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Aussagen eines früheren politischen Gefangenen beleuchten neue Aspekte des Widerstandes und der Brutalität der Mullahs beim Massaker von 1988

Die schockieren Aussagen von Ali Zolfaghari, einem früheren iranischen politischen Gefangenen, der beim Prozess von Hamid Noury, einem iranischen Gefängniswärter in den 80er Jahren, aussagte, zeigen neue Aspekte des Massakers von 1988. Die Aussagen von Zolfaghari machen deutlich, wie stark die jungen iranischen Widerstandskämpfer ihre Ideals eines freien demokratischen Iran verteidigten und dafür ihr Leben gaben.
Noury steht derzeit für seine Rolle beim Massaker von 1988 vor einem Gericht in Schweden. Bei dem Massaker wurden 30.000 politische Gefangene hingerichtet.
Ali Zolfaghari wurde 1981 verhaftet, als er 17 Jahre alt war. Er verbrachte 12 Jahre in Haft. Am 20. Oktober teilte er seine Erfahrungen in den iranischen Gefängnissen und beim Massaker von 1988 bei dem Prozess von Hamid Noury in Schweden. Viele Rechtsgelehrte sehen das Massaker als das größte Verbrechen gegen die Menschlichkeit im 20. Jahrhundert und als Genozid an. Die Mehrheit der Opfer des Massakers von 1988 waren Mitglieder und Unterstützer der Volksmojahedin Iran (PMOI/MEK). Das Massaker fand in wenigen Monaten auf Basis einer Fatwa des damaligen obersten Führers Ruhollah Chomeini statt.
Die Fatwa von Chomeini verurteilte alle politischen Gefangenen zum Tode, wenn sie loyal zu den Werten der MEK bleiben, egal welche Haftstrafen sie erhalten hatten.
Hamid Noury wurde im November 2019 verhaftet, nachdem er in Schweden eingereist war. Er nahm an dem Genozid von 1988 im Gohardasht Gefängnis teil.
Die Aussagen von Ali Zolfaghari vor Gericht zeigten auf, wie die Mitglieder und Unterstützer der MEK gezwungen wurden, entweder die Ideale der MEK zu verteidigen und dafür in den Tod zu gehen oder von diesen Werten Abstand zu nehmen und am Leben zu bleiben. 90% der Gefangenen wählten die erste Option und gaben somit ihr Leben für die Freiheit im Iran.
Alle Gefangenen traten vor sogenannte „Todeskommissionen“, welche über ihr Schicksal entschieden. In dem Komitee wurde meist nur eine Frage gestellt:“ Was war ihre Anklage?“. Wenn ein Gefangener sagte, dass er die MEK unterstützt, wurde er sofort an den Galgen geschickt. Wenn ein Gefangener „Monafeqin“ oder Heuchler (Begriff des Regimes für die MEK) sagte, dann wurden die Gefangenen weiter befragt. Dann wurde gefragt, ob man mit dem Regime kooperieren will, die Identität anderer Gefangener enthüllt oder an ihrer Hinrichtung teilnimmt. Diese Befragung dauerte in der Regel zwei bis drei Minuten.

Wahl zwischen Leben und Tod

Ali Zolfaghari stand selbst vor einer Todeskommission. Er sagte gegenüber dem Gericht:“ Wir wurden gezwungen, zwischen Leben und Tod zu entscheiden. Wenn man seine Ideale verteidigen wollte, wählte man den Tod und leider entschloss ich mich, am Leben zu bleiben. Diejenigen, die an ihren Idealen festhielten, starben. Ich war in so einer grauenvollen Situation. Ich kann diese Situation nicht mit Worten beschreiben“, ergänzte er.
„Vor dem Treffen mit der Todeskommission sagte uns Gholamreza Hassanpour, ein MEK Unterstützer, der nach dem Massaker von 1988 hingerichtet wurde:“ Sie werden alle von uns hinrichten. Es liegt an euch, welche Position ihr wählt.“, sagte Zolfaghari.
„Die einzige Sache, die mich viele Jahre danach am Leben hielt, war, die Ideale der massakrierten Gefangenen weiter zu tragen und ihre Stimme zu sein. Ich möchte die Stimme der 30.000 hingerichteten politischen Gefangenen sein“, sagte Zolfaghari.
Zolfaghari sagte auch aus, dass Hamid Noury ihn und zehn weitere Gefangene vor die Todeskommission führte. Laut Zolfaghari war dies am 1. August 1988. „In der Mitte des Tages kam Noury zu mir und flüsterte mir ins Ohr:“ Ist der Name deines Vaters Abdollah?“ Dann brachte er mich zur Todeskommission. Naserian, der Gefängniswärter, empfing mich dann vor einer Tür und führte mich in einen Raum. Er befahl mir, mich dort auf einen Stuhl zu setzen. Dann wurden mir die Augen verbunden. Ich brauchte eine Weile, um mich wieder an das Licht zu gewöhnen, als man mir nach geraumer Zeit wieder die Augenbinde abnahm. Dann sah ich einige Mullahs und eine Gruppe von Leuten in Zivil, die vor mir saßen.“
Sie fragten nach meinem Namen, den Namen meines Vaters und weswegen ich angeklagt wurde. Als sie mich nach meiner Anklage fragten, wusste ich, dass es jetzt um meine Hinrichtung geht. Ich zögerte einen Moment. Ich konnte meine Ideale nicht verteidigen und gab dem Druck nach. Doch ich habe nicht vergessen, wie viele Menschen gehängt wurden, die weiter die MEK unterstützt haben. Ich habe das nicht und ich überlebte und ich bedauere es bis heute. Nayeri, der Leiter der Todeskommission, sagte danach zu mir: Geh raus und schreib auf, was du gesagt hast. Ich habe die schwerste Entscheidung meines Lebens getroffen“, sagte Zolfaghari.

„Ich hörte von Nasserian, dass sie MEK Gefangene massakrieren“

„Als ich im Todeskorridor saß, sah ich Nasserian, wie er einen Stift gegen eine Wand drückte und sagte:“ Heute ist das Ashura der MEK. Jeder, der die Bedeutung von Ashura verstand, wusste, dass damit das Massaker an allen MEK Gefangenen gemeint ist. Nasserian war sehr glücklich.“, sagte Zolfaghari.
„Am selben Tag riefen sie mehrfach Namen und brachten die Gefangenen zu einem Ort. Davoud Lashkari, ein Gefängniswärter, Nasserian und Hamid Noury riefen Namen auf und brachten die Gefangenen nach Hussainieh (Ort für Trauernde), um sie dort hinrichten zu lassen. Zu den Hingerichteten gehörten Farzin Nosrati, Hamid Karkooti, Ebrahim Choobdar, Ahmad Moravej und Gholamreza Ghazanfarpour-Moghadam,
„Einer unser Zellenkollegen hatte in den USA studiert und er kannte den Morsecode sehr gut. Er verbrachte zwei Jahre in Einzelhaft und lernte ihn dort. Er war für den Morsecode verantwortlich. Ich passte auf, als er mit den anderen Zellen über diesen Morsecode kommunizierte. Ich fand heraus, dass Ebrahim Akbari-Sefat, der aus der gleichen Stadt wie ich kam, in einer benachbarten Zelle saß. Ich kannte ihn seit 1980. Er war der einzige Sohn einer sehr armen Familie. Er hatte nur noch einen Monat seiner Haftstrafe abzusitzen, bis er entlassen werden sollte. Ich war sehr eng mit seiner Familie verbunden. Sein Vater machte mich immer verlegen, wenn er in meinen Laden kam und mir sagte, dass ich ihn an seinen ermordeten Sohn erinnere.“, sagte Zolfaghari.
„Eine Woche später kamen Gefängniswärter. Wir mussten uns in einer Reihe aufstellen und dann wurden wir in den Todeskorridor gebracht. Es waren dort viele Gefangene und es gab für uns keinen Platz mehr. Ich konnte mich kaum neben einen anderen Gefangenen setzen. Wir wussten, dass ein Massaker abläuft und sie beglichen nun eine Rechnung, die sie uns schon seit Jahren angedroht hatten. Sie hatten uns vorher noch gesagt, sie würden uns nun aus dem Gefängnis entlassen. Ich fragte den Gefangenen, der neben mir saß, wie er heißt. Er sagte, er ist Behrooz Shahmogheni. Er war aus Teheran und er war sehr mit dem Widerstand verbunden. Ich sagte ihm, er soll vorsichtig sein, weil alle hingerichtet werden. Er sagte mir, dass er bereits vor Gericht die MEK verteidigt hätte, egal was kommen mag. Er sang den Song „Iran Zamin“ für mich. Dann wollte er wissen, wie stark ich zu meinen Idealen stehe und ob ich bereit bin, dafür zu sterben. Hamid Abbassi (Noury) kam zu uns, trat Behrouz und sagte ihm, dass er ihn umbringen wird. Er zog Behrouz hoch und nahm ihn mit sich. Ich habe Behrooz nie wieder gesehen.“
„Da war ein weiterer Gefangener. Ich fragte ihn, wer er ist und er sagte, er ist Hadi Mohammadnejad. Das Regime hatte seine drei Brüder gehängt und auch er wurde später hingerichtet.“
„Dann brachten sie mich zu dem Todeskomitee. Als ich vor ihm saß, begann die Zeit für die Predigt. Nayeri sagte:“ Lasst uns predigen und dann essen wir Mittagessen und dann machen wir weiter. Ich wurde wieder aus dem Raum gebracht. Während des Tages fragte mich Nasserian mehrere Male, ob ich vor das Gericht getreten bin und ich sagte ihm, dass ich das getan habe.“
„Ich wurde in Einzelhaft gesteckt und dort blieb ich, bis das Massaker vorbei war. Er war sehr hart für mich. Man wird nur einmal hingerichtet, doch ich wartete Tag für Tag auf meine Hinrichtung, es war eine schreckliche Qual. Ich wartete einen Monat lang darauf, dass sie mich an den Galgen führen. Leider kannte ich den Morsecode nicht und so konnte ich nicht mit den anderen Zellen kommunizieren. In meiner Zeit in Einzelhaft kamen einige Male Wärter in unsere Zellen, schlugen uns und forderten uns auf, Massoud Rajavi zu beleidigen. Nach einem Monat wurde ich in eine andere Zelle gebracht. Nur noch 150 von uns waren im gesamten Gohardasht Gefängnis am Leben geblieben.“
„Als ich ins Evin Gefängnis verlegt wurde, sagten uns die Wärter, dass wir alle hätten hinrichten sollen. Ich wünschte, ich wäre hingerichtet worden, denn seitdem lebe ich unter großem moralischem Druck.“

