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Irans Geheimdienstagenten bedrohen Flüchtlinge und Unterstützer der MEK (Volksmojahedin) im Iran und im Ausland

Nach den aufeinanderfolgenden und großen Demonstrationen und Kundgebungen von Iranern im
Ausland zur Unterstützung des Widerstands – darunter die Demonstration am 7. Februar 2025 in
Paris, am 7. März 2025 in Washington, am 20. Juni in Berlin und Stockholm, am 6. September in
Brüssel, am 23. und 24. September in New York sowie der Kongress junger Unterstützer der
Volksmojahedin Iran (PMOI/MEK) am 25. Oktober 2025 – und angesichts der Unterstützung durch
Tausende von Parlamentariern und prominente internationale Persönlichkeiten für den Widerstand,
hat das Geheimdienstministeium des Mullah-Regimes (MOIS) seine Drohungen und
Einschüchterungen gegen Asylsuchende und Unterstützer der MEK im Ausland sowie gegen deren
Familien im Iran verstärkt.
Zudem hat es die Aktivitäten seiner Cyber-Schergen zur Informationsbeschaffung und Spionage
gegen Unterstützer der MEK intensiviert. Beispiele dieser verzweifelten Bemühungen sind wie
folgt:
1. Im September 2025 versuchte das MOIS durch das Versenden einer Nachrichtüberverschiedene Kanäle, darunter Telegram, an   
viele MEK-Unterstützer – insbesondere in den     USA und Kanada – diese von der Teilnahme an
der Demonstration vor den Vereinten Nationengegen die Anwesenheit des Präsidenten des
Regimes abzuhalten.
Die Nachricht lautete:„Warnung: Sie wurden als Mitglied der
terroristischen Organisation Monafeqin(‚Heuchler‘ die negative Bezeichnung des
iranischen Regimes für die Volksmojahedin Iran– MEK) identifiziert. Im Falle einer Teilnahme
an der Versammlung am 24. Septemberunterliegen Sie einer internationalen
Strafverfolgung wegen (Anstiftung undFörderung des Terrorismus). Dieses Verbrechen
unterliegt den in Artikel 2 des Internationalen Übereinkommens zur Bekämpfung der
Terrorismusfinanzierung, Artikel 5 der Konvention des Europarates zur Verhütung des
Terrorismus, Absatz der Resolution 1373 des UN-Sicherheitsrats, den Artikeln 3, 5 und 14
des iranischen Gesetzes zur Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung, Artikel 4 des Gesetzes
zur Bekämpfung der grenzüberschreitenden organisierten Kriminalität sowie den Artikeln
500, 510 und 512 des Strafgesetzbuchs
(Taʿzirat) vorgesehenen Strafen. Diese Strafen
beinhalten Haft der Kategorie 3 Taʿziri (mehr als 10 Jahre) sowie Einfrieren und
Beschlagnahme des Vermögens des Täters. Falls diese Nachricht irrtümlich an Sie gesendet
wurde oder Sie Ihre Vergangenheit bereuen, informieren Sie bitte die ID 2@counterterrorism_info. Andernfalls tragen Sie persönlich die rechtliche Verantwortung für das oben Genannte. Hauptquartier zur internationalen Terrorismusbekämpfung.“

2. Im August 2025 erstellte die Cyberabteilung des Ministeriums für Nachrichtendienst ein
gefälschtes Konto unter dem Namen „Issa“ mit dem

Ziel der Spionage und Informationsbeschaffung und

sandte folgende Nachricht an einige Unterstützer: „Ich muss meine lieben Ashraf-verbundenen Freunde daran erinnern: Ich habe keine Benutzerkonten auf WhatsApp, Telegram usw. mit meinem eigenen Bild, und in der Regel haben die Konten der
verantwortlichen Brüder der Organisation keine Fotos. Trotz wiederholter Warnungen – persönlich
oder anderweitig – achten leider einige Freunde nicht auf die Hinweise und werden getäuscht, daher muss ich es wiederholen: Bitte melden Sie jeden
verdächtigen Fall oder Missbrauch meines Namens (Issa) sofort. Bitte bestätigen Sie hier, dass Sie diese Nachricht und Warnung erhalten haben. Danke an
jeden Einzelnen von euch, liebe Freunde.“

3. Im September sandte die Cyberabteilung des Regimes eine ähnliche Nachricht über ein
anderes WhatsApp-Konto mit dem Namen
„Issa“ an eine Gruppe von Unterstützern,
mit demselben Inhalt und abschließend:
„Danke an jeden Einzelnen von euch, liebe
Freunde. Issa.“

4. In einem weiteren Konto unter dem Namen „Issa“ verfasste die Cyberabteilung des
Regimes einen fingierten Dialog:
„Hallo, lieber und geschätzter Freund, ich hoffe, es geht
dir gut. Wenn du Zeit hast, würde ich gerne deine Meinung
zum quantitativen und qualitativen Status der
Monarchisten in der jüngsten Revolution und Erhebung
hören. Wie siehst du ihr Gewicht im In- und Ausland,
insbesondere ihre Versammlungen in Amerika und Europa,
und ihre Geschlossenheit?“
Die Antwort:
„Was soll ich schreiben? Ich war Unterstützer der MEK
seit meinem 21. Lebensjahr, dann Kurdistan und die
Region, jetzt Dänemark. Verflucht seien der Schah und der
Scheich. Ich sehe ihre Versammlungen genauso wie du – sie sind klarerweise Feinde der
MEK, nicht der Mullahs.“

5. Nach der Jugendversammlung am 25. Oktober sandte die Cyberabteilung des Regimes
mehrere Nachrichten über gefälschte Konten mit den Namen und Fotos von MEK-
Verantwortlichen anUnterstützer, um Vertrauen zu gewinnen und in weiteren Schritten
Informationen zu sammeln.


Ein Beispiel: Eine gefälschte Nachricht mit dem Foto von Mehdi Abrishamchi an einige
MEK-Unterstützer: „Grüße an dich, mein lieber Sohn Soroush. Deine Worte unter den
MEK-Jugendlichen haben mein Herz mit Freude erfüllt und Tränen in meine Augen
gebracht. Ich danke Gott, dass aus der reinen Generation Hanifs eine Generation
hervorgegangen ist, die das Banner der Freiheit trägt. Ich verneige mich in Respekt und
überbringe dir die besten Grüße der alten Generation der MEK. Trotz meiner 78 Jahre
erkläre ich mit Stolz und Ehre an der Seite eurer jungen Avantgarde: Bereit, bereit, bereit!“

6. Nach der Jugendversammlung am 25. Oktober 2025 sandte dasGeheimdienstministerium MOIS Drohnachrichten an einige Teilnehmer und
Redner. Eine davon lautete: „Ist es nicht schade um dieses Gesicht? Du
scheinst sehr dumm zu sein, suchst du dir etwa Partisanenfreunde? Besonders unter
den Monafeqin, (im Sinne von ‚Heuchler‘ – ein vom Regime verwendeter, abwertender
Ausdruck zur Herabsetzung der Volksmojahedin (MEK)( die alle Windeln
tragen müssen. Sei sehr vorsichtig, wenn du das Haus verlässt – die Gefahr ist nah.“
7. In zahlreichen Fällen haben Verhörbeamte und Folterer des MOIS in Teheran und anderen
Städten die Familien von Unterstützern im Ausland aufgesucht und mit den Worten bedroht:
„Wir kennen die Adresse deines Sohnes oder deiner Tochter im Ausland. Wenn sie nicht mit
uns kooperieren oder zumindest aufhören, die MEK zu unterstützen oder an deren
Aktivitäten teilzunehmen, werden wir ihnen eine Lektion erteilen, die sie nie vergessen. Wir
sind überall; wohin sie auch gehen, wir sind ihnen auf den Fersen – und wir können mit
ihnen machen, was wir wollen.“
8. Im Oktober 2025 besuchten Agenten des Ministeriums in Teheran das Elternhaus eines
iranischen Asylsuchenden in Deutschland und sagten der Familie:
„Sagen Sie Ihrem Sohn, er solle mit uns (dem Ministerium) zusammenarbeiten und
Informationen über die MEK geben oder sich zumindest zurückziehen. Andernfalls haben
Sie selbst die Konsequenzen zu tragen.“
9. Im Oktober 2025 wurde die Schwester eines iranischen Asylsuchenden in Deutschland in
Teheran vorgeladen und gewarnt:
„Ihr Bruder arbeitet mit der MEK. Wenn er diese Beziehung fortsetzt, wird das für Sie
schlimme Folgen haben. Sie und Ihre Familie werden nirgendwo mehr eingestellt. Wir

