Tuesday, November 29, 2022
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Iran kündigt Ausweitung der Urananreicherung an

Iran kündigt Ausweitung der Urananreicherung an Trotz steigenden internationalen Drucks will der Iran in Kürze weitere Zentrifugen zur Urananreicherung in Betrieb zu nehmen.

Moskau/Teheran – Trotz wachsenden Drucks der mächtigsten Staaten der Erde hat der Iran eine Ausweitung seines Atomprogramms angekündigt. Teheran kündigte am Mittwochabend bei einem überraschenden Treffen mit dem EU-Verhandlungstrio an, in Kürze weitere Zentrifugen zur Urananreicherung in Betrieb zu nehmen. US-Außenstaatssekretär Nicholas Burns warnte, die USA würde auch allein gegen den Iran vorgehen. Zugleich zeigte sich der Spitzendiplomat nach einer dichten Abfolge diplomatischer Gespräche optimistisch über eine gemeinsame Strategie der internationalen Gemeinschaft. Die USA forderten von Rußland einen Stop der atomaren Zusammenarbeit mit dem Iran.

Der Iran wolle zwei neue so genannte Zentrifugen-Kaskaden zur Urananreicherung in Betrieb nehmen, sagte ein französischer Diplomat nach dem Treffen des EU-Verhandlungstrios aus Deutschland, Großbritannien und Frankreich mit einer iranischen Delegation in Moskau. Die Delegation habe den Europäern angeboten, sich an dieser neuen Stufe zu beteiligen. Eine Kaskade besteht aus 64 Zentrifugen zur Urananreicherung. Angereichertes Uran kann sowohl für Atomkraftwerke als auch für Atomwaffen verwendet werden. Für den Waffenbau muß es allerdings sehr hoch angereichert sein. Das EU-Trio habe das Angebot des Irans zu einer Kooperation abgelehnt und erneut kategorisch einen Stop der Urananreicherung gefordert, sagte der französische Diplomat.

Burns sagte am Abend in Moskau, der beste Weg zu einem Fortschritt sei die Zusammenarbeit mit anderen Ländern. Washington habe dafür "viel Zeit aufgewendet". Die USA hätten ihren Standpunkt klargemacht, daß es in niemandes Interesse sei, daß der Iran Atomwaffen besitze. "Und wir werden tun, was wir zu tun haben, um dies zu verhindern", sagte der Diplomat weiter.

Zugleich zeigte er sich optimistisch, eine gemeinsame Lösung zu erreichen. "Fast jedes Land erwägt irgendeine Art von Sanktionen und das ist neu", sagte Burns nach einem Treffen von Spitzendiplomaten der sieben führenden Industrienationen und Rußlands (G8). Nach dem Start der iranischen Urananreicherung in der vergangenen Woche bestehe "ein größeres Gefühl der Dringlichkeit". Vor allem Rußland und China stellen sich im UN-Sicherheitsrat bisher gegen scharfe Sanktionen gegen den Iran. Diese werden von den USA, Frankreich und Großbritannien gefordert.

"Wir halten es für wichtig, daß alle Länder ihre Zusammenarbeit mit dem Iran auf dem nuklearen Sektor einstellen", sagte Burns in Moskau. Dazu gehörten auch zivile Atomprojekte wie das Atomkraftwerk in Buschehr. Die USA fürchten, die Anlage könnte zum Bau von Atomwaffen mißbraucht werden. Buschehr, Irans erstes Atomkraftwerk, wird derzeit von russischen Ingenieuren gebaut. (Artikel erschienen am Mi, 19. April 2006 in die WELT)