Der Chef der IAEO äußert Zweifel an der Zukunft des JCPOA mit dem Iran

In einem kürzlich gegebenen Interview mit NBC News hat der Chef der Internationalen Atomenergie Organisation eingeräumt, dass die Überwachung einer iranischen Atomanlage in Karadsch nicht „intakt“ sei, weil die Geräte zur Beaufsichtigung dort beschädigt seien.
Die Weltmächte setzen ihre Bemühungen, den Vertrag wiederzubeleben fort, während Teheran seine provokativen Handlungen fortsetzt und damit bestätigt, dass jeder schwache Ansatz gegenüber dem Regime Teheran darin bestärkt, mit seiner nuklearen Erpressung weiter zu machen.
Mahmoud Nabaviyan, ein Mitglied der Sonderkommission für die Untersuchung des Gemeinsamen Umfassenden Plans von Maßnahmen (JCPOA) und ein Mitglied des Vorstands des Artikel-90 Ausschusses des Parlaments des Regimes hat vor kurzem zugegeben, dass der Reaktor in Arak dem Regime 9kg Plutonium im Jahr verschafft, genug für eine Bombe.
„Wie wichtig ist der Reaktor [in Arak] für uns? Er hat 9 Kilogramm Plutonium pro Jahr hergestellt, genug für eine Bombe… Je nach ihrer Technologie können Länder mit drei bis sieben Kilogramm Plutonium eine Bombe herstellen. Der Besitz eines solchen Reaktors würde eine Botschaft an Israel schicken, dass wir, wenn ihr einen Fehler gegenüber dem Iran macht, alles haben, was nötig ist [um das zu vergelten]“, prahlte Nabaviyan am 17. Oktober in einem Interview mit dem staatlichen Fernsehen.
Im Mai bestätigte Grossi die atomare Erpressung des Regimes, als er sagte, dass die systematischen Verstöße des Iran es „unmöglich“ machten, dass die ursprünglichen Bestimmungen eingehalten würden. „Der Iran hat Wissen angesammelt, er hat Zentrifugen angesammelt und er hat Material angesammelt“, erläuterte er, ehe er eine Alternative oder eine Ergänzungsvereinbarung forderte, um den neuen Problemen, die sich ergeben haben, gerecht zu werden.
Krise des Atomvertrags mit dem Iran. Wer trägt die Schuld?

Das Regime hat kategorisch die Aussicht auf eine Revision der Bestimmungen des Abkommens zurückgewiesen oder auch nur einen Tausch von Zugeständnissen zwischen ihm selbst und den USA.
Grossis öffentlicher Skeptizismus entstand kurz vor der Veröffentlichung eines Vierteljahresberichts der IAEO und die Ausstrahlung seines Interviews mit NBC erfolgte direkt, nachdem die USA und die drei europäischen Unterzeichner sich in Paris getroffen hatten, um zu besprechen, welche gemeinsame Maßnahme sie ergreifen könnten, wenn der Iran weiterhin die Wiederaufnahme der Gespräche verzögert, die in Wien bis Juni stattgefunden hatten, mit dem Ziel, den vorhandenen Atomvertrag wieder herzustellen. Das Regime würde sich sicherlich Zeit lassen mit den Atomgesprächen, besonders im Lichte einiger neuester Bemerkungen des Außenministers des Regimes Amir-Abdollahian und anderer Amtsträger des Regimes. Zuvor im Oktober hatte Amir-Abdollahian ausdrücklich die Forderung nach 10 Milliarden Dollar an freigegebenen Guthaben gestellt, um zu beweisen, dass es den USA Ernst sei mit der Fortsetzung des Prozesses.
Seine Äußerungen in der Hinsicht sind umso mehr zu verurteilen, nachdem der der letzte Quartalsbericht der IAEO ein andauerndes Fehlen an Transparenz auf anderen Gebieten enthüllt hat und ebenso Unterbrechungen des allgemeinen Überwachungsregimes, die größer waren als die meisten Beobachter gedacht hatten.
Statt jedoch eine entschiedene Politik einzunehmen und Teheran für seine provokativen Handlungen zu bestrafen, hat sich die Weltgemeinschaft der Erpressungskampagne der Mullahs gefügt. Im Februar hat Grossi persönlich eine Vereinbarung mit Teheran getroffen, um zu verhindern, dass die Atom-Überwacher gänzlich aus dem Land vertrieben werden. Stattdessen hat Teheran der IAEO den Zugang zu Überwachungsgeräten verwehrt.
Nach der Vereinbarung vom Februar ging man weitgehend davon aus, dass die IAEO die iranischen atomaren Einrichtungen nicht direkt überwachen könnten, sei’s in Person oder per Video, aber es wurde wenig später enthüllt, dass der Zugang zu anderen Typen von Überwachungsgeräten auch gesperrt wurde, was die IAEO dazu zwang, nachfolgende Berichte mit unbestätigten Schätzungen zu füllen, zum Beispiel über die Menge an angereichertem Uran, die das Regime gelagert hatte. Der neue Chef der Atomenergie Organisation des Iran Mohammad Eslami hat sich über diese Situation lustig gemacht, indem er öffentlich behauptete, dass die Menge an auf 20 Prozent angereichertem Uran 120 kg überschritten habe, während die IAEO sie auf weniger als 90 geschätzt habe.
Statt aber Teheran für sein Verhalten zur Verantwortung zu ziehen, hat die IAEO die Handlungen des Regimes toleriert und ihm erlaubt, mit seinen verhängnisvollen Aktivitäten fortzufahren. Im September wurde berichtet, dass Grossi eine weitere Vereinbarung mit den iranischen Behörden getroffen habe, dieses Mal, um eine Gelegenheit für das IAEO Personal sicherzustellen, Routinewartungen der Überwachungsgeräte vorzunehmen, die unzugänglich geblieben waren.
Siehe dazu auch:
Iran: EU’s Appeasement Policy and Its Consequences
[Die Appeasement-Politik der EU gegenüber dem Iran und deren Folgen]
Turning A Blind Eye To IAEA’s New Report Is A Sign Of Appeasement Toward Iran’s Regime
[Sich gegenüber dem neuen Bericht der IAEO blind zu stellen, ist ein Zeichen für Appeasement gegenüber dem Regime im Iran]
Appeasement Policy Led Both Hitler and Iran’s Regime To Spread Terrorism and War Across Europe. This Should End Now
[Appeasement-Politik hat sowohl Hitler als auch das Regime im Iran dazu angeleitet, Terrorismus und Krieg in ganz Europa zu verbreiten. Das sollte jetzt aufhören]
Das Regime hat diesen Vertrag nie eingehalten, wie Grossi später bestätigt hat. Durch den Abschluss einer solchen Vereinbarung mit der IAEO hat Teheran im September mögliche Gegenmaßnahmen des Gouverneursrats der IAEO umgangen, die für das Regime schwere Beeinträchtigungen nach sich gezogen hätten.
Trotz der laufenden Verletzungen des Vertrags durch das Regime hat der Chef für Außenpolitik in der EU Josep Borrell öffentlich erklärt, dass er immer noch „optimistisch” für die Aussichten einer Wiederherstellung des JCPOA sei. Aber Borrell hat auch ausgesagt, er wolle nicht an eine Alternative zum derzeitigen Prozess denken, „weil kein … Plan B, den ich mir vorstellen könnte, ein guter wäre“.
Als Teheran im vergangenen Jahr klarstellte, dass es keine der Vorkehrungen des JCPOA unbedingt befolgen werde, setzten England, Frankreich und Deutschland ein Streitschlichtungssystem in Gang, das zum Ergebnis haben sollte, dass alle internationalen Sanktionen gegen den Iran „zurückschnappen“, wenn in wenigen Monaten keine Resolution zustande käme. Jedoch erklärte Borrell bald danach öffentlich, dass der Prozess für eine Resolution unendlich hinausgezögert werden könne, und machte die Drohung des Zurückschnappens null und nichtig und er erlaubte einen indirekten Verhandlungsprozess, der noch zwei Jahre oder so weitergehen könne.
Es ist aber festzustellen, dass trotz Borrells Behauptungen, dass die Weltgemeineischaft mit einer Wiederherstellung des JCPOA imstande sein würde, das Atomprogramm des Regimes zu kontrollieren, Teherans schnelles Voranschreiten bei der Anreicherung von Uran über das hinaus, was ihm vom JCPOA erlaubt wird, zeigt, dass der Vertrag in hohem Maße fehlerhaft ist. Mit anderen Worten: das JCPOA konnte niemals ernsthaft das Atomprogramm kontrollieren.
Teheran spielt jetzt Katz und Maus mit den Westmächten. Wenn klar wird, dass es den geringsten Druck von der Weltgemeinschaft geben könnte, ruft Teheran nach Verhandlungen und trifft Vereinbarungen mit der IAEO, um sich Zeit zu erkaufen. Die gleiche Taktik hat Teheran benutzt, seit sein Atomprogramm 2002 von Iranischen Widerstand offengelegt wurde und die Weltmächte ihre Verhandlungen mit dem Regime begonnen haben.
„In diesen Jahren, eine beträchtliche Zeit, wollten wir die Begutachtung unserer Gegner stören. Damit das geschehen konnte, brauchten wir mehr Zeit. Wir mussten unsre Möglichkeiten in der Realisierung zeigen, damit sie sie sehen konnten. Die 20 % Anreicherung konnten nicht über Nacht erreicht werden. Es brauchte einige Zeit. Fordow und Arak [Atomanlagen] brauchten einige Zeit. Es brauchte also einige Zeit, um das zu erreichen. Deshalb kauften wir uns Zeit. Dann aber waren wir bereit, einen Vertrag auszuhandeln, der Verhandlungsprozess wurde beschleunigt“, erklärte Ali Bagheri Kani in einem Interview mit dem Staatsfernsehen 2019.
Mit anderen Worten: Indem man Teheran erlaubt, die Verhandlungen hinauszuzögern, erlaubt die Weltgemeinschaft dem Regime, sein Ziel zu verfolgen, zu einer Atomwaffe zu gelangen. Wie der Iranische Widerstand mehrfach festgestellt hat, sind die Wiederherstellung von sechs Resolutionen des UNO Sicherheitsrats, das vollständige Stoppen der Anreicherung und Inspektionen überall zu jeder Zeit zwingend notwendig, um das Regime daran zu hindern, eine Atomwaffe zu erwerben.

