Thursday, December 8, 2022
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Lager Ashraf: Ein Verbrechen des Iran und des Irak gegen die Menschlichkeit

HUFFINGTON POST – Von Naghmeh Rajabi am 30. September 2011

Seit dem Beginn dieses Jahres hat der Iran 490 Menschen erhängt – so die „Internationale Kampagne für die Menschenrechte“ in dem Land.

 

Unter der jetzigen Regierung gehört der Iran zu den sehr wenigen Ländern, die öffentliche Hinrichtungen veranstalten, Minderjährige hinrichten ebenso wie Menschen, deren politische oder religiöse Ansichten bzw. sexuelle Orientierung mit dem, was der Staat für richtig hält, nicht übereinstimmen. Das Regime steinigt immer noch Frauen und wendet an den Gefangenen die übelsten Foltermethoden an.

Eines der größten Verbrechen, die dies Regime begangen hat, war der Massenmord an 120 000 Mitgliedern bzw. Freunden der iranischen Oppositionsgruppe „Organisation der Volksmojahedin des Iran (PMOI)“, die dafür arbeitet, dass das gegenwärtige Regime durch eine demokratische Alternative ersetzt wird.

Unter den Ermordeten sind zwei von meinen Tanten. Afsaneh Rajabi wurde am 7. April 1983 im Alter von 22 Jahren in Teheran von einem Peloton hingerichtet. Sie war einmal aus dem Gefängnis geflohen, in dem sie entsetzliche Folter erlitten hatte, und in den Untergrund gegangen. Nach einiger Zeit wurde eine ihr nahe stehende Person festgenommen; die Folter erpresste aus ihr den Ort, an dem meine Tante sich aufhielt. Sie wurde erneut verhaftet und in die Gefängnisse von Qasr und Evin verbracht, bevor man sie hinrichtete.

Meine andere Tante, Zahra Rajabi, wurde am 20. Februar 1996 in Istanbul von einer aus Teheran geschickten Gruppe, die von dem Konsularsekretär jener Stadt befehligt wurde, ermordet. Zahra war ein ranghohes Mitglied der PMOI und war erst einige Tage zuvor in die Türkei gekommen, um sich um die Probleme der dort lebenden Flüchtlinge zu kümmern.

Noch nicht lange her ist das – ebenfalls vom iranischen Regime begangene – Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das in der Anordnung bestand, ein Flüchtlingslager zu zerstören, in dem
3 400 Dissidenten seit mehr als 20 Jahren leben. Diese Bewohner nahmen zum Irak ihre Zuflucht, um der Gefahr, vom iranischen Regime ermordet zu werden, zu entgehen.

Die Bewohner des Lagers Ashraf sind Mitglieder der PMOI. Sie wurden in den letzten beiden Jahren von einem irakischen Regime, das die Befehle der iranischen Regierung befolgt, blutig überfallen. Durch zwei besondere Überfälle, der letzte von ihnen fand im April dieses Jahres statt, wurden 47 unschuldige Männer und Frauen von irakischen Truppen ermordet – sie schossen auf die unbewaffneten Bewohner. Die Schüsse zielten direkt auf die Köpfe und lebenswichtigen Organe, um dem Tod den größten möglichen Zoll zu entrichten.

Diese an dem Lager Ashraf begangenen Verbrechen geschahen, obwohl allen 3 400 Bewohnern der Status „geschützter Personen“ im Sinne der 4. Genfer Konvention zuerkannt worden war, in der Zeit der amerikanischen Invasion in den Irak. Die Vereinigten Staaten hatten versprochen, jeden einzelnen Bewohner vor dem iranischen Regime zu schützen.

Die Bewohner leiden jetzt Tag und Nacht unter der psychologischen Folter, die von 300 Lautsprechern ausgeübt wird – sie wurden vom iranischen Regime um das Lager herum aufgestellt. Von den Lautsprechern ertönen beleidigende, erniedrigende Sprüche, die besonders an die 1 000 Frauen des Lagers adressiert sind. Man kann sich die Wirkung, die solch intensive Methode psychischer Folter bei den Bewohnern hervorruft, leicht vorstellen.

Darüber hinaus haben die irakischen Behörden bei zahlreichen Gelegenheiten ihren Plan erwähnt, das Lager mit allen Mitteln bis zum Ende des Jahres 2011 zu schließen und die Bewohner an andere Orte des Irak zu bringen. Dieser Plan ist Vorläufer eines weiteren Massakers.

Dies Blutbad im Lager Ashraf ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und darf von den Vereinten Nationen und der internationalen Gemeinschaft nicht ignoriert werden. Das Amt des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) hat den wichtigen Schritt getan, die Bewohner als Asylsuchende anzuerkennen, und auch die EU hat ihre Hilfe zur Lösung der humanitären Krise dadurch geleistet, dass sie einen Besonderen Vertreter für das Lager Ashraf ernannte. Die internationale Gemeinschaft muss jetzt eine ständige Präsenz der Vereinten Nationen im Lager unterstützen, bis zu der Zeit, in der der UNHCR über die Anträge der Bewohner, als Flüchtlinge anerkannt zu werden, entschieden hat. Die Anerkennung ihres Status als dessen von Asylsuchenden ist nutzlos, wenn man sie dem irakischen Regime überläßt, das sie zu ermorden beabsichtigt.

Wenn nichts geschieht, wird ein weiteres Massaker folgen. Dabei würde die Zahl der Toten in die Hunderte gehen. Die internationale Gemeinschaft muss jetzt handeln.

Naghmeh Rajabi, Menschenrechtsaktivist