Monday, December 5, 2022
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Irans heimliche Wirtschaftsführer

Die Islamischen Revolutionsgarden vergrößern im Mullah-System stetig ihren Einfluss – Auch am Handel mit EU beteiligt

Die iranischen Islamischen Revolutionsgarden, 1979 von Ayatollah Khomeini zur Sicherung der islamischen Revolution im Innern und zu deren Export nach außen gegründet, gewinnen immer mehr Einfluss im Mullah-System Irans. Die sogenannten Pasdaran sind zur Hauptstütze für das Überleben des Regimes geworden.
Die Rheinpfalz – von Hannes Barth – Mit der Präsidentschaft von Mahmud Ahmadinedschad kamen hochrangige Offiziere der Revolutionsgarden auf sehr einflussreiche politische Posten.

Allein im Kabinett des Präsidenten befinden sich 14 Pasdaran-Kommandeure. Dem Obersten Nationalen Sicherheitsrat, dem wichtigsten Entscheidungsgremium Irans, gehören ebenfalls mehrere Pasdaran-Mitglieder an, etwa der Sekretär des Rates, Said Jaliali, und Pasdaran-General Syed Ali Hosseintash, der das nukleare Waffenprogramm des Regimes überwacht.

Die Rolle der Revolutionsgarden innerhalb der iranischen Wirtschaft wird im Westen meist unterschätzt. Über die Jahre haben die Pasdaran Finanzquellen aufgetan, die nicht unter Regierungskontrolle stehen. Wie ein iranischer Gewährsmann der RHEINPFALZ erklärte, beschafften sie sich damit die Einrichtungen, mit deren Hilfe sie ihre Aktivitäten und Aktionen verdeckt auch im Ausland durchführen können. Den Informationen zufolge kontrollieren die Revolutionären Garden inzwischen einen Großteil der lukrativsten Wirtschaftsbereiche Irans. Sie überwachen mehr als 57 Prozent des Imports und 30 Prozent des nicht zur Erdölbranche gehörenden Exports. Allein daraus machten die Pasdaran in den letzten Jahren einen Gewinn von etwa vier Milliarden Dollar.

Über die Wirtschaftsaktivitäten der Revolutionsgarden werden weder die Regierung noch das Parlament unterrichtet. Sie werden allein von Ali Khameini, dem obersten geistlichen Führer Irans, überwacht. Weiter heißt es, dass der größte Teil von den 40 Milliarden Dollar des jährlichen Handels zwischen dem iranischen Regime und der EU in Wirklichkeit von den Revolutionsgarden, deren Untergliederungen und Unternehmungen abgewickelt werde. Wenn die EU mit Iran Geschäfte mache, verhandele sie also meist mit Revolutionsgardisten, die dabei den größten Profit einheimsten.

Das US-Außenministerium hat die iranischen Revolutionsgarden im Oktober als terroristische Vereinigung eingestuft. Diese Entscheidung hat viel Beifall bei Exil-Iranern gefunden. Maryam Rajavi vom Iranischen Widerstand appellierte an die EU, ebenfalls alle Terror- und Unterdrückungseinrichtungen des Mullah-Regimes in die Terrorliste aufzunehmen.

Allein in den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es 483 geheime Firmen, die unter Führung der iranischen Revolutionsgarden arbeiten. Neben ganz gewöhnlichem Warenhandel betreiben diese Firmen auch Ölschmuggel aus Irak und spezielle Import- und Export-Geschäfte für iranische Nuklear- und Raketen-Projekte. Das Netzwerk der iranischen Revolutionsgarden im südlichen Irak schmuggle jeden Tag etwa 500.000 Barrel Erdöl, was eine der größten Geldquellen für die Pasdaran-Sympathisanten und Terrorgruppen in Irak sei, verlautete aus westlichen Geheimdienstkreisen.

Der iranische Botschafter in Irak, Kazemi Qomi, ein Pasdaran-Kommandeur, ist verantwortlich für die Koordination mit den Führern irakischer Untergrund-Gruppierungen, die als Stellvertreter der iranischen Revolutionären Garden agieren. Kazemi Qomi verfügt über enge Kontakte zu Brigadegeneral Ahmad Foroozandeh, dem stellvertretenden Kommandeur der Ramezan-Garnison der „Al-Quds-Forces“, der sogenannten „Jerusalem-Streitkräfte“. Foroozandeh soll an einem Angriff im irakischen Kurdistan beteiligt gewesen sein und steht deshalb auf der Fahndungsliste der US-Truppen in Irak.

Das Verbot der islamischen Revolutionären Garden unter anderem als mögliche Lieferanten von Massenvernichtungswaffen wird offenkundig auch damit begründet, dass sie seit etwa 25 Jahren schon intensiv im Atomprogramm des iranischen Regimes mitmischen. Seit seiner Machtübernahme hat Ahmadinedschad drei wesentliche Entscheidungen getroffen: Erstens wurde die Dominanz über das iranische Atomprogramm (Iran bestreitet, dass es sich um ein Atomwaffenprogramm handele) den Pasdaran übertragen. Zweitens wurde das Programm unter die Erde und in Tunnels verlegt. Drittens wurde das Atomprogramm beschleunigt.

24 iranische Atomwissenschaftler in führenden Positionen sind Mitglieder der Revolutionsgarden. Zu ihnen gehört an der Spitze Mohsem Fakhrizadeh, der seine Forschungsarbeit im atomaren Bereich des Verteidigungsministeriums 1991 begann und Direktor des Modern Advanced Defensiv Technology Center ist. In der Nuklearforschung des Verteidigungsministeriums arbeitet auch Fereydoon Abbasi, der sich schon in den ersten Tagen der islamischen Revolution den Pasdaran anschloss. Auch der Laserexperte Mansoor Asgari ist unter Anweisung von Fakhrizadeh tätig.