Iran: 33 Jahre nach dem Massaker von 1988: Wird es Gerechtigkeit geben?

Von Hossein Farsi

Als das iranische Regime das Massaker von 1988 beging, war ich im Gohardasht Gefängnis wegen des Vorwurfs der Unterstützung der Organisation der Volksmudschahedin des Iran (PMOI/MEK). Die MEK, immer noch die führende Stimme für eine demokratische Alternative zur derzeitigen Diktatur, war das Hauptziel des Massakers und ihre Mitglieder machten mehr als 90 Prozent der 30 000 Opfer dabei aus. Ganze Trakte wurden in manchen Gefängnissen im Verlauf von etwa drei Monaten jenes Jahres ausgelöscht. Meine Freunde, Kollegen und Zellengenossen wurden hingerichtet, deshalb trage ich seit 33 Jahren die schwere Bürde der Verantwortung, ihr Andenken zu ehren und mich für Gerechtigkeit für sie einzusetzen.
Leider blieben in all dieser Zeit die meisten jener Bemühungen durch die Festlegung der internationalen Gemeinschaft auf Untätigkeit in Bezug auf die vergangenen Verbrechen des iranischen Regimes vergeblich. Die MEK und der Nationale Widerstandsrat Iran haben unermüdlich daran gearbeitet, dafür zu werben, dass formell Untersuchungen über das Massaker von 1988 angestellt werden, und zu betonen, dass solche Untersuchungen zuverlässig die Bühne bereiten für internationale Strafverfolgung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. In den letzten Monaten haben mehrere Rechtsgelehrte sogar den Fall der Täter des Massakers von 1988 zu einem gemacht, in dem sie dem Vorwurf des Völkermords unterworfen werden auf der Grundlage von Beweisen dafür, dass die Tötungen nicht nur einfach von Unwillen über die Politik der MEK motiviert waren, sondern auch durch ihre Rolle als Verkörperung wahrer islamischer Auffassungen.
Das Rechtsargument wurde der internationalen Gemeinschaft im Zusammenhang von Konferenzen präsentiert, die organisiert worden waren, um zur „Auswahl” des neuen Präsidenten des Regimes Ebrahim Raisi Stellung zu nehmen. 1988 war Raisi stellvertretender Ankläger in Teheran und er ergriff unmittelbar vor dem Massaker die Gelegenheit, als einer von vier Amtspersonen in einer „Todeskommission“ zu arbeiten, die bei den Tötungen in den Gefängnissen von Teheran und Gohardasht die Oberaufsicht hatten. Die Todeskommission war beauftragt mit den Verhören der politischen Gefangenen über ihre Ansichten und Verbindungen und stellte im Allgemeinen nur eine Frage, um sich zu vergewissern, ob der oder die Angeklagte als „Feind Gottes“ eingestuft werden könne auf der Grundlage der Unterstützung für die MEK.
Die „Prozesse“ vor dieser Todesskommission dauerten manchmal nur eine Minute, bevor Raisi und seine Kollegen die Hinrichtung des Insassen verfügten. Viele der Opfer hatten vorher mildere Urteile bekommen und manche hatten diese Strafen schon vollständig verbüßt. Das hat aber die Behörden nicht daran gehindert, die außerordentlich breite, gnadenlose Anordnung der Massenexekution auszuführen, die in einer Fatwa des damaligen Obersten Führers Ruhollah Khomeini enthalten war. Die Todeskommissionen gingen im Eifer der Umsetzung dieses Edikts so weit, dass sie nicht zögerten, schwangere Frauen und 15jährige Kinder zu töten aus dem Antrieb heraus, die MEK insgesamt zu beseitigen.
Es ist unmöglich, den Schaden zu hoch anzusetzen, den die Westmächte ihrem eigenen Ruf als Verteidiger der Menschenrechte zufügen ebenso wie den Aussichten auf einen demokratischen Wandel im Iran, wenn sie sich gegenüber dem Völkermord und den Verbrechen gegen die Menschlichkeit blind stellen. Die internationale Akzeptanz der Administration Raisis verleugnet nicht nur die Gerechtigkeit für die Opfer des Massakers von 1988, sondern ermutigt das Regime auch dazu, ein ähnliches Vorgehen gegen Dissens in den kommenden Monaten und Jahren vorzunehmen. Das ist umso offensichtlicher im Licht dessen, dass Raisi seine offenbare Straflosigkeit als Chef der Justiz ausgenutzt hat, als er Schlüsselaspekte eines staatlichen Vorgehens beaufsichtigte, bei dem 1500 Menschen nach dem Ausbruch von landesweiten Protesten im November 2019 getötet wurden.
VIDEO: Die nicht erzählte Geschichte über das Massaker 1988 im Iran

Das westliche Schweigen über solche Dinge wäre schlimm genug, wenn die Aufmerksamkeit auf das Massaker von 1988 nur im Wahlkampf für Raisis Präsidentschaft eine Rolle gespielt hätte. Aber in Wirklichkeit hat sich die internationale Gemeinschaft gegenüber dem Massaker von 1988 blind gestellt, seit es stattfand, und sich sogar gegenüber den Warnzeichen blind gestellt, bevor es angefangen hat.
Wir haben gewiss diese Warnzeichen in den politischen Trakten der iranischen Gefängnisse erkannt. Seit 1986 wuchsen die Spannungen zwischen den politischen Gefangenen jäh an und führten zu so Dingen wie koordinierten Hungerstreiks einerseits und die Verweigerung von Besuchen von Angehörigen andererseits.
Als ich und Mitgefangene Anfang 1988 nach Gohardasht gebracht wurden, wurden wir zwischen den Linien der Revolutionsgarden aufgereiht, die uns mit Waffen schlugen, während wir unseren Weg ins Gefängnis machten. Dann wurden wir nackt ausgezogen und weiteren Schlägen ausgesetzt, bevor wir unter Bedingungen eingeschlossen wurden, die zunehmend schlimmer wurden, bis das Massaker begann. Obwohl der steigende Druck größere Isolation der Gefängnisse von der Außenwelt einschloss, weiß ich mit Sicherheit, dass Informationen in die aktivistischen Netze jenseits der Gefängnismauern durchsickerten und zuletzt zu den Gemeinschaften der Expatriierten in den westlichen Hauptstädten.
Der Iranische Widerstand hat an westliche Regierungen um Hilfe appelliert und er hat diese Appelle mehr als drei Jahrzehnte lang aufrecht erhalten, hat aber herzlich wenig Erfolg gehabt. Zum Glück haben andere Gruppen zur Verurteilung dieser Untätigkeit in den letzten Jahren beigetragen, so sieben UNO Menschenrechtsexperten, die in einem offenen Brief im September 2020 geschrieben haben, dass diese Untätigkeit „verheerende Folgen für die Überlebenden und Angehörigen [der Opfer des Massakers] hatte und ebenso auf die allgemeine Situation der Menschenrechte im Iran“.
2019 wurde ein früherer Beamter im Gohardasht Gefängnis in Schweden verhaftet für seine Rolle beim Massaker 1988. Der Prozess gegen Hamid Noury soll voraussichtlich im April abgeschlossen werden nach den Zeugenaussagen von Dutzenden von Überlebenden. Er repräsentiert ein konkretes Beispiel für das Rechtsprinzip des „Weltrechts“ gegen die schwersten internationalen Verbrechen und jetzt, wo es sich als gangbar erwiesen hat, muss es auf Teilnehmer höheren Ranges an dem Massaker angewandt werden, darunter den derzeitigen Präsidenten des Regimes Ebrahim Raisi.

