Sunday, December 4, 2022
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USA: Razzia im Irak bestätigt Vermutungen über den Iran

von James Glanz und Richard A. Oppel Jr.
The New York Times — Eine Razzia in einem shiitischen Waffenversteck in Hilla vor einer Woche lieferte, was amerikanische Regierungsvertreter den besten Beweis dafür nennen, dass die gefährlichsten Roadside Bomben im Irak im Iran hergestellt werden. Allerdings behaupten Kritiker, dass der forensische Fall von Umständen und Zusammenhängen abhängig ist.

 Zu den neuen Beweisstücken gehören Infrarotsensoren, elektronische Zündvorrichtungen und Informationen über Plastiksprengstoff, der für Granaten verwendet wird, deren Ursprung nach Aussagen der Amerikaner im Iran zu suchen ist. Das explosive Material, die Zündvorrichtungen und andere Komponenten und Montagemethoden, alle produzierten Waffen mit einer iranischen Signatur, die weder im Irak noch im Südlibanon gefunden wurde, wo die Hisbollah wahrscheinlich von den Iraner gelieferte Waffen verwenden, sagten Amerikaner.

Allerdings behaupten Kritiker, dass fast alle Bauteile der Granaten auch im Irak oder an irgend einer anderen Stelle in der Region produziert worden sein könnten. Auch wenn die Beweise zeigen, dass die Quelle im Iran zu suchen ist, so fügten sie hinzu, dass bedeutet noch nicht, dass die iranische Führung auch dafür Verantwortung trägt.

Die Razzia der amerikanischen und irakischen Armeen entdeckte hinter einem aus Polyrethan nachgebildeten Felsenstein drei der gefährlichsten Typen von Rodsidebomben im Iran.  Mit Schmutz und Kieselsteinen abgedeckt wirkte er wie ein Stein. Polyurethanreste wurden an der Hintertür eines Toyota gefunden, der anscheinend für einen Roadsideangriff vorbereitet wurde, erklärten Amerikaner in einem längeren Pressegespräch mit zwei Reportern der New York Times in der Vergangenen Woche.

Der Toyota, ein zweites Fahrzeug und ein Haus in der Nachbarschaft wurden als ein Ensemble beschrieben, in dem Komponenten und andere Waffen aufbewahrt wurden, von denen die Offiziere sagten, dass es davon zeuge, dass die Granatenteile aus dem Iran stammen könnten. Die Durchschlagskörper (E.F.P.), Granaten wie die in dem vorgetäuschten Felsen versteckten können mit tödlicher Präzision amerikanische Panzer durchschlagen.

Die Behauptung, dass der letzte Fund weitgehend die Theorie vom iranischen Ursprung der EFPs stützt ist bedeutungsvoll, weil sie den Vereinigten Staaten eine neue Rechtfertigung für einen Schlag gegen den Iran liefern könnten.

Aber der Beweis ist nicht geeignet dafür, Skeptiker zu befriedigen, die vermuten, dass die Bushadministration versucht, die Basis für eine Isolation oder sogar einen Angriff gegen den Iran zu schaffen. Sie zeigen auf den angeschlagenen Nachrichtendienst der Administration, um Saddam Hussein des Besitzes von unkonventionellen Waffen zu bezichtigen, bevor sie den Irak vor fast vier Jahren angriffen.

Noch scheinen amerkikanische Offiziere des Militärs einen Versuch zu unternehmen, um auf kritische Stimmen zu antworten, die sagen, dass der Beweis nicht ausreiche. Bei dem ausführlichen Gespräch über die Entdeckung bei Hilla, sagte Major Marty Weber, ein Sprengstoffexperte, dass bei den meisten EFP’s im Irak C-4 Plastiksprengstoff eingesetzt werde, der im Iran produziert wird. Auf Anfrage der Bushadministration, hält The times einige spezifische Details über die Waffen zurück, um die nachrichtendienstlichen Quellen und Methoden zu wahren.

