnung, so wäre der Skandal noch um einiges schlimmer. Aber genauso lautet die Anklage, die sich vor einem Ausschuss des US Kongresses gegen Martin Kobler richtet, den Sonderbeauftragten des UN Generalsekretärs Ban Ki-Mun im Irak und Leiter einer UN Mission, die sich dort befindet.

Mehrmals habe ich über die Bedrängnis von 3200 iranischen Dissidenten berichtet, die zur PMOI (Organisation der Volksmudschahedin des Iran) gehören. Jahrelang lebten sie friedlich in der hübschen kleinen Wüstenstadt Camp Ashraf, die sie sich im Irak in der der Nähe der Grenze zum Iran aufgebaut hatten. 2003 erhielt jeder und jede von ihnen eine persönliche Garantie im Namen der US-Regierung. Als die Truppen der USA jedoch 2009 abzogen, wurde Ashraf umgehend von irakischen und iranischen Truppen im Verbund unter der Leitung des irakischen Premierministers Nuri Al-Maliki belagert. 2009 und 2011 wurde die Stadt angegriffen. Dabei fanden 47 unbewaffnete Bewohner den Tod, Hunderte wurden verletzt.

2011 schloss sich Kobler Maliki und den Iranern an, indem er denen, die in Ashraf blieben, einen üblen Streich spielte. Er erzählte ihnen, wenn sie in einen ehemaligen Truppenstandort der USA in der Nähe von Bagdad , Camp Liberty, umzögen, könnten sie später in anderen Ländern gebracht werden, um dort ein neues Leben anzufangen. Am 19. Januar des vergangenen Jahres berichtete die Hohe UN Kommission für Flüchtlinge (UNHCR) vertraulich, Camp Liberty werde in keiner Weise den Anforderungen an ein Lager für vertriebene Personen (displaced persons) gerecht. 11 Tage später jedoch wurde unter Koblers Regie ein neuer Bericht entworfen, der das genaue Gegenteil enthielt. Dem folgte eine Presseerklärung aus seinem Amt, in der behauptet wurde, diejenigen, die das Lager inspiziert hätten, hätten den Zustand für vollkommen angemessen erklärt.

Auf dieser Grundlage waren die Bewohner von Ashraf bereit, umzuziehen – um sich dann in einem bewachten Gefängnislager wiederzufinden, ohne Wasser und Strom. Es stand unter dem Kommando desselben Mannes, Colonel Sadeq, der die mörderischen Angriffe auf Ashraf geleitet hatte. Die Lebensbedingungen in dem Lager sind immer noch empörend: zu Weihnachten wurde das Lager mit Dreckwasser überschwemmt, was zu Erkrankungen vieler Bewohner führte, besonders unter Hunderten von Frauen.

Das Meiste dieser Geschichte habe ich schon früher berichtet. Was jedoch neu ist, ist, dass der unterdrückte Entwurf des Berichts der UNHCR durchgesickert ist, der zeigt, dass die Version, die 11 Tage später veröffentlicht wurde, vollkommen falsch war. Das diese unter der persönlichen Leitung von Kobler zusammengestellt wurde, wurde von einem seiner führenden Beamten, Taher Boumedra, bestätigt, der vor dem Kongress bezeugte, er sei so entsetzt darüber gewesen, dass Kobler soweit gehen würde, dass er im letzen Mai zurückgetreten sei.

Vor zehn Tagen hat der Vizepräsident des europäischen Parlaments, Alejo Vidal-Qadras, der zugleich Präsident des internationalen Komitees In Search for Justice ist, an Ban Ki-Mun geschrieben und ihn gebeten, eine vollständige Untersuchung über die „Täuschung und Verschleierung“ seines persönlichen Beauftragten und über die Art der Behandlung der Bewohner von Ashraf (das jetzt Camp New Iraq heißt) zu starten. Das alles erscheine als klarer Bruch „aller Werte, auf denen die Vereinten Nationen aufgebaut wurden“. Um dies zu bekräftigen, legte Vidal-Qadras eine Kopie des erwähnten nicht veröffentlichten Entwurfs des Berichts bei, der belege, in welchem Ausmaß die Bewohner von Ashraf zu Opfern „offenkundiger Täuschung“ gemacht worden seien.

Ihrem Anliegen wurde von Hunderten von MEP und von Tausenden anderer Parlamentarier Rückendeckung gegeben, ebenso von früheren politischen und militärischen Amtsträgern in der ganzen Welt, nicht zuletzt in den USA. Sehr viele Menschen warten nun ungeduldig darauf, wie Ban Ki-Mun auf diese Herausforderung reagieren wird. (Erschienen in The Sunday Telegraph vom 13. Januar 2013)