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wollen nicht, dass Ihr Bruder in den Iran zurückkehrt, aber er darf nicht mit der MEK
zusammenarbeiten.“
10. Im Sommer 2025 setzten das MOIS und die „Nejat-Vereinigung“ die Familie eines
iranischen Asylsuchenden in Belgien unter Druck, damit dieser mit einem MOIS-Offizier
telefoniert. Der Asylsuchende verweigerte das Gespräch und erklärte:
„Ich habe dem Ministerium für Nachrichtendienst und dem Regime der Mullahs nichts zu
sagen.“
11. Im August 2025 besuchten MOIS-Agenten in der südiranischen Stadt Kerman das Haus der
Familie einer iranischen Asylsuchenden und sagten:
„Übermitteln Sie Ihrer Tochter: Sie muss die Zusammenarbeit mit der MEK einstellen.“
Die Familie antwortete:
„Unsere Tochter ist unabhängig, sie hört auf niemanden, und wir können sie von ihrem Weg
nicht abbringen.“
12. Ein iranischer Asylsuchender in Deutschland wurde über WhatsApp vom MOIS
kontaktiert:
„Wir wissen, dass Sie im Flüchtlingslager mit der MEK in Kontakt kamen und an deren
Veranstaltungen teilnehmen. Arbeiten Sie mit uns zusammen – gehen Sie zu ihren
Veranstaltungen, aber informieren Sie uns, wer dort ist, wie viele Leute teilnehmen und was
sie tun.“
13. Nach der Demonstration in Brüssel im September 2025 besuchten Agenten des
Nachrichtendienstes in der Provinz Fars die Familie eines Unterstützers, zeigten Fotos von
ihm bei der Demonstration und forderten, ihn von weiterer Aktivität abzuhalten – was die
Familie entschieden ablehnte.
14. Im August 2025 besuchten MOIS-Mitarbeiter in Teheran die Familie eines in Belgien
lebenden Unterstützers und drohte:
„Wenn Ihr Sohn und seine Frau ihre Aktivitäten zugunsten der MEK fortsetzen, werden wir
Sie verantwortlich machen, und es wird unangenehme Folgen für Sie geben.“
15. Im Frühjahr 2025 wandte sich das MOIS an die Schwester eines in Belgien lebenden
MEK-Unterstützers und forderte sie auf, ihrem Bruder zu sagen, er solle nicht an MEK-
Veranstaltungen teilnehmen.
16. Ebenfalls im Frühjahr 2025 kontaktierte das Ministerium einen MEK-Unterstützer in
Deutschland über WhatsApp und versuchte, ihn durch Drohungen und Druck zur
Zusammenarbeit zu zwingen. Er solle weiterhin mit der MEK in Verbindung bleiben und
heimlich Informationen an das Ministerium weitergeben – was der Unterstützer entschieden
ablehnte.
17. Im Mai 2025 wurde die Tochter eines iranischen Flüchtlings vom MOIS vorgeladen und
bedroht:
„Ihr Vater, der mit der MEK arbeitet, wird zum Tode verurteilt, wenn er die MEK nicht
verlässt oder uns ihre Informationen gibt. Wir kennen seine Adresse und Bewegungen und
werden ihn treffen.“
18. Im Mai 2025 verhaftete das MOIS in der südiranischen Provinzhauptstadt Ahvaz den Sohn
einer in Deutschland lebenden Unterstützerfamilie, verhörte ihn und bot ihm finanzielle und
berufliche Vorteile an, falls er seine Mutter zur Rückkehr in den Iran bewege. Wenn nicht,
würden sie „mit ihm und seinen Eltern in Deutschland abrechnen“.
19. In Teheran verhaftete das MOIS drei Familienmitglieder eines Unterstützers kurz nach
dessen Teilnahme an der Demonstration am 7. Februar in Paris. Sie sollten den Bruder
zwingen, mit MOIS zu kooperieren. Die Vernehmer drohten:
„Wir haben Informationen über alle Bewegungen Ihres Bruders – Sie werden plötzlich
sehen, dass er in einem schrecklichen Unfall ums Leben gekommen ist.“
20. Das MOIS hat versucht, eigene Söldner unter dem Vorwand von Asylbewerbern ins Ausland
einzuschleusen, um Flüchtlinge auszuspionieren. Parallel dazu versucht es, Übersetzer und
Anwälte im Bereich Migration und Asyl anzuwerben, um Informationen über Asylsuchende

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zu erhalten, und verbreitet die Lüge, dass politische Aktivitäten gegen das Regime und
zugunsten der MEK ihren Asylstatus gefährden würden. Einige dieser Personen wurden
identifiziert und den zuständigen Behörden gemeldet.
Der Tagesspiegel zitierte am 5. November 2025 die Vertretung des Nationalen Widerstandsrats Iran
(NWRI):
„Mitglieder der Exilopposition in Deutschland erhalten Drohanrufe oder Textnachrichten per SMS
oder WhatsApp… Angehörige von in Deutschland lebenden Oppositionellen werden in das
Teheraner Geheimdienstministerium vorgeladen und dort verhört.“
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) teilte dem Tagesspiegel dazu mit:
„Das Hinweisaufkommen ist in den letzten Jahren gestiegen und befindet sich aktuell auf einem
konstant hohen Niveau. Die Bekämpfung oppositioneller Gruppierungen und Einzelpersonen im In-
und Ausland bildet einen Schwerpunkt iranischer nachrichtendienstlicher Aktivitäten. Für die
Machthaber Irans gelten solche Gruppierungen als Gefährdung für den Fortbestand ihrer
Herrschaft.“
Das Amt fügte hinzu, man müsse vielmehr damit rechnen, dass das Regime über seine Agenten
„weiterhin mit allen Mitteln – auch durch Gewalttaten und sogar Tötungen“ gegen seine Gegner in
Deutschland vorgehe.
Der Sicherheits- und Antiterrorismusausschuss des Nationalen Widerstandsrats Iran ruft alle
Asylsuchenden und Iraner im Ausland zur Wachsamkeit gegenüber den Machenschaften des
Geheimdienstministerium MOIS auf und betont:
Der einzige Weg, den Druck auf die Familien im Iran zu verringern, ist eine entschlossene Antwort
der Asylsuchenden und die öffentliche Aufdeckung dieser Einschüchterungen über soziale Medien
oder andere Kanäle. Wenn das Regime erkennt, dass seine Drohungen keine Wirkung zeigen, wird
es gezwungen sein, die Familien in Ruhe zu lassen.
Der NWRI-Ausschuss ruft alle iranischen Flüchtlinge und Asylsuchenden auf, die Spione und
Handlanger des MOIS im Ausland, die an Drohungen und Einschüchterungen unserer Landsleute
beteiligt sind, zu entlarven, die Polizei und die zuständigen Behörden zu informieren und
gegebenenfalls Strafanzeige zu erstatten.
Der Ausschuss fordert die zuständigen Regierungen – insbesondere die europäischen – auf, die
Spione und Agenten des MOIS, der Quds-Terrortruppe (der Revolutionsgarde) und anderer
offizieller und inoffizieller Organe der herrschenden religiösen Diktatur im Iran festzunehmen,
strafrechtlich zu verfolgen und auszuweisen.
Nationaler Widerstandsrat Iran
Sicherheits- und Antiterrorismusausschuss
10. November 2025

Irans Regime vor wirtschaftlichem Kollaps – Preise explodieren, Kapital flieht

Ein Markt in der Stadt Andimeshk, Provinz Chuzestan, Südiran.