Zusätzlich zu der Entdeckung in Hilla, erwarten Offiziere des Militärs, dass bei dem Pressegespräch am Montag Details über den Fund bei einer Razzia in der Provinz Diyala – ein sunnitisch-shiitisches Schlachtfeld im Norden von Bagdad – bekannt geben, dass einem Offizier des Militärs genügend Komponenten für dem Bau von mehr als 100 EFP’s enthielt. Der Offizier bat darum anonym zu bleiben, weil die Angelegenheit sehr heikel sei.

Material, wie das bei der Hilla-Razzia gefundene wurde von der Hisbollah im Südlibanon benutzt, sagte Major Weber, ein Kapitän der Artiellerie, der viele Sprengsätze u.a. im Mittleren Osten untersucht hat und stark in die Handlungen im Irak eingebunden ist.

Zusätzlich sind die schwachkonkaven Kappen aus Kupfer, die sich bei der Explosion der EFP’s in panzerdurchschlagende Bälle verwandeln, glat und ohne Fehler, was den Sprengstoffexperten anzeigt, dass sie wegen der dafür notwendigen Präzision im Iran hergestellt sein müßten. Unter den Funden waren ebenfalls 10 107-mm  Strellaraketen, die iranische Markierungen aufwiesen.

Eine Technologiefrage

Der spezielleste Teil der EFP’s, die gefunden wurden, ist die konkave Kupferscheibe, die als Einsatz bezeichnet wird, die in einem todbringenden panzerdurchschlagenden Ball rotiert, wenn der Sprengkörper explodiert. Selbst amerikanische Sprengstoffexpertn sagen, dass es äußert schwierig sei, die Scheibe einwandfrei herzustellen. Die Scheiben in Hilla sehen aus wie ein dickwandiger Almosenteller oder sogar wie ein Souveniraschenbecher ohne die Einbuchtungen für die Zigarettenablage.

Die elektronische Ummantelung ist um die Gebrauchsgegenstände herum gelegt wie der Sensor, der für die Garagentüröffner und die Sicherheitsanlagen am Haus benutzt wird. In der Tat wurde im Herzstück einiger Granaten im Irak der Typ eines normalen Infrarotsensors gefunden, der allgemein in Elektronikläden wie RadioShack verkauft wird.

Major Weber sagte, dass die Benutzung von Präzisionsscheiben aus Kupfer zusammen mit passiven Infrarotsensoren auf "ein Kinderspiel" hinuasläuft, für das die Sprengstoffkomponenten aus dem Iran stammen, weil niemand außer die vom Iran unterstützten Shiitenmilizen diese Art der Zusammenstellung benutzen habe.

Könnten Kupferscheiben mit der erforderlichen Präzision im Irak hergestellt werden? "Du kannst niemals sicher sein", sagte Major Weber. Aber er sagte auch, dass "er diese Bauteile alle untersucht und nur erlebt habe, dass die gefundenen EFP’s in zwei Teilen der Welt verwendet werden: im Levant (alte Bezeichnung für Libanon) und hier", und meinte damit, die Hizbollahregionen im Libanon und im Irak. Von der Hisbollah wird angenommen, dass sie vom Iran bewaffnet und ausgebildet wird.

Skeptiker sagen, dass die neuen Einzelheiten nicht den Schluss zulassen, dass nur der Iran für die Lieferung der Komponenten infrage komme. "Der Iran ist vielleicht in die Lieferung dieser Waffen verwickelt, aber das ist noch nicht bewiesen", sagte Joseph Cirincione, der Vizealterspräsident für Nationale Sicherheit im Zentrum für amerikanischen Fortschritt, eine liberale Forschungs- und Rechtsorganisation.

“Bevor wir aufgrund der Vermutung handeln, dass das die Iraner waren, haben wir alle anderen anderen Möglichkeiten zu prüfen", sagte er. "Das Militär hat das nicht gemacht."

Er stellte fest, dass eine ähnliche Waffe, das Formstück, vor Jahrzehnten genutzt wurde.(?)

“Das ist nicht neu,” führte er weiter aus: “Es gibt einen großen internationalen Waffenmarkt, auf dem Formteile aus einigen Ländern gehandelt werden.”

