Wednesday, November 30, 2022
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Iran: Die „Bombenbastler“ ziehen um

In einer streng geheimen Aktion soll das Mullah-Regime das Herzstück seines Atomwaffenprogramms umsiedeln.

Quelle: “DIE PRESSE” – Österreich
Wien/Teheran. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Asthon kann es laut ihrem Sprecher „gar nicht mehr erwarten“, Irans Diplomaten zu treffen. Die Briten erwägen die Wiedereröffnung ihrer Botschaft in Teheran. Es läuft gut für Irans neuen Präsidenten, Hassan Rohani.

Nächste Station der Charmeoffensive ist Genf. Dort werden in wenigen Tagen unter EU-Vermittlung die Atomgespräche zwischen der 5+1-Gruppe und dem Iran fortgesetzt. Doch wie so oft platzt auch diesmal ein Bericht des Nationalen Widerstandsrats dem Iran in die diplomatischen Annäherungen. Das Dokument liegt der „Presse“ vor. Und es deckt sich so gar nicht mit den salbungsvollen Worten Rohanis über einen Iran, der niemals Atombomben besitzen werde.

Streng geheim und streng gesichert

Nach Angaben der mit den Volksmudjaheddin verbündeten Exil-Oppositionsgruppe hat der Iran in den vergangenen eineinhalb Jahren seine Anstrengungen für den Bau der Atombombe intensiviert. Und in Teheran laufe seit September eine streng geheime Übersiedlungsaktion: Die sogenannte Neue Verteidigungsforschungsorganisation (SPND) ziehe um. Die SPND gilt als Herzstück des geheimen Atomwaffenprogramms. Die Atomenergiebehörde IAEA weiß seit 2011 um ihren Standort. Die Übersiedlung sei daher ein Täuschungsmanöver, warnt der Widerstandsrat. Denn das Mullah-Regime fürchte eine Inspektion durch die IAEA. Deshalb würden nun die brisanten Abteilungen verlagert. Den neuen und den alten Standort sollen nur 1,5 Kilometer Luftlinie trennen. Umgeben sei der SPND-Sitz nun von Einrichtungen des Verteidigungsministerium, gegenüber liege das Militärkrankenhaus Chamran. Das Areal sei streng gesichert – auch mit einem Flugabwehrsystem. In dem Bericht wird zudem ein Organigramm der SPND geliefert. 97 Experten werden gelistet, im Vorjahr hat die SPND „nur“ 60 identifiziert. Sie gehen in sieben Sektoren ihren Forschungen nach – von der Urananreicherung bis zur Produktion von Metallen, die für Atomsprengköpfe benötigt werden. Und sie alle hören auf die Anweisungen von Mohsen Fahrizadeh.

Mit dem Leiter der SPND würde auch die IAEA gern reden. Doch der prominente Vertreter auf der UN-Sanktionsliste wird abgeschirmt. Für ihn soll der Umzug auch ein Aufstieg gewesen sein: Die SPND ist dem Bericht zufolge nun organisatorisch Teil des Verteidigungsministeriums, statt des Stellvertreters wird Fahrizadeh künftig direkt dem Ressortchef Hossein Dehghan berichten. Zwei Revolutionsgardisten unter sich.

„Die Presse“ kann den Bericht des Widerstandsrats nicht verifizieren. Die Gruppe hat eine Agenda, die sie auch im Namen trägt. In der Vergangenheit lag der Widerstandsrat aber mit seinen Enthüllungen oft richtig. So deckte er die Existenz der Urananreicherungsanlage in Natanz auf.

Vom neuen Bericht weiß übrigens auch die IAEA, wie eine Sprecherin der „Presse“ erklärte. Mehr gebe es dazu aber nicht zu sagen. (strei)