Iran: Mindestens 141 Gefangene seit Beginn der Präsidentschaft von Raisi gehängt; 31 Hinrichtungen in den letzten 30 Tagen

Aus Angst vor der Wut und dem Hass des Volkes hat das kriminelle Mullahregime seine Unterdrückung, Folterung und Hinrichtung verschärft, um das Volk zu terrorisieren und den Ausbruch weiterer Proteste und Aufstände zu verhindern. Mindestens 31 Gefangene wurden in verschiedenen iranischen Städten allein in den letzten 30 Tagen gehängt. Damit steigt die Zahl der hingerichteten Personen nach dem Amtsantritt von Ebrahim Raisi and Gholam Hossein Mohseni Eje’i als Präsident und Justizchef am 21. Juli 2021 auf mindestens 141 Menschen an.
Am 19. Oktober wurden Ali Mohammad Mohammadi (45) und sein Bruder Eslam Mohammadi (38) aus Ramhormoz im Sepidar Gefängnis in Ahvaz hingerichtet. Schockiert von ihrer Hinrichtung starb ihre Mutter an einem Herzinfarkt. Die Bürger von Ramhormoz protestierten gegen diesen kriminellen Akt, doch Sicherheitskräfte griffen sie brutal an und verwundeten eine Gruppe von ihnen und nahmen sie fest.
Am 20, Oktober wurde ein Beluche, der im Zahedan Zentralgefängnis inhaftiert war, hingerichtet, obwohl er zu 80% erblindet ist.
Der iranische Widerstand fordert erneut die Vereinten Nationen und alle Menschenrechtsorganisationen auf, dringende Maßnahmen einzuleiten, damit die willkürlichen und kriminellen Hinrichtungen im Iran beendet werden. Die massiven Menschenrechtsverletzungen im Iran müssen vor dem UN Sicherheitsrat debattiert werden und die Anführer des Regimes müssen für vier Jahrzehnte der Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Genozid zur Verantwortung gezogen werden.

Sekretariat des Nationalen Widerstandsrates Iran (NWRI)
24. Oktober 2021

Videobotschaften von rebellischen Frauen und Widerstandseinheiten im Iran

Maryam Rajavi’s 10 – Punkte Plan für einen zukünftigen Iran garantiert Demokratie, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit

Zeitgleich mit dem Jahrestag der Wahl von Maryam Rajavi zur Präsidentin des Nationalen Widerstandsrates Iran (NWRI) für die Übergangsphase, drückten rebellische Frauen und Vertreter von Widerstandseinheiten der Mujahedin-e Khalq (MEK/PMOI) ihre Verurteilung des klerikalen Regimes und ihr Bekenntnis zum Sturz der herrschenden religiösen Diktatur aus. Sie erneuerten auch ihr Bekenntnis zur Bildung einer demokratischen Republik, die auf der Trennung von Kirche und Staat und der Gleichberechtigung der Geschlechter in allen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereichen basiert sowie ihre Ablehnung aller Formen der Diskriminierung unter den Gesetzen des Mullahregimes.
Die Videobotschaften kamen aus Dutzenden iranischen Städten, darunter aus Teheran, Mashhad, Isfahan, Shiraz, Täbris, Karaj, Ahvaz, Kermanshah, Ardabil, Ghom, Rasht, Kashan, Semnan, Hamedan, Khorramabad, Yazd, Kerman, Qazvin, Ilam, Sari, Urmia, Zanjan, Khorramshahr, Abadan, Bandar Abbas, Zahedan, Semnan, Chabahar, Sanandaj, Maragheh, Yasuj, Anzali, Amol, Neyshabur, Nowshahr, Rudsar, Langarud, Chalus, Lahijan, Gorgan, Astara, Borujerd, Bushehr, Kazerun, Kashmar, Shahinshahr, Shahinshahr, Mahshahr, Omidiyeh, Khash, Shahrekord, Saravan und Shahroud. Auszüge der Botschaften waren wie folgt:
In einer Nachricht aus Mashhad im Nordosten des Iran an Frau Rajavi sagte eine junge Frau:“ Sie gaben mir Mut, Entschlossenheit und Standhaftigkeit. Ich habe verstanden, dass die Frauen aufstehen müssen, um sich der Unterdrückung zu widersetzen und dass sie nie aufgeben dürfen.“
„Wir, die unterdrückten Frauen des Iran, unterstützen ihren 10 – Punkte Plan zum Sturz des Regimes und zur Gründung eines freien und demokratischen Iran“, sagte eine Frau aus einer MEK Widerstandseinheit in Teheran.
Eine andere junge Frau aus Isfahan sagte:“ Mit ihnen werden wir bald einen freien und wohlhabenden Iran haben.“
Eine andere Frau aus Kermanshah im Westen des Iran sagte:“ Wir wollen kein faschistisches, unterdrückendes und kriminelles Regime, welches einen Genozid begeht. Wir werden sie in den Iran zurück holen.“
„Sie haben uns gezeigt, wie man gegen das Regime aufsteht und Widerstand leistet“, sagte eine weitere Frau aus Shiraz.

Sekretariat des Nationalen Widerstandsrates Iran (NWRI)
23. Oktober 2021

Botschaften der Solidarität von 120 Frauen und Mitgliedern von MEK Widerstandseinheiten an Maryam Rajavi


 

Ein Lieferwagen der MEK-Anhänger in Schweden in Brand gesetzt

Brandstiftung an einem Lieferwagen der MEK-Anhänger in Schweden

In den frühen Morgenstunden des Montag, 25. Oktober 2021, wurde ein Lieferwagen von Anhängern der Volksmojahedin Organisation Iran (PMIO/MEK) vor dem Haus von Hossein Abdi im Stockholmer Stadtteil Vällingby in Brand gesetzt. In den vergangenen drei Monaten wurde der Lieferwagen zeitgleich mit dem Prozess gegen den Handlanger Hamid Nouri vor einem Stockholmer Gericht für den Transport von Vorräten und Lebensmitteln für die Iraner genutzt, die sich vor dem Gericht versammelt hatten.
Ersten Erkenntnissen zufolge wurde das Fahrzeug vorsätzlich angegriffen. Es wurden Brandsätze verwendet, und das Geräusch der Explosion war während des Brandes zu hören. Das Auto eines Anwohners, das neben dem Lieferwagen geparkt war, wurde ebenfalls in Brand gesetzt.
Vor genau einem Monat, am 24. September, traf der Außenminister des klerikalen Regimes, Hossein Amir-Abdollahian, am Rande der UN-Generalversammlung mit dem schwedischen Außenminister zusammen und sagte unter Bezugnahme auf den Prozess gegen Hamid Nouri in Schweden, dass die Heuchler [abwertende Bezeichnung des Regimes für die Hauptopposition, die MEK] hinter diesem Komplott und dieser Verschwörung stecken. Er betonte, dass das Gericht der Tatsache Aufmerksamkeit schenken sollte, dass alle Dokumente und Anschuldigungen, die dem Gericht vorgelegt wurden, gefälscht sind, was die diskreditierten politischen Absichten hinter diesem Gerichtsprozess zeigt”.
Einen Monat zuvor hatte sich ein Sprecher des Außenministeriums des Regimes über den Prozess gegen Hamid Nouri beschwert und unverhohlen gesagt: “Die schwedische Regierung und das Gericht sollten wissen, dass der Prozess Teil einer Propagandamaschine der Mujahedin-e Khalq (MEK) geworden ist”, und hinzugefügt: “Wir werden natürlich alle unsere diplomatischen Mittel einsetzen, um Hamid Nouris Rechte zu erhalten und durchzusetzen.”
Es versteht sich von selbst, dass die einzige Partei in Schweden, die der MEK, ihren Anhängern und ihren täglichen Kundgebungen vor dem Gericht feindlich gegenübersteht, der im Iran herrschende religiöse Faschismus und seine Söldner und Kumpane sind. Der iranische Widerstand fordert die schwedische Polizei und die zuständigen Justizbehörden auf, die Angelegenheit zu untersuchen und die Ergebnisse der Untersuchung zu veröffentlichen.