Neue Einzelheiten

Die neue Information ist viel beachtlicher als die Einzeilheiten, die Anfang des Monats in Bagdad bekannt wurden, sagte John Pike, Direktor von GlobalSecurity.org, einer in Alexandria stationierten Forschungsgruppe.

“Die ursprünglichen Informationen reichten nicht aus, um darüber nach Hause zu bereichten", sagte Pike. "Die Punkte die hier erwähnt werden sind überzeugender. Ob sie wahr sind, ist eine völlig andere Frage."

Pike sagte, dass er nicht von den Argumenten beeinflußt sei, nach denen die Kupferscheiben nur im Iran hergestellt worden seien. Für das alles braucht man Werkzeugmaschinen, sagte er. “Du kannst sie kaufen,” fügte er hinzu. “Ich meine, schau dir all die Zylinder an, die die Leute für LPG benutzen, um Gas herzustellen." Glaubst du, dass die alle aus dem Iran importiert werden? Sicher nicht. Ich wette, überall im ganzen Irak sind Jungs, die solche Dinge machen, um sich ihren Lebensunterhalt zu sichern."

Er hat jedoch andere, mehr überzeugende Details herausgefunden. "Die beiden Punkte, die sie zu den Geschäftsbeziehungen für die Sicherungen und die Ummantelung ausgefphrt haben. Das sind sehr gute Beweisstücke", sagte er. "Ich würde sagen, völlig unabhängig von irgendeinem Beweis, dass ich erstaunt wäre, wenn der Iran den shia-Milizen keine militärische Unterstützung geben würde. Es versteht sich von selbst, dass sie das tun."

Angriff am Nachmittag

Amerikanische Offiziere gaben den folgendne Bericht über die Razzia in Hilla:
Am 17. Februar, 1:30 Uhr am, berichtete ein Informant, dass er einen Abschleppwagen gesehen hatte, auf dem Raketen waren.

Der nachgemachte Felsen mit drei EFP Kanistern stand auf dem Rücksitz eines anderen Fahrzeugs, eines Toyota crown. Im Kofferraum des gleichen Fahrzeugs befanden sich mehrere Ausrüstungsgegenstände, darunter ein Infrarotsensur eine GPS-Einheit, zwei Kompasse und ein Kanister mit einem unbekannten Sprengstoff.

Werkzeuge und Materialien für den künstlichen Felsen wurden im Haus zusammen mit einem teilweise vorbereiteten Felsen und zwei EFP’s, vier Kanistern mit Epoxydschaum uns drei Infrarotsensoren gefunden.

Mit den EFP’s sollten große Schäden angerichtet werden. Die Positionierung des Sensors und die genauen Ecken für die EFP’s im Inneren des Felsens waren so fixiert, dass sie die Schwachpunkte der amerikanischen gepanzerten Fahrzeuge, wie Humvees und Strykers finden konnten.

“Die EFP Kanister waren so angeordnet, das die Wirkungen von Gegenmaßnahmen minimiert werden konnten", sagte Major Weber. "Sie wollen den Laster treffen, wenn er sich bereits in der Operationszone befindet."

Die Infrarotsensoren könnten mit Handygeräten, schnurlosen Telefonen oder Radios gezündet oder gestoppt werden. Das ermöglicht den Angreifern die Granaten nur zu zünden, wenn sich die Convoys nähern. Dann, wenn die Konvoys die Sensoren auslösen, explodieren die EFP’s.