Irans Wirtschaft ächzt unter dem zunehmenden Druck von Inflation, Korruption und Kapitalflucht und verschärft damit eine Krise, die mittlerweile offenkundig politisch motiviert ist. Staatsmedien räumen selbst ein, dass die Lebensmittelpreise zu den höchsten weltweit gehören, während Beamte im Stillen neue Treibstoffpreiserhöhungen und eine Währungsreform vorbereiten. Hinter diesen Statistiken verbirgt sich eine tiefere Besorgnis: ein herrschendes System, das mit den Folgen jahrelanger Vernachlässigung konfrontiert ist – und mit dem Risiko, dass ein wirtschaftlicher Zusammenbruch in soziale Unruhen münden könnte.

Am 9. November 2025 fasste die staatliche Zeitung Jahan-e San’at neue Zahlen des Statistikzentrums zusammen: Die Inflation bei Lebensmitteln und Getränken stieg im Oktober 2025 auf 64,3 Prozent – ​​ein Anstieg um 17 Prozentpunkte innerhalb von vier Monaten. Damit liegt der Iran weltweit an zweiter Stelle bei der Lebensmittelinflation, nach dem Südsudan. Die Zeitung bestätigt, was vielen Haushalten bereits bekannt ist: „Viele Experten gehen davon aus, dass die offiziellen Inflationszahlen die tatsächliche Inflationsrate unterschätzen.“ Die Auswirkungen sind bei Grundnahrungsmitteln deutlich spürbar. In Maschhad bestätigte der Bäckerverband am 6. November 2025, dass die Brotpreise um bis zu 15 Prozent gestiegen sind . Die Geschäfte greifen auf zweite Kartenlesegeräte zurück, um neu genehmigte Zuschläge zu erheben, die noch nicht in das staatliche Kartenzahlungssystem „Nanino“ einprogrammiert sind.

Priorisierung der Treibstoffpreise und faktische Währungsreform

Als nächstes steht der Kraftstoffpreis an. Am 7. November 2025 erklärte der Abgeordnete Hossein Samsami, ein dreistufiger Benzinpreisplan mit Preisen von 1.500, 3.000 und 5.000 Toman sei genehmigt worden. Er fügte hinzu, dass sich die Regierung auch darauf geeinigt habe, den Vorzugspreis von 28.500 Toman abzuschaffen und den Wechselkurs auf etwa 100.000 Toman pro Dollar zu vereinheitlichen. Einen Tag zuvor hatte Farhad Shahraki , erster stellvertretender Vorsitzender des Energieausschusses des Parlaments, erklärt, das Importbudget für Kraftstoff sei bereits erschöpft, dem Staat fehlten die Devisen für weitere Benzinimporte und die Regierung benötige keine neue Genehmigung des Parlaments, um die Preise zu erhöhen. Dies deutet darauf hin, dass Preisanpassungen auf Grundlage geltenden Rechts möglich sind. Er ließ außerdem durchblicken, dass es bei den an den Zapfsäulen erhältlichen „Gratiskarten“ zu Preisänderungen kommen könnte.

Diese Maßnahmen, die inmitten einer Lebensmittelinflation von 64 % erfolgen, deuten auf eine weitere Inflationswelle hin – und auf die versteckte Sparpolitik des Regimes: die Abwälzung von Haushaltsdefiziten auf die Verbraucher, während der Schritt als „Reform“ präsentiert wird.

Korruption im Bankwesen – ganz offen sichtbar

Die Krise beschränkt sich nicht nur auf die Kassen. Inmitten parteiinterner Machtkämpfe gab der regierungsnahe Ökonom Farshad Mohammadpour überraschend zu, dass die Bank Iran Zamin „seit Jahren faktisch bankrott“ sei, die Behörden aber eine offizielle Erklärung vermieden hätten. Er bezifferte die aufgelaufenen Nettoverluste auf 14,222 Billionen Toman, was monatliche Verluste von rund 2,37 Billionen Toman – etwa 76 Milliarden pro Tag und über 3 Milliarden pro Stunde – bedeutet, wobei die Einleger das Risiko tragen. „Die Menschen glauben, ihre Einlagen würden Rendite abwerfen“, sagte er, „aber in Wirklichkeit schwinden ihre Vermögenswerte.“ Diese Enthüllung gewährt Einblick in ein Bankensystem, das durch politische Kreditvergabe, Intransparenz und Straflosigkeit ausgehöhlt ist.

Am 8. November 2025 widerlegte eine detaillierte Analyse des iranischen Pharmamarktes die Behauptungen von Regierungsvertretern, die Engpässe und Preisanstiege auf Sanktionen zurückführten. Die Analyse stellte fest, dass Medikamente nicht sanktioniert seien und verwies auf eine entsprechende Stellungnahme der WHO aus dem Jahr 2019. Die wahren Ursachen lägen vielmehr im Inland: anhaltend hohe Inflation, die Abschaffung der extrem günstigen Preise (von 4.200 auf 28.500 Toman und mehr), steigende staatliche Zahlungsrückstände gegenüber Herstellern und Versicherern sowie verzerrte Subventionen, die Missbrauch und Schmuggel begünstigen.

Die Zahlen sind alarmierend: 2,3 Milliarden US-Dollar an Arzneimittelimporten im Jahr 2023/24; 11 Milliarden Euro im Haushalt 2025/26 speziell für Arzneimittel, Vorprodukte und Verbrauchsmaterialien vorgesehen (gegenüber 13,6 Milliarden Euro im Vorjahr); und eine Senkung der Arzneimittelimportzölle auf 1 %. Der Verbrauch steigt – 28 Milliarden Dosen wurden im ersten Halbjahr 2025/26 verteilt –, während die Produktion zurückging; die Strafverfolgungsbehörden meldeten am 1. November 2025 einen Schmuggelfall, und Branchenexperten schätzen den Wert des Arzneimittelschmuggels ins Ausland auf rund 450 Millionen US-Dollar, einschließlich subventionierter und spezieller Medikamente. Der Oberste Rechnungshof beanstandete zudem die „Veruntreuung“ von Gesundheitsgeldern: 20 Billionen Toman einer Milliarde US-Dollar wurden in Universitätsbudgets umgeleitet, anstatt die Arzneimittelversorgungskette zu finanzieren. Das Muster ist klassisch: Profit vor Patienten.

Rekordkapitalflucht, sinkende Öleinnahmen

Laut einer Analyse vom 9. November weist der jüngste Quartalsbericht der Zentralbank einen Rekord-Netto-Kapitalabfluss von fast 9 Milliarden US-Dollar im Frühjahr 2025 aus. Die gesamte Kapitalflucht im Jahr 2024 erreichte rund 20,7 Milliarden US-Dollar . Zwischen 2018 und 2024 verließen etwa 80 Milliarden US-Dollar das Land; ein Großteil davon floss über Handelskanäle, die von staatlichen und quasi-staatlichen Einrichtungen, darunter den Wirtschaftsorganen der Revolutionsgarden, dominiert werden. Derselbe Bericht verzeichnet im Frühjahr 2025 einen Rückgang der Öl- und Gasexporterlöse um 3 Milliarden US-Dollar gegenüber dem Vorjahr (auf 15 Milliarden US-Dollar), einen Rückgang der Nicht-Öl-Exporte um 1 Milliarde US-Dollar (auf unter 11 Milliarden US-Dollar) und ein Dienstleistungsdefizit von 2,8 Milliarden US-Dollar – und das, obwohl die Wirtschaft noch einen Handelsüberschuss von 6 Milliarden US-Dollar erwirtschaftete, der durch den Kapitalabfluss von 9 Milliarden US-Dollar praktisch aufgezehrt wurde. Die politischen Entscheidungsträger räumen unterdessen öffentlich ein, dass sie „um 1 Milliarde US-Dollar“ an Investitionen „feilschen“ – ein Eingeständnis schrumpfender fiskalischer Spielräume.

