StartNachrichtenMenschenrechteWarum Iran Warnungen der USA vor dem Anschlag in Kerman missachtet hat?

Warum Iran Warnungen der USA vor dem Anschlag in Kerman missachtet hat?


Iranische Amtsträger spielen einen Bericht des Wall Street Journal herunter, der ohne Namensnennung einen Amtsträger der USA mit der Aussage zitiert, wonach die Regierung der Vereinigten Staaten das iranische Regime vor einem möglichen Angriff von ISIS in Kerman, bei dem Dutzende Menschen getötet wurde, gewarnt habe und dass eine Woche vor dem Ereignis.

Am 26. Januar stellte die offizielle Nachrichtenagentur IRNA des iranischen Regimes fest: „Informierte Kreise haben die Darstellung von The Wall Street Journal in Bezug auf den terroristischen Anschlag in Kerman zurückgewiesen. Ferner hat ein Sicherheitsbeamter, der sich auskennt, auf den Bericht des Wall Street Journal reagiert, indem er versicherte: ‚Wenn von den Vereinigten Staaten ein Sicherheitshinweis erfolgt ist, so war die Absicht dahinter, Vergeltungsmaßnahmen des Iran zu verhindern, besonders wegen des jetzigen israelischen Gaza-Krieges‘“.

Am 3. Januar detonierten zwei Bomben nahe dem Grab von Qasem Soleimani, dem Befehlshaber der Quds Armee im Corps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC), bei einer Versammlung in dessen Heimatstadt Kerman zum Gedenken an den Jahrestag seines Todes. Der Angriff hinterließ Dutzende tote und verletzte iranische Bürger. Nach dem Vorfall beschuldigte das iranische Regime umgehend Israel und die Vereinigten Staaten; dabei übernahm nach etwa 20 Stunden ISIS die Verantwortung für den Angriff. Die Vereinigten Staaten bestätigten offiziell, dass ihre nachrichtendienstliche Beurteilung auch darauf hindeutete, dass ISIS hinter dem Angriff stünde.

https://x.com/iran_policy/status/1744463571868643335?s=20

Sofort nach den Anschlägen äußerten sich Iraner in den sozialen Medien und zeigten sich skeptisch gegenüber Teherans Behauptungen und wiesen auf eine Beteiligung des Regimes. Manche führten an, dass das iranische Regime für die Sicherheit der Besucher verantwortlich gewesen sei und insofern die Hauptverantwortung für die Tragödie trage.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Abwesenheit hochrangiger iranischer Amtsträger, Militärbefehlshaber und sogar von Mitgliedern von Soleimanis Familie bei der Versammlung in Kerman. Stattdessen nahmen sie an staatlich organisierten Zeremonien in Teheran oder im Irak am Grab von Abu-Mahdi al-Muhandis teil, einem wichtigen terroristischen Befehlshaber, der zugleich mit Soleimani bei dem Drohnenangriff der USA im Jahr 2020 getötet worden war. Viele Iraner deuteten die genannte Abwesenheit als Beweis für eine Kenntnis des Regimes vor den geplanten Angriffen.

Ein Video mit einem Interview eines Krankenhausdirektors in Kerman, der aussagte, dass das Krankenhaus vor diesem Vorfall in Alarmbereitschaft versetzt worden sei, erregte in den sozialen Medien eine verbreitete Aufmerksamkeit. Die aufkommenden Beschuldigungen gegen das Regime hat sie dazu veranlasst, sich verschiedene Narrative auszudenken, um die Kritik von sich abzulenken. So hat die Tochter Soleimanis angegeben, sie habe einen Traum gehabt, in dem ihr Vater sie vor dem Besuch der Zeremonie gewarnt habe.

Darüber befragt, ob die Preisgabe der USA ein Versuch gewesen sei, an einer diplomatischen Verständigung mit Teheran zu arbeiten, oder auf eine nachrichtendienstliche Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern hindeute, leugnete Vedant Patel, der haupt-beauftragte Sprecher des US Außenministeriums, kategorisch jeden derartigen Zusammenhang.

Im Lichte des schlechten Rufes des Regimes als staatlicher Förderer von Terrorismus und der Tatsachen, dass seine höheren Amtsträger Experten in Bezug auf den Umgang mit Sprengstoff sind und dass Innenminister Ahmad Vahidi auf der Interpolliste der Gesuchten steht, ist die Entscheidung, die Versammlung in Kerman trotz aller Warnungen aus Kreisen der Nachrichtendienste stattfinden zu lassen, höchst fragwürdig. Sie spiegelt die geringe Achtung des Regimes für Menschenleben und Leiden wieder, sogar dann wenn es Gefolgsleute betrifft.

https://x.com/iran_policy/status/1670030276414836736?s=20

1994 forderte eine Bombenexplosion im Imam Reza Schrein in Maschhad das Leben Dutzender iranischer Bürger. Danach beschuldigte Teheran sofort die Organisation der Volksmudschahedin des Iran (PMOI/MEK) Jahre später jedoch offenbarten mehrere frühere Sicherheitsbeamte, dass in Wirklichkeit das iranische Ministerium für Sicherheitsdienste hinter der Explosion gestanden habe und sie als Mittel benutzt habe, um die PMOI sowohl in der iranischen Gesellschaft als auch in internationalen Kreisen zu diskreditieren.

Zudem erklärte nur wenige Tage vor dem Ereignis in Kerman Gholamreza Qasemian, der Chef des parlamentarischen Dokumentationszentrums, dass der Abschuss des Flugzeugs der Internationalen Fluglinie der Ukraine beim Flug PS752 durch das Flugabwehrsystem des IRGC im Jahr 2020 eine Operation unter falscher Flagge gewesen sei.

Er gab an, dass das Regime im Bestreben, das heimische Publikum von der Ernsthaftigkeit des Vergeltungsangriffs auf die amerikanische Ain al Assad Basis im Irak zu überzeugen, das ukrainische Flugzeug absichtlich abgeschossen habe, um die Welt zu schockieren.