Sunday, January 29, 2023
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Iran will in die reichen Golfstaaten einfallen, wenn der Westen seine Nuklearanlagen angreift

Netzwerk der "Schläferzellen" ist bereit, als Zeichen der Bedrohung als erstes aktiviert zu werden, erklärte ehemaliger Diplomat.

Von Colin Freeman, Chef der Auslandskorrespondenten
The Sunday Telegraph, 4. März – Der Iran hat Netzwerkagenten in allen Golfstaaten heimlich ausgebildet, um westliche Interessen anzugreifen und Aufstände unter der Bevölkerung anzuzetteln, wenn es zu einem Militärschlag gegen sein Nuklearprogramm kommt, äußerte ein früherer iranischer Diplomat The Sunday Telegraph gegenüber.
Spione, die als Lehrer in iranischen Schulen arbeiten, Ärzte und Krankenschwestern in iranischen Krankenhäuseren haben Schläferzellen gebildet, die bei den ersten Anzeichen einer ernsten Bedrohung für Teheran freigesetzt werden können, behauptete er.

Vom iranischen Geheimdienst ausgebildet, sollen sie in der Lage sein, shiitische Berufskollegen in der Region zu rekrutieren, deren Gemeinschaften von den sunnitischen arabischen Clans in der Golfregion traditionell benachteiligt wurden.

Wenn Amerika oder Israel den Iran angreifen, werden diese Zellen instruiert, untergärig schlummernde Religionskonflikte zu schüren und die umfangreichen amerikanischen und europäischen Geschäftsinteressen in solchen reichen Ländern wie Dubai und Saudi Arabien anzugreifen. Dieses Szenario würde Chaos in der Golfregion auslösen, eine der wenigen Gebiete im Mittleren Osten, die noch im Wachstum begriffen sind und stark prowestlich eingestellte Regierungen haben.

Die Behauptungen stammen von Adel Assadinia, einem früheren Berufsdiplomat, der Irans Generalkonsul im Dubai und ein Berater des iranischen Außenministeriums war. Als Mahmoud Ahmadinejad, der iranische Präsident, am 5. März zu einem formellen Besuch in Saudi Arabien weilte, wurde diese Drohung als Versuch gewertet, die wachsenden sunnitisch-shiitischen Spannungen im Mittleren Osten zu entschärfen. 

Saudi Arabien beschuldigte den Iran, shiitischen Todesschwadrone zu decken, die im Irak Sunniten ermorden würden und ebenfalls die im Libanon stationierten Hisbollahmilizen zu unterstützen, die die Regierung in Beirut stürzen wollen. Inzwischen wurde die US Flotte im Golf südlich vom Iran weiter ausgebaut. Damit will Washington seine Bereitschaft zeigen, die Teheraner Nuklearanlagen anzugreifen, weil das Regime die Aufforderung der UN, die Urananreicherung zu stoppen, mißachtet haben.

Assadinia, der aus dem Iran geflohen ist nachdem er die Korruption unter den mächtigsten Theokraten des Landes verraten hatte, sagte: "Die iranische Regierung glaubt, sie braucht als Überlebensstrategie ständige Stützpunkte im gesamten Mittleren Osten. Jeder, der die Bedrohung oder eine Invasion des Irans in Erwägung zieht, wird solche Zellen gegen sich frei setzen."

Assadinia, 50, war vor zwei Jahren im iranischen Konsulat in Dubai, das nach seinen Worten ebenfalls als eine illegale Finanzquelle für die Hisbollah, die im Libanon stationierten shiitische militante Gruppe genutzt wurde, die im vergangenen Sommer den Sechs-Wochen-Krieg gegen Israel anzettelten.

Die Agenten des iranischen Außenministeriums würden regelmäßig mit Koffern mit bis zu 11 Millionen £ über die Grenze kommen und dafür die diplomatischen Gepächwege nutzen, um den normalen Kontrollen zu entgehen.