Währenddessen rühmen sich die Behörden einer Arbeitslosenquote von 7,4 % im Sommer 2025, doch tatsächlich sank die Beschäftigung um 171.000 , die Erwerbsbeteiligung ging zurück, die Jugendarbeitslosigkeit blieb bei fast 19 % und 40,3 % der Arbeitslosen verfügen über einen Hochschulabschluss, viele von ihnen festgefahren in branchenfremden, schlecht bezahlten Dienstleistungsjobs. Die Unterbeschäftigung liegt bei 7,6 %. Im Wohnungsbereich schwankt die Zahl der leerstehenden Wohnungen im Bundesstaat zwischen 500.000 und 2,8 Millionen – eine Inkonsistenz, die die Steuerpolitik wirkungslos macht. Selbst bei Stromausfällen wird die Nutzung der „Bargh-e Man“-App als digitaler Erfolg dargestellt, obwohl die Menschen sie in Wirklichkeit installieren, um rollierende Stromausfälle zu verfolgen. Dies sind keine technischen Fehler, sondern Instrumente zur Manipulation der öffentlichen Wahrnehmung.

Ein Staat, der sich auf Gegenreaktionen vorbereitet

Zusammengenommen ist die Situation nicht rein makroökonomisch. Lebensmittelpreise bei 64 %, Brotpreise steigen, Kraftstofferhöhungen und die bevorstehende Währungsunion stehen an, eine faktisch zahlungsunfähige Bank, exorbitante Pharmaeinnahmen und eine Rekordkapitalflucht bilden einen Teufelskreis aus Schmerz und Misstrauen. Die Strategie der Zwei-Sprachen-Politik wird deutlich: Versprechen von „Reformen“ und die Suche nach externen Sündenböcken für die Öffentlichkeit; stillschweigende, aber repressive Maßnahmen – Preiserhöhungen, Rationierung, Finanzrepression – zur Umsetzung. Die Verantwortlichen wissen, dass plötzliche Schocks verheerende Folgen haben können . Deshalb kündigt die Regierung nun Sparmaßnahmen an, leugnet aber deren politischen Charakter. Das Risiko ist offensichtlich: Ein weiterer Preisschock, der auf leere Geldbeutel und leere Versprechungen trifft, kann die Wirtschaftskrise in eine Stabilitätskrise verwandeln.

Die Schlussfolgerung ergibt sich fast von selbst aus den Daten und Erklärungen des Regimes. Eine Führung, die jahrelang Knappheit ausgenutzt und Kennzahlen manipuliert hat, bereitet die Bevölkerung nun auf noch mehr von beidem vor. Nicht nur die Lebenshaltungskosten steigen – es sind die Kosten der Herrschaft.

Iran: Rentner protestieren landesweit gegen Korruption der Revolutionsgarden

Protestkundgebung von Rentnern der iranischen Telekommunikationsgesellschaft (TCI) in Marivan (9. November 2025)

Am 9. November 2025 erfasste eine Welle koordinierter Proteste Dutzende iranischer Städte und legte die tiefsitzende Wut der Bevölkerung über die systematische Korruption und brutale Unterdrückung durch das Klerikerregime offen. Von pensionierten Telekommunikationsarbeitern in Teheran bis hin zu entrechteten Belutschen-Frauen in Chabahar gingen Menschen aus allen Bevölkerungsschichten mit einer einheitlichen Botschaft auf die Straße: Die herrschende Theokratie ist die Ursache ihres Leidens. Es handelte sich nicht um vereinzelte Fälle wirtschaftlicher Unzufriedenheit, sondern um einen landesweiten politischen Aufschrei gegen ein System, das auf Plünderung und Gewalt beruht.

Der Aufstand der Rentner konfrontiert direkt die Finanzzentren des Regimes.

Der Tag war von landesweiten Protesten pensionierter Telekommunikationsmitarbeiter in Großstädten wie Teheran, Isfahan, Täbris, Kermanschah und Gilan geprägt. Sie versammelten sich, um des Jahrestages der korrupten Privatisierung der iranischen Telekommunikationsgesellschaft zu gedenken, die als „schwarzer Tag“ gilt und durch die nationale Vermögenswerte in die Hände der Elite des Regimes gelangten.

Die Parolen der Demonstranten waren eindeutig politisch und umgingen Regierungsfunktionäre, um den Kern des Finanzimperiums des Regimes ins Visier zu nehmen: die Kooperative Stiftung des Korps der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) und die Organisation zur Ausführung von Khomeinis Befehl (EIKO oder Setad), ein riesiges Konglomerat, das direkt vom Obersten Führer Ali Khamenei kontrolliert wird.

In Isfahan skandierten Rentner einen Slogan, der den nationalen Diebstahl treffend zusammenfasste: „Wir haben die Telekommunikation aufgebaut, die Revolutionsgarden haben sie uns weggenommen, wir haben verloren!“ In Gilan verkündeten ihre Schilder und Rufe: „Irans Telekommunikation ist in den Händen von Verbrechern.“ Die Proteste machten deutlich, dass die Bevölkerung die Revolutionsgarden und Khameneis Finanzinstitutionen direkt für die Plünderung ihrer Lebensgrundlagen und der nationalen Ressourcen verantwortlich macht.

Breitere Proteste enthüllen eine Nation am Rande des wirtschaftlichen Zusammenbruchs

Zu den Telekommunikationsangestellten gesellten sich weitere Rentner, die durch die verheerende Wirtschaftspolitik des Regimes an den Rand des Existenzminimums getrieben wurden. In Ahvaz protestierten Rentner der Sozialversicherung gegen die Hyperinflation und ihre weit unter die Armutsgrenze gesunkenen Renten. Sie skandierten: „Die Regierung verrät, das Parlament unterstützt“, was einen völligen Vertrauensverlust in die politischen Organe des Regimes zum Ausdruck brachte.

In Shush demonstrierten ihre Mitstreiter auf den Straßen und riefen: „Unsere Rechte erkämpfen wir uns nur auf der Straße.“ Diese Haltung fand auch in Isfahan Widerhall, wo sich pensionierte Stahl- und Bergarbeiter versammelten, um ihre ausstehenden Löhne einzufordern. Dort zeigte sich die Angst des Regimes vor abweichenden Meinungen in voller Pracht, als Sicherheitskräfte die friedliche Versammlung auflösten, Stillschweigen erzwangen und die älteren Demonstranten daran hinderten, ihre Forderungen zu rufen. Dieser Akt der Einschüchterung offenbart ein so fragiles Regime, dass es die Stimmen seiner eigenen Senioren, die grundlegende Rechte einfordern, nicht dulden kann.

Staatlich sanktionierte Gewalt gegen das Volk der Belutschen

Während Rentner mit wirtschaftlichem Ruin und Einschüchterungen konfrontiert waren, entfesselte das Regime seine brutale Härte gegen eine der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen Irans in der Provinz Sistan und Belutschistan. Am 9. November versammelte sich eine Gruppe belutschischer Frauen mit ihren Kindern vor dem Gouverneursbüro in Chabahar, um gegen ihre drohende Obdachlosigkeit zu protestieren.

Ihr Martyrium begann am 1. November, als über 300 Militär- und Staatskräfte ohne richterlichen Beschluss ihr Viertel stürmten und Dutzende Häuser zerstörten. Augenzeugen berichteten von brutalen Misshandlungen von Familien und einem Mann, der ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Die Bewohner wurden daran gehindert, ihre Habseligkeiten zu bergen; persönliche und religiöse Gegenstände, darunter Korane, wurden absichtlich unter den Trümmern vergraben.

Eine Woche später waren diese Frauen immer noch auf der Straße und erhielten weder Hilfe noch Antworten von den Behörden, die ihr Leben zerstört hatten. „Niemand antwortet uns“, sagte eine der protestierenden Frauen. „Sie schicken uns von einer Behörde zur anderen … Wir sind mit unseren Kindern auf der Straße, aber kein Beamter wird zur Rechenschaft gezogen.“ Dieser kalkulierte Akt der Grausamkeit gegen eine ethnische Minderheit entlarvt ein Regime, das Kollektivstrafen und Terror einsetzt, um seine Macht zu sichern.

Die Ereignisse vom 9. November zeichnen ein erschreckendes und unmissverständliches Bild des heutigen Iran. Eine korrupte Militär- und Klerikerelite, verkörpert durch die Revolutionsgarden und Khameneis Finanzimperium, plündert systematisch den Reichtum des Landes. Die unausweichliche Folge ist eine Gesellschaft im wirtschaftlichen Niedergang, in der diejenigen, die das Land aufgebaut haben, gezwungen sind, um ihr Überleben zu kämpfen.