Major Weber sagte, dass diese Technik ganz klar aus dem Iran kommt. Kritiker erklären, dass alle von erfahrenen Irakern oder anderen im Mittleren Osten mit gefestigtem Wissen über Elektronik und grundlegenden Herstellungestechniken nachgebaut sein können.
Weiter sagte Major Weber, dass andere Anzeichen auf die iranisceh Verwicklung in Hilla hindeuten. Bei der Razzia fanden die irakischen und amerikanischen Truppen ebenfalls einen roten 1988 Chevy Abschleppwagen mit 10 Strellaraketen unter einem Doppelboden der Ladefläche. Die Raketen waren mit MJ-1 Sicherungen bestückt, die wahrscheinlich aus China stammen und mit iranischen Kennzeichnungen übermalt waren – eine übliche Praxis bei Waffen, die vom Iran importiert und dann wieder verkauft wurden. Entsprechend der internationalen Konvention waren die Kennzeichnungen in Englisch, nicht in Persisch. Es war angegeben, dass die Raketen 2005 gefertigt wurden und 18 Kilogramm Sprengstoff enthielten.

Zu dem Grund, aus dem die Iraner solche augenfälligen Kennzeichnungen an der Außenhaut beseitigen wollten, spekulierte Major Weber, dass sie ganz einfach aus dem Lager genommen worden und über die Grenze gebracht worden seien.

Vergleiche

Major Weber sagte, dass er bezweifelt, dass Hisbollah – die Gruppe, die der Mahdi Milizenführer Moktada al-Sadr als Modell für seine politische Bewegung benutzt hat – das Material und die Technik an die Mahdi Milizen oder andere shiitische Kämpfer im Irak geliefert haben. "Es ist möglich, aber aufgrund meiner Erfahrungen habe ich nicht erlebt, dass die Hisbollah Informationen oder Technik über etwas teilen, was ihnen nicht vorher gesagt wurde", erklärte er.

“Die EFP ist ihre Wunderwaffe", sagte er und bezog sich auf den Iran und seine alliierten Milizen.

Major Weber erklärte ebenfalls, dass die Verwendung von passiven Infrarotsensoren, oder PIR’s eines der deutlichsten Hinweise auf die iranische Verwicklung seien und nach seinen jahrelangen Erfahrungen nur Gruppen, die vom Iran unterstützt werden, die Sensoren auf die Art verwenden. Er erkannte jedoch an, dass die elektronischen Komponenten so sein müßten, dass die Sensoren leicht auf der Oberfläche zu erreichen seien an solchen Stellen wie RadioShack.
Diese Komponenten werden bei handelsüblichen Produkten verwendet, wie die Bewegungsmelder für Lichtsysteme oder Garagentüröffner. Diese Produkte werden geöffnet, neu verdrahtet und wieder verpackt. Manchmal wird an den Produkten die Aufschaltung von mehreren Brücken erforderlich, um den Kreislauf zu schließen und einige Brücken werden verkleidet, so dass nur eine aufgeschaltet ist.

“Jede PIR im Irak war RadioShack, Digigard oder Everspring", erklärte Major Weber. "Im Südlibanon habe ich jedoch nie gesehen, dass sie RadioShack benutzten."

Während er dabei blieb, dass der Kupfermantel ebenfalls eine spezielle Ausrüstung und Fähigkeiten benötigt, im einwandfrei hergestellt zu werden, bleiben bei dieser Erklärung ebenfalss weitere feine Unterschiede. Ein höherer Militärangestellter zeigte Bilder von einem Magazin mit etwa 30 Kupfermänteln für EFP, die bei einer Durchsuchung in Mahmudiya, einer Stadt südlich von Bagdad gefunden wurden. Diese Ummantelungen seien nach Major Webers Meinung "Nachahmungen" aus dem Irak, nicht dem Iran. Für das ungeübte Auge sehen diese Mantelungen wie die Originale aus.

Major Weber hob jedoch hervor, dass oft leicht sichtbare kreisförmige Risse auf den Deckeln der Ummantelungen seien. Sie stammen vom Absetzen auf einem Tisch mit der konkaven Seite nach unten. Diese Mängel wären Zeichen, dass die Ummantelungen im Irak hergestellt seien, sagte Major Weber. Und aufgrund dieser Fehler wäre ein EFP damit weniger gefährlich. Solche EFP würden später erst in Kugeln zerspringen, wenn die Rotation eingesetzt hat, und die Bruchstücke würden keine gepanzerten Teile durchdringen.

Michael R. Gordon und Scott Shane berichteten aus Washington.