"Die Höhe der Beträge ist unterschiedlich, aber sie würden durchschnittlich zweimal im Monat kommen", sagte er. "Ich konnte sie manchmal sehen. Soweit mir bekannt ist, ging das Geld jedes Mal zu den Hisbollah."

Sein Konsulat, so sagte er, war ein Sitz für regionale Operationen des Nachrichtendienstes wegen der großen Zahl der in Dubai arbeitenden Iraner. Dubai ist der Haupthandelshafen im Mittleren Osten. Seine Wolkenkratzer und Industriebauten sind die Heimstatt von 4.000 iranischen Geschäften, die leicht einen Deckmantel für Spionage bieten können.

Andere nachrichtendienstliche Aktivitäten, wie Nachtclubs und Prostituiertenringe, wo sich Regierungsvertreter und Diplomaten zu Trinkgelagen hinreißen lassen, könnte in eine "Honigfalle" von Verschwörungen führen und von iranischen Ausländern als Doppelagenten organisiert werden. Im Golf leben etwa 500.000.

"Die Leute werden angehalten, den Europäern zu erzählen, dass der Iran gute Beziehungen zu ihnen aufbauen will, als der Iran tatsächlich in den Terrorismus verwickelt war", sagte Assadinia. Auf die Frage, ob es ein Versuch war, vom aufgedeckten Atomwaffenprogramm abzulenken, antwortet er: "Genau".

Die größte Besorgnis gilt seiner Behauptung, dass der Iran Netzwerke von Agenten aufgebaut hat, um mit Schias im ganzen Golf, vor allem in Bahrain, Abu Dhabi, Sharjah und Saudi Arabien Verbindung aufzunehmen.

Politisch entrechtete Shia Gemeinschaften gibt es in der ganzen Region. Teheran unterstütz ihre Forderungen nach mehr Macht vor allem seit der iranischen islamischen Revolution 1979, könnte sie also jetzt mobilisieren, als eine Möglichkeit, um die sunnitischen Herrscher am Golf davon abzuhalten, die amerikanischen Bemühungen um das Aussetzen des Nuklearprogramms zu unterstützen. Obwohl die meisten der Golfstaaten gegen eine US Intervention im Iran sind, befürchten sie, dass ein nuklear bewaffneter Iran den Mittleren Osten dominieren könnte.

Behauptungen von iranischen Agenten, die im Golf operieren, sind beraits aufgekommen, aber es ist selten, dass darüber von einem ehemaligen Mitarbeiter des Regimes im Detail berichtet wird. Assadinia nannte ein Krankenhaus in Dubai – das aus rechtlichen Gründen nicht genannt wird – als einen Ort, an dem viele Ärzte und Krankenschwestern ebenfalls für den iranischen Geheimdienst arbeiten.

Er gab seine Arbeit in Dubai 2002 auf und beantragte ein Jahr später Asyl in Europa, weil er sich "einschüchternden" Befragungen durch Agenten des iranischen Geheimdienstes in Teheran ausgeliefert sah. Assadinia plant in diesem Monat im Westminister detaillierter über seine Behauptungen zu sprechen. Diese Sitzung wurde von der der britischen Awhazi Freundschaftsgesellschaft organisiert, die eine Lobby im Parlament, in der Europäischen Union und den vereinten Nationen hat. Er hofft, dass seine Aufdeckungen andere iranische Mitarbeiter der Regierung veranlassen, ihm zu folgen.

"Die Regierung sieht es selbst als streng, aber es ist in der Tat wie vor dem Sturz von Saddam Hussein – sehr anfällig und brüchig", fügte er hinzu.

Ein Sprecher der iranischen Botschaft in London beschreibt die Behauptungen Assadinias als "grundlos und erfunden". Er sagte, dass die Anwesenheit der iranischen Diplomatie im Golf völlig legitim sei und beschreibt die Freundschaftsgesellschaft als eine "illegale" Organisation, die Zwiespalt zwischen dem Iran und seinen Nachbarn schüren will.