Friday, January 27, 2023
StartNachrichtenAtomprogrammIran hortet große Mengen Urangas

Iran hortet große Mengen Urangas

Iran hortet große Mengen Urangasvon Hubert Wetzel, Berlin

Iran verfügt derzeit offenbar über genügend Urangas, um daraus das Spaltmaterial für bis zu 14 Atombomben zu gewinnen. Das geht aus dem jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zum iranischen Atomprogramm hervor, der am Montag vorgelegt wurde.

Die IAEA übt darin deutliche Kritik an Teherans mangelhafter Zusammenarbeit mit ihren Inspektoren und fordert Iran zu "aktiver Kooperation" auf. Es sei "bedauerlich und Besorgnis erregend", dass die IAEA trotz intensiver, jahrelanger Bemühungen immer noch nicht bestätigen könne, dass das Atomprogramm nur zivilen Zwecken diene.

Der kritische Bericht ist die Grundlage, auf der sich der Uno-Sicherheitsrat voraussichtlich im März mit dem Atomstreit befassen wird – sofern Iran bis dahin nicht einlenkt. Danach sieht es im Moment allerdings nicht aus. Zwar wollen Russland und Iran am Montag ihre Gespräche über einen Moskauer Kompromissplan zur Lösung des Atomstreits fortsetzen. Teherans Chefunterhändler Ali Ladridschani werde dazu persönlich nach Moskau reisen, meldeten russische Medien. Da frühere Gesprächsrunden erfolglos verliefen, rechnen westliche Diplomaten aber nicht damit, dass es am Montag zu einem Durchbruch kommt.

Dem Bericht zufolge hat Iran seit September 2005 rund 85 Kubiktonnen des Urangases UF6 hergestellt. Nach Angaben der IAEA sind sechs Tonnen UF6 genug, um daraus durch Anreicherung eine "significant quantity" an hochangereichertem Uran zu gewinnen. Dieser Begriff bezeichnet die Menge an Spaltmaterial, die für den Bau einer Bombe nötig ist. 85 Tonnen UF6 ließen sich daher zumindest in der Theorie zu rund 14 Nuklearwaffen verarbeiten. Irans UF6-Vorrat sei "nicht unerheblich", sagte ein IAEA-Mitarbeiter der FTD.

Experten warnen allerdings vor Panik. Zum einen sei Irans gesamter UF6-Vorrat von der IAEA versiegelt. Zudem gebe es "belastbare Hinweise", dass die Qualität des Gases minderwertig sei.

Hinzu kommt, dass Iran derzeit nicht die technischen Möglichkeiten hat, um große Mengen des Gases hoch anzureichern und so zu einem waffentauglichen Spaltstoff zu machen. Laut IAEA betreibt Iran in seiner Forschungsanlage Natanz derzeit nur eine kleine "Kaskade" von zehn hintereinander geschalteten Zentrifugen, in denen eine winzige Mengen UF6 angereichert wird. Ob die Kaskade erfolgreich arbeitet, ist unklar.

Der Vorrat an UF6 dürfte jedoch die Sorge verstärken, dass Iran relativ schnell Waffenuran herstellen kann, sobald es die anspruchsvolle Zentrifugentechnik gemeistert hat. Ob Iran dies je schafft, ist offen, Teheran arbeitet aber daran: Eine Kaskade mit 20 Zentrifugen werde getestet, so die IAEA. Bis zum Herbst solle der Bau einer Anlage mit 3000 Zentrifugen begonnen werden.

Der Bericht weist auch auf "administrative Verbindungen" von Forschungsprojekten hin, die sich mit der Herstellung eines Vorproduktes von UF6, hochbrisanten Sprengstoffen und dem Design von ballistischen Raketensprengköpfen befassen. Diese Verbindungen können ein Hinweis auf ein militärisches Nuklearprogramm sein.  (Financial Times Deutschland)