Sekretariat des Nationalen Widerstandsrates Iran (NWRI)
25. Oktober 2021

Zeugen im schwedischen Prozess bestätigen die Notwendigkeit internationaler Maßnahmen in Bezug auf das Massaker von 1988 im Iran

In dieser Woche haben iranische Expatriierte eine Reihe von öffentlichen Demonstrationen fortgesetzt, in denen sie zu internationaler Strafverfolgung von führenden Figuren im iranischen Regime aufrufen, darunter des Obersten Führers Ali Khamenei und seines Präsidenten Ebrahim Raisi.
Fast alle Demonstrationen in Stockholm fielen zeitlich zusammen mit einzelnen Sitzungen im Prozess gegen Hamid Noury, einem früheren Gefängnisbeamten, der im Jahr 2019 bei der Reise nach Schweden verhaftet wurde, wobei die Behörden sich auf das Prinzip des „Weltrechts“ beriefen, um ihr Handeln zu rechtfertigen.
Die Vorwürfe gegen Noury, darunter Kriegsverbrechen und Massenmord, rühren her von seiner Rolle bei der Folterung von politischen Gefangenen im Gohardasht Gefängnis vor und während des Massakers von 1988, das im Verlauf von etwa drei Monaten das Leben von mehr als 30 000 politischen Gefangenen im ganzen Land kostete.
Die Demonstrationen in Stockholm und die begleitenden Erklärungen des Iranischen Widerstands heben hervor, dass Nourys Rolle bei dem Massaker noch gering war im Vergleich zu der von Ebrahim Raisi, der als einer von vier Funktionären in der Teheraner „Todeskommission“ tätig war, die bei den Verhören und der Hinrichtung von Dissidenten die Oberaufsicht hatte.
Iraner steht in Schweden wegen Kriegsverbrechen in den 1980er Jahren vor Gericht

Das Massaker erwuchs aus einer Fatwa des Regime Gründers und ersten Obersten Führers Ruhollah Khomeini und es zielte besonders auf die Organisation der Volksmudschahedin des Iran (PMOI/MEK). Das betreffende religiöse Edikt betrachtete die Mitglieder der MEK als inhärent schuldig der „Feindschaft gegen Gott“ und forderte die Behörden auf, sie umgehend und ohne eine Gelegenheit zur Strafmilderung hinzurichten.
Entsprechend dieser Empfehlung stellte Raisis Todeskommission den politischen Gefangenen nur eine Frage, um sich zu vergewissern, ob sie die MEK unterstützen oder nicht. Viele weigerten sich, die MEK zu denunzieren, und gaben ihr Leben für die Freiheit.
Diese Beschreibung des Massakers wurde mehrfach im Zusammenhang mit dem Verfahren gegen Noury bekräftigt. Dutzende von Zeugen erhielten die Gelegenheit, über ihre Erlebnisse als Überlebende des Massakers oder als Familienmitglieder der Opfer in einem Prozess zu sprechen, von dem man erwartet, dass er nicht vor dem nächsten April zum Abschluss kommt.
In den letzten Sitzungen kamen frühere politische Gefangene und MEK Mitglieder und Unterstützer zu Wort, die mehrere Familienangehörige bei dem Massaker verloren haben. Eine Zeugin, das MEK Mitglied Khadijeh Borhani, stellte fest, dass sie am Ende des Massakers von 1988 die einzige Überlebende unter ihren unmittelbaren Verwandten war. Vier ihrer Geschwister wurden bei früheren Strafmaßnahmen gegen Dissens getötet, und die übrigen zwei wurden während des Massakers durch Erhängen hingerichtet. Borhani schrieb den letztlichen Tod ihrer beiden Eltern der Trauer und dem Schock wegen der Angriffe des Regimes auf ihre Familien zu und sie erzählte, dass ihrer Mutter, als sie bei den Sicherheitskräften in Haft war, „von den Gefängniswärtern die Beine mit dicken Metallstäben gebrochen wurden“.
Ein anderer Zeuge, Seyyed Hossein Seyyed Ahmadi, erinnerte sich auch daran, dass seine Mutter von den Gefängnisbehörden angegriffen wurde, aber in ihrem Fall nicht deshalb, weil sie selbst verhaftet worden war. Stattdessen wurde sie geschlagen und ihr der Arm gebrochen, weil sie sich über die schwere Misshandlung ihres anderen Sohnes Mohsen beschwert hatte. Mohsen blieb ohne Ende in Haft, weil er sich weigerte, die MEK zu denunzieren, Seyyed Ahmadi erläuterte, dass etwa 100 der MEK Unterstützer für ihre politischen Aktivitäten in den 1980ern geringere Strafen erhielten, um aber im Gefängnis zu bleiben und zuletzt als Teil des Massakers von 1988 hingerichtet zu werden.
Das Massaker an politischen Gefangenen von 1988 im Iran: Augenzeugenberichte, Hossein Seyyed Ahmadi

Viele Zeugen betonten, dass das Massaker von 1988 ein laufendes Verbrechen gegen die Menschlichkeit war und ergänzten, dass die Familien innerhalb des Iran weiterhin unter Druck stehen, nicht über den Vorfall zu sprechen, und zugleich nicht zur inneren Ruhe kommen, weil sie keine Informationen über die Gräber der ihnen Nahestehenden erhalten. PMOI Aktivisten haben die Orte von Massengräbern in etwa drei Dutzend Städten herausbekommen, aber die Behörden des Regimes waren bestrebt, Beweise für das Massaker zu vertuschen, indem sie die Stätten zerstört und darauf gebaut haben.
Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International haben im Laufe der Jahre verschiedene Erklärungen herausgegeben, die darauf hinweisen, dass dieses Muster der Zerstörung, jegliche künftige Untersuchung zu untergraben droht, die zum Ziel haben könnte, das wahre Ausmaß und genaue Details über das Massaker von 1988 zu ermitteln. Der Iranische Widerstand, der diese Auffassung teilt und die Notwendigkeit einer formalen Untersuchungskommission unter Führung der UNO bekräftigt, hat auch betont, dass das Ergebnis jeder solcher Untersuchung die internationale Strafverfolgung von Ebrahim Raisi und anderer bekannter Täter von Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Iran sein sollte.

Irans steigende Hinrichtungsrate ruft lautstark nach internationalen Maßnahmen

Alleine in der zweiten Woche im Oktober wurden mindestens 16 Menschen im Iran hingerichtet. Zwei Monate vor dem Ende des Jahres 2021 wurde im Iran unter dem Mullahregime bereits die Hinrichtungszahl vom letzten Jahr übertroffen. Laut Iran Human Rights Monitor wurden in 2020 mindestens 255 Hinrichtungen ausgeführt, in 2021 wurden nach drei Hinrichtungen am Montag nun in 2021 bereits mindestens 286 Menschen hingerichtet.
Der Iran ist seit langer Zeit unter dem klerikalen Regime das Land mit der höchsten Hinrichtungsrate nach Einwohnerzahl. Nur China hat mit seiner Bevölkerung von mehr als einer Milliarde Menschen eine höhere Zahl an staatlich sanktionierten Hinrichtungen. Der Iran ist zudem eines der wenigen Länder in der Welt, wo Todesstrafen für Personen verhängt werden, die zum Zeitpunkt des ihnen zur Last gelegten Verbrechens unter 18 Jahre alt waren. Diese Praxis ist ebenso wie die generelle Verhängung der Todesstrafe unter internationalem Recht verboten.
Abgesehen von dem Fakt, wie viele Menschen das iranische Regime hingerichtet hat, bleiben viele seiner Vertreter immer noch gewillt, diese Praxis offen zuzugeben und sie lehnen die internationalen Menschenrechtsstandards ab.
Hinzu kommt die Tatsache, dass die Sicherheitskräfte des Regimes viele Geständnisse unter der Folter erzwungen haben.
In einigen Fällen nutzen die Behörden des Regimes eine Mordanklage als Vorwand, um politisch motivierte Hinrichtungen auszuführen. Das war zum Beispiel im Fall von Navid Afkari so, einem sehr bekannten Ringerchampion, der hingerichtet wurde, weil er angeblich einen Sicherheitsbeamten bei einem Anti – Regime Protest im September 2020 ermordet haben soll. Seine Hinrichtung fand trotz einer internationalen Kampagne zur Rettung seines Lebens statt. Später zeigten Überwachungskameras seine Unschuld und dies unterstrich, dass er deshalb hingerichtet wurde, weil er an den Protesten teilgenommen hatte.
Die Hinrichtung von Afkari fand zu einer Zeit statt, wo Ebrahim Raisi als Leiter der Justiz fungierte. Raisi hat die zentralen Aspekte der Niederschlagung des landesweiten Aufstandes im November 2019 überwacht, bei denen 1500 Demonstranten ermordet und zahllose weitere Demonstranten gefoltert wurden. Am Anfang dieses Jahres wurde Raisi dann als neuer Präsident des Regimes aufgestellt und es gab neue Proteste wegen seiner Rolle bei der Niederschlagung sowie gegenüber seiner langen Liste als Verletzer von Menschenrechten. Raisi gilt als einer der größten Verteidiger der Todesstrafe im Regime sowie bei anderen schweren Bestrafungen und einer brutalen Unterdrückung von Dissidenten.