Wenn Bürger ihre Grundrechte einfordern, reagiert das Regime entweder mit Einschüchterung, wie in Isfahan, oder mit brutaler Gewalt, wie in Chabahar. Das Ausmaß, die Geschlossenheit und der dezidiert regimekritische Charakter dieser landesweiten Proteste zeigen, dass das iranische Volk die Ursache seines Elends erkannt hat. Es sieht im gegenwärtigen System keine Lösung und hat die Straße als einzigen Weg zur Gerechtigkeit gewählt. Damit demonstriert es seine unerschütterliche Entschlossenheit, seine Rechte und sein Land von der herrschenden Theokratie zurückzuerobern.

Wie das Regime die Wohnungskrise für seine Macht nutzt

Eine schwere und sich stetig verschärfende Wohnungskrise treibt Millionen Iraner an den Rand des Abgrunds und macht selbst ein einfaches Dach über dem Kopf zu einem unerreichbaren Luxus. Doch dies ist kein natürlicher wirtschaftlicher Abschwung. Es handelt sich um eine gezielt herbeigeführte Krise, die direkte Folge eines korrupten politisch-ökonomischen Systems, in dem Wohnraum von einem menschlichen Grundbedürfnis zu einem Instrument der Bereicherung und Kontrolle durch das herrschende Regime umfunktioniert wurde. Die sozialen Folgen sind verheerend und führen zur systematischen Zersplitterung des iranischen Gesellschaftsgefüges.

Die menschlichen Kosten eines Systemversagens

Die Realität in den iranischen Städten ist erschreckend. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur ILNA vom 1. November 2025 ist der Preis für ein Einzelbett in einem Mehrbettzimmer im Zentrum Teherans auf sechs bis sieben Millionen Toman pro Monat gestiegen. Für einen Mindestlohnempfänger bedeutet dies, die Hälfte seines gesamten Monatseinkommens für einen einfachen Schlafplatz auszugeben.

Offizielle Daten des iranischen Statistikzentrums bestätigen das Ausmaß der Krise. In den iranischen Städten verschlingen die Wohnkosten durchschnittlich 43,7 % des Haushaltsbudgets. In der Hauptstadt Teheran liegt dieser Wert sogar bei erschreckenden 59,9 %. Für Arbeitnehmer und Rentner ist die Lage noch prekärer. In Teheran wird ihr gesamtes Einkommen oft von den Wohnkosten aufgezehrt, wobei der Anteil „100 Prozent oder sogar mehr“ beträgt. Dies zwingt sie, sich zu verschulden oder einen Zweitjob anzunehmen, um überhaupt überleben zu können. Diese Krise beschränkt sich nicht auf die Hauptstadt; in anderen Städten verschlingen die Wohnkosten 60 bis 70 Prozent des Einkommens eines Arbeitnehmers.

Die Architektur der Korruption

Die Wurzel dieser Krise liegt nicht in einem Mangel an Ressourcen, sondern in einem System, das auf Anhäufung und nicht auf Wohnen ausgelegt ist. Laut Analysten, die von ILNA befragt wurden, lässt sich die Unerschwinglichkeit von Wohnraum auf eine Reihe bewusst herbeigeführter struktureller Mängel zurückführen:

  1. Warum sind Wohnungen teuer?Weil Grundstücke teuer sind.
  2. Warum ist Land so teuer?Weil sein Angebot von „bestimmten Institutionen“ monopolisiert wird.
  3. Warum geben diese Institutionen das Land nicht frei?Weil Land als Kapitalvermögen mit politischem Wert behandelt wird.
  4. Warum kann die Regierung das nicht kontrollieren?Weil die Regierung selbst ein wichtiger Akteur auf dem Markt ist und von den hohen Preisen profitiert.
  5. Warum setzt sich dieser Kreislauf fort?Weil die Wohnungspolitik von den kurzfristigen und profitorientierten Interessen mächtiger Fraktionen innerhalb des Regimes diktiert wird.

Dieser korrupte Kreislauf sorgt dafür, dass die Städte Irans zum Herrschaftsgebiet derjenigen geworden sind, die sich durch „Rent-Seeking, unproduktive Arbeit, Spekulation und Nähe zu den Machthabern“ bereichert haben.

Ein grausames Paradoxon: Millionen leerstehender Häuser

Der vernichtendste Beweis für diese künstlich herbeigeführte Krise ist die Tatsache, dass laut offiziellen Statistiken über 2,5 Millionen Häuser im Iran leer stehen. Dies bestätigt, dass es sich nicht um einen physischen Mangel handelt, sondern um eine Krise des Eigentums und des Zugangs. Reiche und politisch Einflussreiche horten Häuser als Spekulationsobjekte, deren Wert täglich steigt, während normale Familien vertrieben werden.

Diese Vertreibung ist weit verbreitet. Ein pensionierter Fabrikarbeiter, der nun für eine Mitfahr-App fährt, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, erzählte, wie seine Familie nach Generationen aus Teheran vertrieben wurde. „Wir haben jahrzehntelang in Teheran gelebt“, sagte er gegenüber ILNA, „aber jetzt bin ich gezwungen, in die Stadt Andisheh zu ziehen und dort eine Mietwohnung zu mieten, und selbst dort zahle ich elf Millionen Toman im Monat… Diese Stadt ist nicht mehr unser Zuhause.“ Millionen Menschen werden in schlecht ausgestattete, staatlich errichtete Satellitenstädte abgedrängt, die von den Iranern als „staatlich errichtete Ghettos“ bezeichnet werden.

Sozialer Zusammenbruch durch Planung

Die Folgen dieser Politik reichen weit über wirtschaftliche Not hinaus. Die Wohnungskrise ist ein direkter Angriff auf die Familie, die Grundeinheit der iranischen Gesellschaft. Taher Heydari, ein Aktivist für Rentnerrechte, der in einem Bericht der Nachrichtenagentur ILNA interviewt wurde, warnte: „Die Wohnungskrise ist eine Krise der Existenzsicherung, und Existenzsicherung bedeutet Stabilität, psychische Sicherheit, Erinnerung und Verwurzelung. Vergessen wir nicht: Wenn es kein Zuhause gibt, zerfällt auch die Gesellschaft.“

Familien sind in einem Leben der Unsicherheit gefangen und gezwungen, jedes Jahr umzuziehen. Diese ständigen Umbrüche bedeuten, dass Kinder ihre Schulen und sozialen Kontakte verlieren und die Bindungen zur Gemeinschaft zerbrechen. Angesichts dieses sozialen Zerfalls reagiert das Regime mit einer Reihe leerer Versprechungen. Seit über einem Jahrzehnt ist es zahlreichen staatlichen Komitees und Initiativen für „Arbeiterwohnungen“ nicht gelungen, auch nur ein einziges Haus für Arbeiter zu bauen. Es ist, wie der Bericht feststellt, „eine endlose Ödnis“.

Die Wohnungskrise im Iran ist kein Zufall, sondern das bewusst herbeigeführte Ergebnis eines kleptokratischen Systems, das die Bereicherung einer korrupten Elite über das Wohl der Bevölkerung stellt. Durch die Monopolisierung von Land, die Manipulation des Marktes und die Hortung von Ressourcen hat das Regime ein grundlegendes menschliches Bedürfnis in ein Instrument der Unterdrückung verwandelt. Das Leid von Millionen ist kein bedauerliches Nebenprodukt, sondern ein Kernmerkmal dieses Systems. Eine wirkliche Lösung für diese tiefgreifende Krise, die das Gefüge der iranischen Gesellschaft zu zerstören droht, bleibt unter dem gegenwärtigen Regime unmöglich.

Iran plant Evakuierung Teherans wegen Wasserknappheit

Teheran – Anwohner holen Wasser aus einem Tankwagen mit der Aufschrift „Lasst uns Wasser richtig nutzen“, während die Behörden die Schuld für die sich verschärfende Krise den Bürgern zuschieben.

