Thursday, December 1, 2022
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Iran: Eine Woche nach dem Erdbeben fehlt es den meisten Gebieten an Wasser und Strom

Das Erdbeben im Iran – Mitteilung Nr. 4
Eine Woche nach dem tödlichen Erdbeben in den westlichen Gebieten des Iran mangelt es den Menschen immer noch am Nötigsten. Viele Dörfer haben noch keine Zelte, keine Lebensmittel, kein Wasser, keinen Strom. Das iranische Regime, das bekanntermaßen sein Volk ausplündert, überlässt die vom Erdbeben erschütterten Menschen der winterlichen Kälte und dem Schutt. Der öffentliche Hass hat zugenommen.

Der Pilot eines Hubschraubers in Fort Abuzar (Sarpol-e Zahab) berichtet von seinem Flug über die vom Erdbeben heimgesuchte Region: „Wir sahen viel Verschiedenes … anderes als das, was man im [staatlichen Fernsehen] sieht … Die Katastrophe, zu deren Zeugen wir wurden, ist viel schlimmer und verbreiteter als das, was man im [staatlichen Fernsehen] oder im Internet sieht. Ich sehe, wie Leute Hilfe herbeischaffen, während die staatliche Hilfe sehr gering ist.“

Am Freitag, den 17. November kamen Leute in der Stadt Gilan-e Qarb, die vom Erdbeben betroffen waren, vor dem Gebäude des Gouverneurs zu einer Demonstration zusammen, um gegen den Mangel an Zelten und überhaupt dem Nötigsten zu protestieren.  Sobald sie einen Reporter des staatlichen Fernsehens erblickten, der den Ort zu Zwecken der Propaganda aufgesucht hatte, begannen sie mit ihrem zornigen Protest.

Mit einer Serie von Scheinmanövern versuchten die Revolutionsgarden (IRGC) und andere repressive Truppen, den Schein zu erwecken, den Opfern des Erdbebens werde die notwendige Hilfe zuteil. Zum Beispiel gab das IRGC bekannt, in Sarpol-e Zahab sei ein Feldhospital mit 60 Betten errichtet worden; sie zeigte es mit einigen Mitgliedern des IRGC und einem Geistlichen. Doch nachdem sie das notwendige Filmmaterial hergestellt hatten, schlossen sie die Tür, und als Menschen eindrangen, fanden sie dort niemanden vor.

Dabei bemüht sich das iranische Regime mit allen Kräften, das wahre Ausmaß des Schadens, die Zahl der Unglücksfälle und den finanziellen Verlust zu verschleiern. Die Zahl der Leute, die getötet bzw. verwundet wurden, ist viel größer, als es die Berichte vorgeben. Die örtlichen Behörden berichten, die meisten der Getöteten seien noch vor einer offiziellen Registrierung bestattet worden. In vielen Dörfern wurden die meisten Bewohner getötet. Ihre Leichen liegen unbestattet, und die Gefahr ansteckender Krankheiten ist in diesem Gebiet sehr groß.

Außerdem sind in den vom Erdbeben betroffenen Gebieten nicht einmal die nötigsten hygienischen Maßnahmen – wie die Sammlung der toten Tiere und des Mülls – getroffen worden. Ein großer Teil des Abwassersystems wurde zerstört; es besteht die Gefahr, dass sich die Cholera und andere Krankheiten verbreiten. Nach Angaben örtlicher Behörden wurden 30% des Viehbestands getötet. Viele von diesen Tieren starben während der Tage nach dem Erdbeben an Wassermangel.