Iran lässt Ringer Navid Afkari hinrichten

Im Sommer 1988 war Raisi einer von vier Vertretern im Teheraner „Todeskomitee“. Dieses setzte eine Fatwa des obersten Führers des Regimes, Ruhollah Chomeini, um, welche hauptsächlich Unterstützer der Mujahedin-e Khalq (MEK) zum Ziel hatte.
Raisi ist nur das letzte Beispiel einer Serie von Teilnehmern an diesem Massaker, die mit den höchsten Positionen und einem großen Einfluss in der iranischen Regierung und in der Gesellschaft belohnt wurden. Der aktuelle Regimepräsident ist jedoch das größte Beispiel dafür und er ist eine Person, die nun die meiste Macht hat. Diese Position erhielt er für seine Teilnahme am Massaker von 1988 und seine Niederschlagung von Dissidenten in 2019 und die steigende Hinrichtungsrate im Iran zeigt nun, dass dieser Prozess unter ihm weiter geht und das ist weiterer Treibstoff für die internationale Gemeinschaft, nun bedeutende Schritte zur Unterstützung der Menschenrechte zu unternehmen.
Am Montag protestierten Exiliraner bei einer Reihe von Demonstrationen in Stockholm, um auf das Massaker von 1988 und die seit langem fehlende gerichtlich Verfolgung der Verantwortlichen aufmerksam zu machen. Die Demonstrationen fanden zeitgleich mit der 30. Sitzung des schwedischen Strafgerichtshofes im Fall Hamid Noury statt, einem früheren iranischen Gefängniswärter, der auf der Basis der universellen Jurisdiktion 2019 verhaftet und später wegen seiner Rolle beim Massaker von 1988 wegen Kriegsverbrechen und Massenmord angeklagt wurde.
Ein solches Prinzip könnte auch bei Ebrahim Raisi angewendet werden, der von Reisen nach Europa ausgeschlossen werden könnte oder man würde ihn verhaften, wenn er es tut. Anfang Oktober hatte ein früheres Mitglied des EU Parlamentes, Struan Stevenson, eine formelle Anfrage für seine Verhaftung an die Polizei von Schottland eingereicht, als bekannt wurde, dass Raisi vielleicht nach Glasgow reisen könnte, um an der COP26 Klimawandel – Konferenz teilzunehmen.

Brief des ISJ-Präsidenten an den Chefredakteur von DIE Zeit

Herrn Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur
DIE ZEIT
Buceriusstraße, Eingang Speersort 1
20095 Hamburg
den 17. Oktober 2021

Sehr geehrter Herr di Lorenzo,
als Präsident des „Internationalen Komitees „Auf der Suche nach Gerechtigkeit (ISJ)“ und ehemaliger Vizepräsident des Europäischen Parlaments wende ich mich an Sie, um Ihnen von einer dringenden, schwer wiegenden Angelegenheit zu berichten; sie betrifft die seltsame Anfrage einer Frau Luisa Hommerich, die sich als Reporterin der Wochenzeitung DIE ZEIT vorgestellt hat.
Das Internationale Komitee „Auf der Suche nach Gerechtigkeit“ erfährt Unterstützung von 4000 Abgeordneten aus Europa und den Vereinigten Staaten. Am 14. Oktober 2021 um 20 Uhr sandte Frau Hommerich an das Vertretungsbüro des Nationalen Widerstandsrates Iran (NWRI) ein Schreiben mit 30 ziemlich tendenziösen Fragen und forderte eine Antwort bis Montag, den 18. Oktober, 18 Uhr. Diese Mitteilung, die eher einem Ultimatum als einer unparteiischen journalistischen Anfrage ähnelt, bezieht sich auf mehrere beunruhigende Angelegenheiten.

1. Man kann Frau Hommerich nicht als eine typische Journalistin bezeichnen. In den Jahren 2016 und 2017 studierte sie im Iran und hielt sich im Januar 2018 erneut eine Zeit lang in Teheran auf. Es ist nicht überraschend, dass sie bereits 2018 als „Reporterin“ für den deutschen SPIEGEL einen fast identischen Ansatz verfolgte und sogar ungebeten auftauchte vor den Toren von Ashraf-3, einer Kleinstadt, in der Mitglieder der wichtigsten iranischen Oppositionsgruppe, der Mujahedin-e Khalq (MEK), leben.

2. Jetzt hat sie – wie damals, als sie sich 2018 an den NWRI wandte – ähnliche Fragen vorgebracht. Sie hatte damals Dokumente erhalten, die auf mehreren hunderten Seiten alle unbegründeten, als Fragen vorgebrachten Beschuldigungen im einzelnen widerlegten; doch sie erwähnte keines von diesen Dokumenten. Am 16. Februar 2019 veröffentlichte DER SPIEGEL einen Artikel über die in „Ashraf 3“ bestehenden inneren Beziehungen; darin war von „Restriktionen“ und „Folter“ innerhalb der MEK die Rede. Der von ihr verfaßte Artikel wurde noch vor seiner Veröffentlichung im SPIEGEL von größeren staatlichen Medien des Iran abgedruckt; er hinterließ kaum Zweifel daran, dass die iranischen Geheimdienste im voraus davon gewußt und höchstwahrscheinlich das gesamte Unternehmen inszeniert hatten. Zu den in besagtem Artikel zusammengestellten Anschuldigungen gehörte die Behauptung, dass die MEK „in Ashraf 3 dreimal in der Woche trainieren, wie man im Kamp Kehlen durchschneidet“.

3. Am 21. März 2019 ordnete ein Hamburger Gericht den SPIEGEL an, diese Anschuldigungen aus dem Artikel zu streichen. Für den Fall, dass dies unterbliebe, verhängte es ein Bußgeld in Höhe von 250 000 € oder ersatzweise sechs Monaten Haft. DER SPIEGEL hat dies Gerichtsurteil niemals angefochten und strich die Verleumdungen unverzüglich aus dem Artikel; er wußte ja, dass er für den Fall, dass er das Gericht herausforderte, mit noch schwereren Niederlagen zu rechnen hätte.

4. Auch eine andere Zeitung, die FRANKFURTER ALLGEMEINE, erhob ähnliche Beschuldigungen, und zwar in einem am 13. Mai 2020 auf ihrer Website veröffentlichten Artikel. Am 24. Juni 2020 ordnete das Hamburger Gericht die Streichung von drei gegen die MEK und ihre Mitglieder in Albanien erhobenen Beschuldigungen an und untersagte ihre Wiederholung. Die Zeitung entfernte die betroffenen Passagen aus der Geschichte. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE legte gegen das Urteil Berufung ein, woraufhin das Gericht jedoch die ursprüngliche Anordnung bekräftigte und der Zeitung die Entrichtung aller mit dem Fall zusammenhängender Kosten auferlegte.

5. In beiden Fällen, dem des SPIEGELS und dem der FRANKFURTER ALLGEMEINEN, basierte ebenso wie in allen ähnlichen Geschichten, die in den Medien begegneten, die Masse der Beschuldigungen auf Lügen, die von Beamten des Ministeriums für Nachrichten der Islamischen Republik – welche sich als „ehemalige Mitglieder“ der MEK bezeichneten – erfunden worden waren. Eines dieser Individuen, Hadi Sani Khani, der vier Jahre lang in Albanien für das Geheimdienstministerium die MEK verteufelt hatte, schrieb am 14. Februar 2021 einen offenen Brief an den Generalsekretär der Vereinten Nationen und enthüllte darin eine der diesbezüglich vom Geheimdienstministerium angewandten Methoden. Er schrieb, er sei im September 2016 aus dem Irak nach Albanien gebracht worden. „Nach zwei Monaten, im November 2016, entschloß ich mich, weil ich den Kampf nicht mehr fortsetzen konnte, dazu, die Reihen der MEK zu verlassen, und wandte mich an das Büro des UNHCR in Tirana. Zwei Wochen später begab ich mich zu der iranischen Botschaft in Tirana. Vier Jahre lang befand ich mich darnach in der Falle, die mir das iranische Geheimdienstministerium (MOIS) und die Botschaft des iranischen Regimes in Albanien gestellt hatten. Während dieser Zeit unterhielt ich eine Zusammenarbeit mit offiziellen Agenten des MOIS in der albanischen Botschaft, darunter Fereidoun Zandi Ali-Abadi und anderen berüchtigten Agenten des MOIS wie Ebrahim und Massoud Khodabandeh, Gholamreza Shekari und Ehsan Bidi, später auch Hassan Heyrani. Sie setzten mich zur Verteufelung, Spionage, Sammlung von Nachrichten und Erkundung von Mustern gegen die MEK gerichteter Terror-Akte ein.“