Der iranische Präsident hat öffentlich die Möglichkeit einer Evakuierung Teherans ins Spiel gebracht, falls die Regenfälle ausbleiben – eine außergewöhnliche Notfallmaßnahme, die darauf hindeutet, dass sich die Regierung auf eine schwere Wasserkrise und die damit einhergehende Instabilität vorbereitet. Am 6. November 2025 warnte Masoud Pezeshkian , dass das Wasser in Teheran rationiert werde, falls es im Dezember nicht regne, und dass man bei anhaltender Trockenheit „kein Wasser mehr haben und Teheran evakuieren müsse“. Diese Äußerung erfolgte zeitgleich mit unangekündigten nächtlichen Wasserabschaltungen in der Hauptstadt und einem kritisch niedrigen Wasserstand in den Stauseen, was verdeutlicht, wie sich eine technische Notlage rasch zu einer politischen entwickelt.

Pezeshkians Äußerung löste umgehend heftige Kritik in staatlichen Medien aus. Javan, ein Mitglied der Revolutionsgarden, argumentierte, Beamte sollten nicht über „Dürre, Rationierung oder gar eine Evakuierung Teherans sprechen, da dies die Herzen der Bevölkerung verleugne“, während Kayhan erklärte, solche Warnungen schürten „Verzweiflung“ und suggerierten „Schwäche“. Fars mahnte zu einer „maßvolleren“ Kommunikation und warnte davor, dass die Betonung der Krise ohne konkreten Plan die Möglichkeit zur Instrumentalisierung durch „feindselige Medien“ biete. Das harte Durchgreifen verdeutlicht den zweigleisigen Ansatz des Systems: das Ausmaß des Risikos anzuerkennen und gleichzeitig die öffentliche Reaktion einzudämmen. Es legt auch die politischen Motive hinter der Warnung offen – Beamte befürchten eine schockbedingte Gegenreaktion, die an 2019 erinnert, als ein plötzlicher politischer Kurswechsel landesweite Unruhen auslöste. Heute geht es weniger um den Schutz der Bevölkerung als vielmehr darum, ihre Reaktion auf einen potenziellen Zusammenbruch der öffentlichen Versorgung im Großraum Teheran zu steuern.

Was löste den Alarm aus?

Die Wasserversorgungslage verschlechtert sich zusehends. Laut den regionalen Wasserbehörden Teherans enthält der Mamlou-Staudamm nur noch 18 Millionen Kubikmeter Wasser – etwa 7 % Füllstand, verglichen mit 13 % im Vorjahr. Der Zustand des Latian-Staudamms ist noch prekärer; der Lar-Staudamm verfügt nur noch über 14 Millionen Kubikmeter; und der Amirkabir-Staudamm (Karaj) ist stark dezimiert. Am 2. November erklärte Behzad Parsa, Leiter der regionalen Wassergesellschaft Teherans, dass im Karaj-Staudamm nur noch 14 Millionen Kubikmeter Wasser vorhanden seien – ausreichend für etwa zwei Wochen Trinkwasser für die Hauptstadt.

Die Versorgungskrise wird durch eine historische Dürreperiode verschärft. Mohsen Ardakani, Geschäftsführer der Teheraner Wasser- und Abwassergesellschaft, erklärte am 7. November, dass es in Teheran in diesem Wasserjahr – der sechsten Dürreperiode in Folge – bisher nicht geregnet habe und das vergangene Jahr das trockenste seit einem Jahrhundert gewesen sei. Nationale Daten zeigen für den Zeitraum von Ende September bis zum 25. Oktober einen durchschnittlichen Niederschlag von nur 2,3 Millimetern. In 21 von 31 Provinzen fiel in diesem 33-tägigen Zeitraum kein Regen. Die Schwere der Lage ist deutlich sichtbar: Ein am 4. November veröffentlichtes Video zeigt einen iranischen Schwimmer, der auf dem freigelegten Grund des Karaj-Stausees watet.

Auch Forschungsexperten kommen zum selben Schluss. Am 7. November erklärte Mohammadreza Kavianpour, Leiter des Wasserforschungsinstituts, dass es in Teheran im Herbst nicht geregnet habe und Prognosen bis zum Ende der Saison Trockenheit erwarten ließen. Er mahnte die Behörden, nicht auf das Wetter zu spekulieren, und verwies auf die 152 Millimeter Niederschlag des Vorjahres – etwa 40 % unter dem 57-jährigen Durchschnitt – und schätzte einen Rückgang der Flusszuflüsse um etwa 42 % im Vergleich zum Vorjahr.

In Teheran hat faktisch eine Wasserrationierung stattgefunden. Bewohner von Yusef-Abad berichten von Abschaltungen zwischen etwa 22:30 und 5:00 Uhr, während in Gheytarieh und Ekhtiyariyeh die Wasserhähne bereits gegen 21:00 oder 22:00 Uhr bis zum Morgengrauen trocken bleiben. Selbst in Vierteln mit Pumpen und Dachspeichern – wie Niavaran, Jordan und Gisha – klagen die Bewohner über leere Speicher und Schäden durch Druckspitzen. Die dem Justizministerium nahestehende Zeitung Mizan und die Tageszeitung Haft-e Sobh berichten übereinstimmend, dass die Rationierung nachts – typischerweise zwischen 0:00 und 5:00 Uhr – begonnen hat, trotz wiederholter Dementis der Behörden und fehlender vorheriger öffentlicher Bekanntmachungen. Experten führen die Krise auf „weit verbreitetes Missmanagement und mangelnde Planung der Wasserversorgung der Hauptstadt“ zurück und warnen vor Gesundheitsrisiken und Infrastrukturschäden, sollte sich dieses Muster fortsetzen.

Planungslücke – und die Politik der Angst

Selbst staatsnahe Medien räumen das politische Vakuum ein. Ein regierungsnahes Medium merkt an, dass das Energieministerium keinen klaren Plan zur Kompensation des Defizits in Teherans Staudämmen hat. Gleichzeitig betonen Regierungsvertreter die „Ersparnisse“ der Haushalte von 10–20 %, anstatt die Verluste in einem veralteten Stromnetz anzugehen oder eine glaubwürdige Angebotsstrategie vorzulegen. Der Präsident selbst hat einen aufgeblähten Staatsapparat und mangelnde Haushaltsdisziplin eingeräumt: „Wenn der Staat ein Defizit hat, ist er gezwungen, Geld zu drucken; wenn er Geld druckt, folgt die Inflation.“ – ein Kontext, der sowohl die Handlungsfähigkeit schwächt als auch die öffentliche Sensibilität gegenüber neuen Schocks erhöht.

Diese Sensibilität steht im Mittelpunkt der Evakuierungsdiskussion. Eine Metropole mit rund 15 Millionen Einwohnern umzusiedeln, ist, wie ein Umweltwissenschaftler es ausdrückte, „undurchführbar“ und „lächerlich“. Wirtschaftsverbände haben grundlegende Fragen gestellt: Wo würden Millionen von Menschen leben, arbeiten und studieren? Wie würden sie transportiert? Und ganz entscheidend: Woher käme das Wasser in einer Stadt, die eine Evakuierung aufnehmen würde? In der Praxis wirkt das Szenario wie ein Signal zur Druckbewältigung: Die Bevölkerung soll auf Notlagen vorbereitet werden, die Verantwortung soll dem Wetter und den Verbrauchern zugeschoben werden, und man versucht, Unruhen vorzubeugen, falls im Dezember das Wasser ausgeht.

Ein Kapital mit kurzer Zündschnur

Sollte es im Dezember nicht regnen, ist eine formelle Rationierung wahrscheinlich; hält die Trockenheit an, werden die Reserven gefährlich knapp. Krankenhäuser, Kliniken und die Industrie stünden vor großen Herausforderungen; Haushalte, die bereits nachts rationieren, müssten mit längeren und unvorhersehbareren Stromausfällen rechnen; und die wirtschaftlichen Folgen – von Geräteschäden bis hin zu höheren Betriebskosten – könnten die ohnehin schon angespannte Lage weiter verschärfen. In diesem Klima ist Kommunikationsdisziplin oberstes Gebot: warnen, aber nicht zu viel; die Versorgung nachts einschränken, aber rationieren; und vor allem die öffentliche Empörung im Zaum halten.