Der iranische Abgeordnete Farhad Tajari sagte: „Am nötigsten sind jetzt Zelte. Unglücklicherweise wurde ein großer Teil der Zelte, die man geschickt hatte, auf dem Wege durch Hindernisse aufgehalten. … Die zu den Dörfern geschickte Hilfe ist sehr gering; die dafür verantwortliche Unfähigkeit liegt an der unangemessenen Verteilung der Vermögen.“ Abbas Goodarzi, ein anderer Abgeordneter des Parlaments des Regimes, der die Gebiete des Erdbebens aufsuchte, sagte vor der Nachrichtenagentur „Mehr“: „Die Situation, die wir in den betroffenen Gebieten – im Westen unseres Landes – antrafen, ähnelte jener, die wir 2006 nach dem Erdbeben von Boroujerd und 2003 nach dem Beben in Bam gesehen hatten. … Es zeigt sich daran, dass Hilfe und Krisenmanagement nicht verbessert wurden; die Planungen hatten nicht berücksichtigt, dass man in kritischen Situationen Hilfe zur Verfügung stellen sollte.“ In bezug auf die Verteilung von Zelten und Decken sagte er, es handle sich um eine ernste Angelegenheit; es bestünden noch Situationen nicht nur mit „zeitweiliger Versorgung“, sondern auch mit nur „Notfallversorgung“.

Videoclips aus dem Erdbebengebiet zeigen schreckliche Szenen. Ein junger Mann schreit: Sie nehmen die Hilfsgüter in Empfang und verkaufen sie. Wenn es ein Gesetz gibt, sollte man sie hinrichten, damit ich nicht mit meiner Frau und unserem Baby auf der Straße zittern muss.

Ein Mann aus dem Dorf Aliabad sagte, im Gegensatz zu Medienberichten, die besagen, dass das IRGC, die Armee und die Polizei zu Hilfe gekommen seien, sei zu diesem Zweck überhaupt keine Organisation gekommen. Nur Menschen aus anderen Städten wie Paveh, Sanandaj, Marivan, Ilam und Umgebung seien zu Hilfe gekommen. Sonst nur Lippendienst. Nieder mit der Islamischen Republik des Iran und der Quds-Truppe!

Ein anderer rief ungeduldig aus: Es muss mehr getan werden! Bei dem Erdbeben sind meine Frau und Kinder gestorben. Das Fernsehen sagte, es seien 300 Menschen gestorben. In Wirklichkeit sind es mehr als 3000. Wo seid ihr, ihr Bastarde? Warum versteckt ihr euch? Geht hin und begeht Selbstmord! Nennt euch nicht die Bosse! Dieser alte Mann, von dessen Angehörigen 20 gestorben sind, hat kein Zelt!

Ein anderer Mann sagt vor zerstörten Häusern: „4000 Menschen sind gestorben, warum sprechen sie von 400? Worin liegt der Grund? Es sind viel mehr Tote. Sie bergen immer noch [Leichen], die der Schutt unter sich versteckt hatte. Warum lügen sie? Allein im Gelände von Mehr waren es mehr als 500 Tote.“

Einer der vom Erdbeben betroffenen Demonstranten sagte: „Alle unsere Habseligkeiten liegen im Schutt, und nun verlangt man von uns Geburtsurkunden und Personalausweise, damit wir Dinge und Hilfsgüter in Empfang nehmen dürfen! Alle Schafe, das ganze Vieh ist verloren, wie zur Hölle soll ich aus dem Schutt ein Dokument bergen können?“

Ein anderer Mann, der neben seinem zerstörten Haus steht, sagt Reportern: „Nach sieben bis acht Stunden gelang es uns mit Mühe, meinen toten Sohn aus dem Schutt zu ziehen. Ich ging zum Amt des Gouverneurs und sagte: Wenn die Hilfe einige Stunden früher eingetroffen wäre und wir schneller hätten handeln können, wäre er noch am Leben. Er war 16 Jahre alt. Er ist erstickt. Wir haben hier niemanden, keinen Gouverneur, keine Beamten, niemanden von den Eigentümern. Wenn es ein arabisches Land wäre, wären sie in demselben Augenblick gerettet worden. Wozu gibt es arabische Länder? Die Leute vor Ort sagten, der Gouverneur sei davongerannt.“

Ein vom Erdbeben betroffener Mann sagte: „Nicht ein Funktionär kam, um zu fragen, wie es den Leuten gehe. Ich habe meine beiden Kinder verloren. Ich bin zerstört. Seit vier Tagen haben meine Frau und Kinder kein Zelt. Der Gouverneur kam und hat nichts für uns getan.“

Sekretariat des Nationalen Widerstandsrates Iran
18. November 2017