6. Außerdem enthüllte Sani Khani die Art, wie das Geheimdienstministerium ein Netzwerk von Agenten mobilisiert und kontrolliert, die monatlich auf seinen verschiedenen Websites Artikel und Lügen veröffentlichen und sich dazu u. a. als ehemalige Mitglieder der MEK ausgeben. „Diese Leute bezogen im Monat €500 von der Botschaft. Nach den Befehlen der Botschaft müssen diese Söldner mindestens einen Account auf Facebook und Instagram einrichten und jeden Monat 12 gegen die MEK gerichtete Artikel verfassen, außerdem regelmäßig die von der Botschaft oder vom Geheimdienstministerium produzierten Gemeinplätze wiederholen.“ Außerdem engagierten sie sich – so berichtete Sani Khani – in einer umfangreichen Kampagne, die damit befaßt war, CD‘s mit Material zur Verteufelung der MEK an Medien und Abgeordnete in verschiedenen Ländern zu schicken. Er fügte hinzu: „Zu den Themen, die die Botschaft und das Ministerium diesen Agenten für ihre Interviews mit Geheimdienst-Veöffentlichungen bzw. für auf den Websites des Ministeriums unterzubringende Artikel vorschrieben, gehörten die Folterung der Dissidenten, der Mangel an Freiheit in den Beziehungen der MEK, die Gehirnwäsche, Geständnisse zu sexuellen Vorfällen und Gedanken, die Ermordung von Kurden und Schiiten im Irak, der Bezug von Geld aus den USA, Israel und Saudiarabien sowie die Idee, dass sie nukleare Informationen aus Israel erhielten und im Iran keinerlei Basis besäßen und keine Unterstützung durch das Volk erführen.“

7. Mit Bezug auf den besonderen Artikel des SPIEGELs, auf den oben hingewiesen wurde, erwähnte Sani Khani besonders Frau Hommerich: „Im September 2018 erfuhren wir durch die Botschaft, dass eine Reporterin der deutschen Zeitung DER SPIEGEL nach Albanien reisen solle; wir wurden gebeten, uns mit ihr zum Zwecke von Interviews zu treffen. Es war eine dreißigjährige Frau namens Luisa Hommerich; später erfuhr ich, dass sie 2016 und 2017 an der Teheraner Universität Islamwissenschaft studiert hatte und auch mit Mitgliedern der paramilitärischen Bassij zusammengekommen war. Wir trafen sie zusammen mit einer Gruppe anderer Agenten, die von der MEK desertiert waren, in einem Restaurant am Zagozi-Platz, Bezirk Ramsa. Wir alle erzählten ihr dann die die MEK betreffenden Lügen, die man uns zur Vorbereitung dieses Treffens aufgetragen hatte. Während der folgenden drei Monate stand ich mit ihr in Verbindung. Sie stellte mir gelegentlich weitere Fragen zur MEK, die ich dann mit der Botschaft besprach, um ihr die Antworten zu erteilen, die man mir gegeben hatte.“

8. Bei den 30 sog. Fragen in den neueren e-mails handelt es sich nicht wirklich um Fragen – weder in der Form noch in der Substanz. Wenn man sie liest, gewinnt man den Eindruck, dass Frau Hommerich ihre Folgerungen schon zuvor erhalten hatte und die e-mails nur abschickte, um den Eindruck zu erwecken, dass sie sich um ihre Be-antwortung bemühe. Was ihre Substanz angeht, sind die meisten dieser Beschuldigungen mehr als 30 Jahre alt; viele von ihnen basieren auf falschen, grundlosen Annahmen.

9. Ich kenne im Verein mit meinen europäischen und amerikanischen Kollegen, darunter dem verstorbenen Sir David Amess (der am vorigen Freitag im Vereinigten Königreich ermordet wurde), den NWRI und die MEK schon seit mehr als dreißig Jahren. Wir sind daher vertraut mit der massiven, aufwendigen Kampagne, die das iranische Ministerium für Nachrichten und Sicherheit (MOIS) zur Verteufelung der MEK betreibt. Das Teheraner Regime leugnet gar nicht die Tatsache, dass es Journalisten und angebliche Akademiker anheuert, um seine Propaganda und die Verteufelung der Opposition zu betreiben und seine terroristischen Ziele zu verfolgen. Ali Fallahian, ehemaliger Geheimdienstminister des Iran, sagte in einem am 17. Juli 2017 vom Fernsehen übertragenen Interview: „Um innerhalb und außerhalb des Landes Informationen zu sammeln, benötigt das Geheimdienstministerium eine Tarnung. Es entsendet keinen Beamten – etwa nach Deutschland, den Vereinigten Staaten oder Rußland -, der dann sagen würde: ‚Ich komme vom Geheimdienstministerium, bitte, statten Sie mich mit Informationen aus.‘ Sondern sie treten getarnt als Geschäftsleute oder Medienvertreter auf.“

10. Im Jahre 2005 leitete ich eine Delegation des Europäischen Parlaments, zu der Abgeordnete der nationalen Parlamente Europas gehörten, auf einer Reise nach Camp Ashraf im Irak, wo bis 2016 Mitglieder der MEK ansässig waren – bevor sie nach Albanien umgesiedelt wurden. Wir hatten die Gelegenheit, tausenden von Mitgliedern der MEK zu begegnen – Männern und Frauen – und offen mit ihnen zu reden. Am Ende unserer Reise veröffentlichte ein Komitee, dem ich angehörte, während ich Mitglied des Europäischen Parlaments war – die „Freunde eines freien Iran“ – einen detaillierten Bericht, der sich mit vielen der von Frau Hommerich in ihrer e-mail vom 14. Oktober erhobenen Beschuldigungen befaßte. Dieser Bericht wurde im Verein mit hunderten anderen Dokumenten Frau Hommerich und den Herausgebern des SPIEGELS im Jahre 2018 zugestellt. Bedauerlicherweise zogen sie es vor, alle diese Dokumente zu ignorieren.

11. Am 8. April 2016 nahm der deutsche Generalbundesanwalt einen Mann namens Meysam Panahi fest, der, getarnt als ehemaliges Mitglied der MEK, im Auftrag des Mullah-Regimes die MEK und den Nationalen Widerstandsrat des Iran ausspionierte und Nachrichten über sie sammelte. In der Folgezeit – im Juli 2016 – wurde er zu zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis sowie dazu verurteilt, die Kosten des Verfahrens zu tragen. Während des Verfahrens stellte sich heraus, dass diese Person unter Leitung eines hohen Beamten des Geheimdienstministeriums in Teheran namens Sajjad in verschiedenen Ländern täglich mit der Sammlung von Informationen über die MEk beschäftigt war und sie dann an selbigen weitergab.

12. Am 12. Oktober 2019 gab der Leiter der albanischen Polizei während einer Pressekonferenz die Entdeckung eines vom religiösen Regime geleiteten Terror-Netzwerks in Albanien bekannt, das mit der Durchführung von Angriffen auf die iranische Oppositions-bewegung MEK befaßt war. Der Polizeichef sagte, ein Agent der Quds-Truppe des iranischen Regimes namens „Peyman“ organisiere und leite vom Iran aus die Attacken. Er fügte hinzu, verwickelt in diese terroristische Operation sei Alireza Naghashzadeh, ein Agent des iranischen Ministeriums für Nachrichten und Sicherheit (MOIS), der 1974 im Iran geboren worden sei. Naghashzadeh trug einen auf den Namen Irwin Aram ausgestellten Reisepaß und gab sich als „ehemaliges Mitglied“ der MEK aus.

13. In seinem enthüllenden Brief erwähnt Sani Khani außerdem zwei im Vereinigten Königreich operierende Söldner des Regimes: Massoud Khodabandeh und seiner Frau Anne Singleton. Sie spielten in dem Unternehmen, Reporter zu instruieren und nach Albanien zu entsenden, die Agenten des Regimes interviewen sollten, eine Schlüsselrolle; sie bedienten sich zu diesem Zweck auch lokaler Agenten. Ein Bericht über das Geheimdienstdienstministerium des iranischen Regimes, der von der Forschungsabteilung der Bibliothek des Kongresses der USA erstellte wurde, erklärte im Dezember 2012, dies Paar arbeite schon seit Jahren für das besagte Geheimdienst-ministerium. Es veröffentlichte ein Buch unter dem Titel „Saddams private Armee“. Das Buch führte dazu, dass Dutzende Mitglieder der MEK zu Unrecht getötet und viele andere verletzt wurden.

14. Es versteht sich von selbst, dass der Einsatz angeblich ehemaliger Mitglieder der MEK eine fadenscheinige Taktik ist, derer sich das MOIS bedient, um die MEK und den NWRI anzu-schwärzen. Europäische Geheimdienste, darunter das BfV in Deutschland und der AIVD in den Niederlanden, sind auf diese Angelegenheit in ihren Jahresberichten eingegangen. Auch der Brief von Herrn Sani Khani spricht Bände über diese Angelegenheit.