Jahrzehntelange Korruption, Vernachlässigung und politisch motivierte Misswirtschaft haben dieses Ergebnis vorhersehbar gemacht. Ohne einen transparenten Plan, außer die Haushalte zu einem weiteren Verbrauchseinbruch aufzufordern, signalisiert die Regierung, dass sie die Knappheit nur verwalten, nicht aber beheben will – aus Angst vor den Folgen anhaltender Stromausfälle. Dahinter steckt das Überleben: Ein herrschendes System, das lange Zeit Klientelprojekte und kurzfristige PR-Aktionen über Instandhaltung und Planung gestellt hat, befürchtet nun, dass ausgerechnet Wasser der Auslöser sein könnte.

Deutsche Würdenträger verurteilen Teheraner Hinrichtungswelle und fordern demokratischen Wandel

Deutsche Abgeordnete, Diplomaten sowie Unterstützer und Mitglieder des NCRI versammeln sich am 5. November 2025 in Berlin.

In einem eindrucksvollen Akt parteiübergreifender Solidarität trafen sich prominente deutsche Parlamentarier, ehemalige Minister, hochrangige Diplomaten und Menschenrechtsaktivisten in Berlin, um die sich zuspitzende Menschenrechtskrise im Iran zu thematisieren. Die Konferenz, deren Hauptrede von Maryam Rajavi , der designierten Präsidentin des Nationalen Widerstandsrates des Iran (NWRI), gehalten wurde, konzentrierte sich auf die erschreckende Zunahme der Hinrichtungen durch das Klerikerregime und die dringende Notwendigkeit eines entschiedenen Kurswechsels der internationalen Politik – weg von der Beschwichtigungspolitik und hin zur Unterstützung des Kampfes des iranischen Volkes für eine demokratische Republik.

Die Redner verurteilten einstimmig das brutale Vorgehen des Teheraner Regimes gegen seine Bürger, das sie als verzweifelten Versuch werteten, den wachsenden gesellschaftlichen Widerstand zu unterdrücken und Volksaufstände zu verhindern. Es zeichnete sich ein klarer Konsens über die „Dritte Option“ für den Iran ab – einen Weg, der sowohl eine ausländische Militärintervention als auch eine Annäherung an die herrschende Theokratie ablehnt und stattdessen einen demokratischen Wandel befürwortet, der vom iranischen Volk und seiner organisierten Widerstandsbewegung getragen wird.

Frau Maryam Rajavi: Hinrichtungen sind ein Zeichen eines verzweifelten Regimes, das einen Aufstand fürchtet.

In ihrer Rede auf der Konferenz zeichnete Maryam Rajavi ein düsteres Bild der Lage im Iran und hob die Rekordzahl an Hinrichtungen des Regimes als Mittel zur Terrorisierung einer Gesellschaft am Rande des Zusammenbruchs hervor. Allein im Oktober 2025 habe das Regime mindestens 285 Gefangene hingerichtet, darunter sieben Frauen und einen Minderjährigen. Rajavi erklärte, diese Brutalität sei eine direkte Reaktion auf die fundamentale Instabilität des Regimes. Oberster Führer Ali Khamenei sei „umgeben vom Zorn des iranischen Volkes“, das Armut, Korruption und die Verschwendung des nationalen Reichtums für Unterdrückung und Kriegstreiberei satt habe.

Sie betonte, dass das Regime wirtschaftlich zusammenbreche und reformunfähig sei; alle seine Fraktionen seien nur in ihrem Bekenntnis zur Repression vereint. Diese Angst vor Volksaufständen, so argumentierte sie, sei die treibende Kraft hinter der Hinrichtung politischer Gefangener, darunter auch Anhänger der Volksmojahedin Iran (PMOI/MEK), oft nach Scheinprozessen von nur wenigen Minuten Dauer.

Frau Rajavi rief die internationale Gemeinschaft auf, die Kampagne „Nein zur Hinrichtung“ und die laufenden Hungerstreiks in 54 iranischen Gefängnissen zu unterstützen. Abschließend forderte sie eindringlich ein neues internationales Vorgehen und skizzierte drei konkrete politische Empfehlungen: die Überweisung des Iran-Menschenrechtsdossiers an den UN-Sicherheitsrat, die strafrechtliche Verfolgung der Regimeführung für Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch universelle Gerichtsbarkeit und die Ausübung von Druck auf Teheran, internationale Beobachter in seine Gefängnisse zu lassen. „Wenn Gefängnisse zu Schlachtfeldern geworden sind, haben die jungen Menschen, die sich erhoben haben, das Recht, ihr Volk zu verteidigen“, erklärte sie und betonte die Legitimität des Kampfes des iranischen Volkes. „Wir kämpfen für eine demokratische Republik und die Souveränität unseres Volkes … Wir wollen unser Land zurückerobern. Wir wollen die Freiheit für unser gefangenes Volk. Und wir werden nicht ruhen, bis dies erreicht ist.“

Deutsche Parlamentarier und Würdenträger bekunden unerschütterliche Unterstützung für den iranischen Widerstand

Carsten Müller, Vorsitzender des Rechtsausschusses des Bundestages

Herr Carsten Müller eröffnete die Konferenz mit einem Gruß an die breite, parteiübergreifende Unterstützung für die iranische Sache und betonte die Dringlichkeit der Lage. Er erklärte, die internationale Gemeinschaft dürfe dem Klerikerregime nicht erlauben, sein Blutvergießen ungestraft fortzusetzen. Herr Müller rückte die Bedrohung durch das Regime auch in den Fokus Deutschlands und enthüllte „aktuelle Erkenntnisse über umfangreiche Geheimdienstaktivitäten des iranischen Regimes in Deutschland“, die sich gegen Unterstützer der Opposition richten und diese schikanieren. Er plädierte nachdrücklich für konkrete Maßnahmen, darunter die Einstufung der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) als Terrororganisation, und fragte: „Ganz ehrlich, welchen Grund gibt es heute noch, diese Einstufung nicht vorzunehmen?“ Befürchtungen einer Instabilität nach dem Sturz des Regimes wies er zurück und erklärte: „Ehrlich gesagt, schlimmer kann es praktisch nicht mehr werden. Und deshalb müssen wir alles in unserer Macht Stehende tun, um dem Widerstand einen erfolgreichen Widerstand gegen das Regime zu ermöglichen.“

Peter Altmaier, ehemaliger deutscher Bundesminister für Wirtschaft und Energie

Peter Altmaier lieferte eine überzeugende Analyse der strategischen Schwäche des Regimes und stellte fest: „Der Iran ist so allein und isoliert wie nie zuvor“, nicht nur vom Westen, sondern auch von den arabischen Staaten. Er bezeichnete das Klerikerregime als „das grausamste Regime der Welt“. Altmaier lobte den von Frau Rajavi vorgestellten Zehn-Punkte -Plan des Nationalen Widerstandsrates Iran (NWRI) als einzigartigen und praktikablen Fahrplan für einen zukünftigen Iran. Er hob dessen Bekenntnis zu einer säkularen Republik, zur Gleichstellung der Geschlechter und zur Rechtsstaatlichkeit als grundlegende Prinzipien eines demokratischen Staates hervor. „Dieser Zehn-Punkte-Plan ist meines Erachtens einzigartig in der Opposition gegen das Mullah-Regime, weil er eine klare Aussage und ein klares Bekenntnis darstellt“, erklärte er und sicherte der Bewegung, die den Iran in die Gemeinschaft der demokratischen Nationen integrieren will, seine volle Unterstützung zu.

Dr. Joachim Rücker, ehemaliger Präsident des UN-Menschenrechtsrats

Botschafter Rücker gab einen detaillierten Überblick über den eskalierenden internen Terrorismus des Regimes und stellte fest, dass der Iran mit über 1.400 Hinrichtungen seit Anfang 2025 in eine „neue, extrem düstere Phase“ eingetreten sei. Er betonte, dass es sich hierbei nicht um willkürliche Gewalt, sondern um eine kalkulierte Politik handle. „Die Todesstrafe wird zunehmend systematisch als Machtinstrument eingesetzt. Sie ist kein Zufall, sondern ein bewusstes Mittel politischer Unterdrückung“, erklärte er. Dr. Rücker zeigte sich besorgt darüber, dass Stimmen innerhalb des Regimes das Massaker von 1988 an 30.000 politischen Gefangenen nun offen als „erfolgreiche historische Erfahrung“ bezeichnen, die wiederholt werden solle. Er skizzierte einen Vier-Punkte-Plan für Deutschland und die EU: öffentliche Verurteilung politischer Hinrichtungen, Abschaffung der Todesstrafe als Voraussetzung für jede Verbesserung der Beziehungen, Einstufung der Revolutionsgarden als terroristische Organisation und Verfolgung von Regimefunktionären nach dem Prinzip der universellen Gerichtsbarkeit.

