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“Wie im Vorfeld der Hölle”: Nicht nur ISIS verübt Kriegsverbrechen im Irak

Veröffentlicht: 16/10/2014 08:41 CEST Aktualisiert: 16/10/2014 08:55 CEST

Amnesty International wirft schiitischen Milizen Kriegsverbrechen vor

Der Irak und Syrien sind nicht erst durch das Aufkeimen der Extremistengruppe ISIS zu einem Land von Terror und widerwärtigen Menschenrechtsverbrechen geworden. Bereits zuvor wurden beide Länder von brutalen Diktatoren (Assad, al-Maliki) unterdrückt und sowohl in den geheimen Gefängnissen in der grünen Zone in Bagdad und gegenüber iranischen Flüchtlingen in Camp Ashraf als auch durch die Armee von Bashar al-Assad wurden bereits zuvor schwerste Menschenrechtsverletzungen begangen.

 

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Vom Iran trainierte schiitische Milizen im Irak: Kriegsverbrecher

Doch nicht nur die Diktatoren im Irak und Syrien waren an systematischen Menschenrechtsverletzungen in den Ländern beteiligt. Von Abu Ghoreib bis hin zu Hunderten Terroranschlägen schiitischer Milizen geht das Repertoire von bewaffneten Einheiten, die das Chaos im Irak ausnutzten, um ihre Agenda und ihre perversen Phantasien in einem außer Kontrolle und von religiösen und ethischen Konflikten zerfetzten Irak auszuleben.

Wie in einem Vorhof zur Hölle scheinen immer wieder neue Terrormilizen aufzutauchen, nicht nur ISIS. Aber seit ISIS zum neuen Teufel nach al-Qaida erklärt wurde, schaut die Welt wieder einmal vermehrt mit einem blinden Auge in den Irak. Und nicht nur das, der Westen duldete öfters Terroranschläge aller Art.

Schandflecken für USA und die UN

Ein besonders beschämender Schandfleck war dabei 2012 und 2013 das Todschweigen mehrerer Terroranschläge mit Raketen auf ein Camp mit 3500 iranischen Flüchtlingen der oppositionellen iranischen Volksmojahedin nahe Bagdad, die unter Anweisung und mit falschen Berichten des Sonderbeauftragten der UN, Martin Kobler, in ein völlig schutzloses Camp Liberty gelockt wurden und somit zur freien Zielscheibe schiitischer Milizen wurden, die von den iranischen Mullahs gestützt und finanziert werden.

Kobler verharmloste damals nicht nur die offensichtlich von Teheran organisierten Angriffe, bei denen Dutzende Iraner starben, er sorgte bis heute dafür, dass die von den USA und der UN angeblich anerkannten „Personen des besonderen Schutzes”, wie die UN seine Flüchtlinge nennt, nicht einmal eine Untersuchung der Massaker starteten.

Und bis heute ist keiner der Verursacher der zahlreichen Massaker an den Flüchtlingen durch die irakische Regierung und durch schiitische Terrormilizen vor internationalen Gerichtshöfen angeklagt worden.

All diese Verbrechen unter Duldung der USA und der UN, die durch ihre Inaktivität und ihr naives Festhalten an Mullahmarionette al-Maliki geschahen, haben nicht unwesentlich die Radikalisierung der Sunniten forciert und nun versucht man, durch den Verweis auf ISIS diese Verbrechen vergessen zu machen.

Zwei Seiten des Terrors

Daher weist nun Amnesty International in seinem aktuellen Bericht noch einmal darauf hin, dass die Medaille des Terrors und der Menschenrechtsverletzungen im Irak zwei Seiten hat. Nicht nur die ISIS begeht schwere Menschenrechtsverletzungen, auch schiitische Gruppen haben in den letzten Wochen Dutzende Sunniten im Irak entführt, gefoltert und ermordet, besonders brutal in Bagdad, Samarra und Kirkuk.

Amnesty beklagt vor allem, dass die Regierung in Bagdad diese Milizen, die oft Militäruniformen tragen, aber keiner Armee angehören, gewähren lässt und sie gar unterstützt. Sie sind völlig ohne Kontrolle von Justiz, Militär oder Politik und agieren deshalb besonders brutal. Dutzende Tote, gefesselt und mit Kopfschüssen niedergestreckt, sind auf den Straßen der irakischen Städte zu finden, gezielt und bewußt von ihnen exekutiert.

Auch das Erpressen von Lösegeldern ist ein weiteres Verbrechen, welches diese Milizen begehen. Amnesty berichtet von Fällen, wo bis zu 80.000 Dollar von ihnen erpresst worden sind, dennoch wurden die Geiseln oft nach Zahlung des Lösegeldes ermordet.

Amnesty fordert daher vom neuen irakischen Premier Haidar al-Abadi, solche Verbrechen ebenfalls konsequent zu ahnden. „Die irakischen Behörden haben es unterlassen, diese Milizen je für Kriegsverbrechen und andere schwere Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft zu ziehen”, kritisierte Donatella Rovera, die Sprecherin von Amnesty International.