15. Im Jahre 2004 schrieb das deutsche Bundesamt für Verfassungs-schutz (BfV): „Das VEVAK (die persische Abkürzung zur Bezeichnung des MOIS) interessiert sich besonders für … die Volksmojahedin des Iran (MEK) und den den Nationalen Widerstandsrat des Iran (NWRI). Zu seiner Spionagetätigkeit bedient sich der iranische Geheimdienst eines Netzwerks von Geheimagenten, die, beaufsichtigt vom VEVAK, aus den Unterstützern der Organisationen und Gruppen rekrutiert werden. In den meisten Fällen gelingt die Rekrutierung von Zielpersonen, die im Iran zu Besuch sind. Während dieser Unternehmungen übt der Dienst auf die Zielpersonen Druck aus, indem er ihnen z. B. Repressalien gegenüber ihren im Iran lebenden Verwandten androht. Mit Personen, die nicht in den Iran reisen, wird telefonisch vom Iran aus Kontakt aufgenommen.“

16. In seinem Jahresbericht von 2011 schrieb der niederländische Dienst für Nachrichten und Sicherheit (AIVD): „Die Bemühungen Teherans, die Opposition ‚Organisation der Volksmojahedin des Iran (Mujahedin-e Khalq, MEK)‘ in den Niederlanden zu unterminieren, wurde im Jahre 2011 unvermindert fortgesetzt. In einer von den iranischen Geheimdiensten koordinierten und finanzierten Kampagne wurde mit den Medien und einer Reihe von Politikern und anderen öffentlich Bediensteten zu dem Zweck Verbindung aufgenommen, die MEK in einem besonders negativen Licht darzustellen.“

Angesichts des oben Mitgeteilten möchte ich Sie auffordern, sich dieser Sache persönlich anzunehmen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um das iranische Regime – das weltweit als Pariah-Staat angesehen wird – daran zu hindern, sich DER ZEIT zu bedienen, um die oft wiederholte Propaganda des Regimes zu verbreiten. Wenn dieser Fall einträte, so wäre das Ergebnis eine ernsthafte Beschädigung des Ansehens ihrer Zeitung.

Mit verbindlichen Grüßen

Alejo Vidal Quadras Roca
Präsident

About ISJ:
Inter national Committee In Sear ch of Justice (ISJ) was initially formed in 2008 as an informal group of EU parliamentarians to seek
justice for the Iranian democratic opposition. In 2014 it w as registered as a non-profit NGO in Brussels expanding its membership b eyo nd elected parliamentarians to former officials and other dignitaries w ith an interest to promote human rights, freedom, democracy, peace an d stab ility.

Die Alternative zum islamischen Fundamentalismus

Innenansicht der Armee des Terrors und der Unterdrückung, der Revolutionsgarden (IRGC)

[Zum Gedenken an den verstorbenen Sir David Amess, MP und Ko-Vorsitzender des British Parliamentary Committee for Iran Freedom (englisches parlamentarisches Komitees für die Freiheit im Iran)]
Die neuesten Ereignisse in der Region vom Vorderen Orient bis nach Zentralasien und Europa zeigen, dass der Terrorismus, der vom islamischen Fundamentalismus gefördert wird – dessen Hauptstadt Teheran ist – weiterhin das Haupthindernis für die globale Sicherheit ebenso wie für Frieden, Freiheit, Wohlstand in der Region ist. Immer wieder wurde demonstriert, dass man sich auf militärisches Vorgehen als primäre Strategie zur Konfrontation mit dem Terrorismus des islamischen Fundamentalismus im Allgemeinen nicht verlassen kann. Was sollte dann aber die [angemessene] Vorgehensweise sein?
Die Erfahrung mehrerer vergangener Jahrzehnte legt nahe, dass Nationalismus und andere zeitgenössische Bewegungen in der Region dem islamischen Fundamentalismus vor Ort nicht gewachsen sind. Eine Kraft, die imstande ist, diesem Phänomen zu widerstehen, sollte in der Kultur der Region verwurzelt sein; sie sollte imstande sein, den islamischen Fundamentalismus seiner Hauptwaffe zu berauben – d.h. des Anspruchs, den Islam zu repräsentieren. Weiterhin sollte sie imstande sein, eine selbstlose Generation wachsen zu lassen, die bereit ist, sich den Kräften des Terrorismus und islamischen Fundamentalismus an allen Fronten entgegenzustellen.
Bevor alle entscheidenden Fortschritte im modernen Europa Wirklichkeit wurden – z.B. säkulare souveräne Staaten, die kulturelle Renaissance, die wirtschaftliche Entwicklung und der Übergang zur Demokratie – musste Europa sich von traditionellen religiösen Ketten befreien durch die Reformationsbewegung Luthers. Max Weber, der von vielen als der herausragendste Sozialtheoretiker des Zwanzigsten Jahrhunderts betrachtet wird, hat den Aufstieg des Kapitalismus in Europa mit der Reformation in Verbindung gebracht und mit dem Individualismus, die durch sie gefördert wird.
Luthers Bewegung war hauptsächlich eine Reformation der Religion. Heute jedoch kann eine Bewegung, die imstande sein soll, den islamischen Fundamentalismus in allen seinen Formen zu besiegen, sich nicht nur auf die Aufgabe beschränken, die Religion zu reformieren. Sie kann nicht nur als Martin Luther fungieren, sondern muss auch Jeanne d’Arc, George Washington und Ghandi zugleich nacheifern.
Der Iranische Widerstand mit Maryam Rajavi an der Spitze repräsentiert solch eine Bewegung auf globaler Ebene. Sie ist die Antithese zum islamischen Fundamentalismus. Unter der kulturellen und ideologischen Perspektive hat diese Bewegung die Theokratie im Iran schon besiegt. Die Kosten einer solchen Entwicklung waren schon die Menschenleben von Tausenden von Anhängern der Organisation der Volksmudschahedin des Iran (PMOI oder MEK), der Gefolgsleute von Maryam Rajavi. Es ist kein Zufall, dass eine große Mehrheit des iranischen Volkes – fast 95 % der Bevölkerung – für einen Regimewechsel und ein säkulares demokratisches System als Regierungsform sind. Innerhalb der islamischen Welt ist dieses Phänomen für den Iran einzigartig und wird von vielen Quellen innerhalb des Regimes bestätigt.
Das herrschende Regime im Iran schafft es nur durch ausgedehnte Repression und durch Hinrichtungen, von Tag zu Tag zu überleben. Aber die Strategie nähert sich einer Sackgasse. Der Aufstand vom November 2019 spiegelt diesen Sachverhalt wieder. Die Auswahl von Raisi, berüchtigt für seine entscheidende Rolle bei der Hinrichtung von 30 000 politischen Gefangenen 1988 [von denen 90 % Anhänger der MEK waren] hat zwei klare Botschaften: (a) die Repression hat drastisch an Wirksamkeit verloren durch die Anstrengungen einer selbstlosen Generation von Iranern, die willens sind, den Preis für die Freiheit zu zahlen, was immer das kosten sollte, (b) Maryam Rajavi und die MEK führen die Bewegung, um das Mullah Regime durch eine Protestbewegung und durch Aufstände zu entwurzeln.
Raisi, Schlächter beim Massaker von 1988 in Iran

Die strategische Waffe, die Rajavis Widerstandsbewegung gegen die Mullahs benutzt hat, ist eine Weltsicht, die den Islam als in Opposition zu dem präsentiert, für das die Mullahs zu jedem Gegenstand stehen, z.B. Freiheit, menschliche Würde, der Status der Frauen in der Gesellschaft, Toleranz und Frieden. Deshalb gibt es eine praktischen Art und Weise, um zu bestimmen, was die Position der MEK zu jeder Sache ist. Nehmen sie die Position der Mullahs und drehen Sie sie um 180 Grad und sie werden zu der Position von Maryam Rajavi und der MEK gelangen. Das ist die operationale Definition der Antithese in reinster Form. Aber der Erfolg, die Ausdauer und die Gangbarkeit der MEK – Gegenstand der grausamsten Hinrichtungen seit vier Jahrzehnten – besteht darin, dass die oben genannte Antithese nicht nur eine theoretische Hypothese ist; sie ist in der Wirklichkeit und der Wahrheit verwurzelt. Was außerdem die Alternative unsterblich macht, ist eine Generation von selbstlosen Personen, die nach den oben genannten Prinzipien leben, die verkörpert wird von Maryam Rajavi.
Zuletzt könnte wegen der bedeutenden historischen und kulturellen Wirkungen, die der Iran auf die Region ausgeübt hat, ein freier Iran mit einer reformierten Sicht der Religion in eine neue Ära der Freiheit, des Wohlstands und der friedlichen Koexistenz im Vorderen Orient hineinführen. Ein letztendlicher Sieg der Bewegung von Maryam Rajavi im Iran ist ein Gewinn für die Menschen in der Region und liegt im Interesse des globalen Friedens und der weltweiten Sicherheit. Eine allumfassende Renaissance im Vorderen Orient wartet auf einen freien Iran.

Dr. Saeid Sajadi hat die Bewegung für Freiheit und Demokratie im Iran viele Jahre lang aktiv unterstützt. Er hat alle seine Vor- und Hauptstudien ebenso wie seinen beruflichen Werdegang in den USA abgeschlossen. Dr. Sajadi ist ein praktizierender Arzt in den USA und derzeit studiert er Internationale Beziehungen an der Harvard Universität.

Dr. Saeid Sajadi