Martin Patzelt, ehemaliger MdB (2013-2021)

Martin Patzelt schilderte seine persönlichen Erfahrungen und erinnerte an den vereitelten Bombenanschlag des iranischen Regimes im Jahr 2018 auf eine Kundgebung des Nationalen Widerstandsrates Irans (NWRI) in Paris, bei der er sich in der Nähe von Frau Rajavi aufhielt. Er warnte davor, dass das Regime seinen physischen Terror durch eine ausgeklügelte Kampagne aus „Desinformation, Täuschung und Verleumdung“ ergänzt, um die Opposition, insbesondere die Volksmudschahedin (MEK), zu untergraben. Patzelt wies die Vorstellung, Reza Pahlavi sei eine „falsche Alternative“, entschieden zurück und beschrieb ihn als Akteur ohne Programm und gesellschaftliche Basis. Er argumentierte, der NWRI sei „unzweifelhaft die einzige Alternative, die eine Regierung übernehmen und das Land in die freie Welt führen kann“, und appellierte an westliche Entscheidungsträger, sich mit dieser organisierten und tragfähigen demokratischen Bewegung auseinanderzusetzen und sie zu unterstützen.

Detlef Seif, MdB

Detlef Seif, Mitglied des Innenausschusses, begründete seine Unterstützung mit dem universellen Prinzip, dass „die Würde des Menschen unantastbar ist“. Er brachte seinen tiefen Respekt für den Kampfgeist des iranischen Widerstands und dessen Engagement für eine positive Zukunft Irans zum Ausdruck. Seif versprach konkrete Maßnahmen und kündigte an, sich in seinem Ausschuss für die Einstufung der Revolutionsgarden als Terrororganisation einzusetzen. „Wir müssen hier erneut eine Initiative starten, und ich sehe dies heute als meine ganz konkrete Aufgabe an“, bekräftigte er und erklärte: „Es ist inakzeptabel, dass Menschen getötet werden, weil sie eine andere Meinung haben.“

Dr. Rudolf Adam, ehemaliger Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik

Dr. Rudolf Adam bot eine umfassendere geopolitische Perspektive und argumentierte, dass langfristiger Frieden im Nahen Osten ohne grundlegende Veränderungen im Iran unmöglich sei. „Wer dem Frieden eine Chance geben will, muss im Iran ansetzen“, erklärte er. Dr. Adam merkte an, dass das Atomprogramm des Regimes zwar einen Rückschlag erlitten habe, dessen Ambitionen aber fort bestünden und nur die Errichtung eines säkularen, liberalen Staates regionale Stabilität gewährleisten könne. Unter Berufung auf John F. Kennedy warnte er: „Wer eine friedliche Revolution unmöglich macht, macht eine gewaltsame Revolution unausweichlich.“ Er bezeichnete den Nationalen Widerstandsrat des Iran (NWRI) und dessen Zehn-Punkte-Plan als „vielversprechenden Fahrplan für die Zukunft“ und forderte die westlichen Regierungen auf, sich durch die Stärkung demokratischer Kräfte auf die Zeit nach Khamenei vorzubereiten.

Dr. Ulrich Seidt, ehemaliger deutscher Botschafter

Dr. Ulrich Seidt konzentrierte sich auf die direkten Sicherheitsbedrohungen, die vom iranischen Regime für Deutschland und seine Verbündeten ausgehen. Er zitierte eine gemeinsame Erklärung von 14 westlichen Staaten vom Juli 2025, in der die iranischen Geheimdienste für ihre Pläne, „Menschen in Europa und Nordamerika zu töten, zu entführen und zu belästigen“, verurteilt werden. Er argumentierte, dass eine solche Erklärung nicht nur Worte, sondern auch konkrete Maßnahmen erfordere. Dr. Seidt betonte, dass Sanktionen gegen die Revolutionsgarden ein logischer nächster Schritt seien, und forderte die Bundesregierung auf, aktiv mit dem Nationalen Widerstandsrat des Iran (NWRI) zusammenzuarbeiten, um der iranischen Spionage auf deutschem Boden entgegenzuwirken. „Hier sind unmittelbare deutsche Interessen betroffen, und die Bundesregierung ist verpflichtet, aktiv dagegen vorzugehen und nicht nur Erklärungen abzugeben“, schloss er.

Sandra Weeser, ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages (2017-2025)

Sandra Weeser würdigte den unermüdlichen Einsatz der Unterstützer des Nationalen Widerstandsrates des Iran (NWRI), die seit Jahren unermüdlich vor dem Deutschen Bundestag demonstrieren. Sie zeigte sich entsetzt über die Hinrichtungszahlen und hob den Fall von Zahra Tabari hervor , einer 67-jährigen Mutter, die nach einem nur zehnminütigen Prozess zum Tode verurteilt wurde, weil sie angeblich ein Transparent mit der Aufschrift „Frau, Widerstand, Freiheit“ gezeigt hatte. Weeser appellierte an die europäischen Regierungen, die bisherige Praxis mit Teheran aufzugeben und einen Stopp der Hinrichtungen sowie die Freilassung politischer Gefangener zu festen Bedingungen für jegliche diplomatische Bemühungen zu machen. Sie erklärte: „Unsere Solidarität gilt dem Volk, nicht den Mächtigen.“

Alexander Engelhard, MdB

Alexander Engelhard äußerte seine Bewunderung für den Mut der iranischen Aktivisten und hob deren unermüdliche Präsenz vor dem Bundestag bei Wind und Wetter hervor. Er betonte, dass „Wegschauen keine Lösung ist“ und sicherte ihnen seine volle Unterstützung im Kampf gegen das Unrecht im Iran zu. „Es ist beeindruckend, wie diese Menschen ihr Leben für die Freiheit im wahrsten Sinne des Wortes riskieren und welchen Mut sie dabei beweisen“, sagte er. „Ich bin in Gedanken bei Ihnen und hoffe, dass wir bald eine gute Lösung finden werden.“

Thomas Lütze, ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages (2009-2025)

Herr Thomas Lütze kritisierte die mangelnde Berichterstattung der deutschen Medien über die Menschenrechtsverletzungen im Iran. Er erinnerte sich an einen kürzlich ausgestrahlten Fernsehbericht über iranischen Safran, in dem die internationalen Sanktionen ausschließlich im Zusammenhang mit dem Atomprogramm thematisiert wurden, ohne Hinrichtungen oder Menschenrechtsverletzungen auch nur zu erwähnen. Er betonte die Notwendigkeit einer besseren Information der Öffentlichkeit und erklärte, die Tatsache, dass „allein im Iran mehr Todesurteile vollstreckt werden als in allen anderen Ländern der Welt zusammen … muss Schlagzeilen machen.“

Dr. Massoumeh Bolourchi, NCRI-Vertreterin in Deutschland

Dr. Massoumeh Bolourchi dankte den Ehrengästen für ihre Unterstützung und bekräftigte die wachsende Stärke des organisierten Widerstands im Iran. Sie betonte, dass Hinrichtungen das wichtigste Mittel des Regimes zum Machterhalt seien, und forderte internationalen Druck, um UN-Menschenrechtsbeobachtern Zugang zu iranischen Gefängnissen zu gewähren. Die Entschlossenheit der Bewegung unterstreichend, erklärte sie: „Unser Widerstand ist eine unabhängige Bewegung … Wir werden keine Opfer scheuen für die Freiheit unseres Volkes. Darauf haben wir uns geschworen, und darauf sind wir stolz.“

Iranische Aktivisten berichten persönlich von der Brutalität des Regimes im In- und Ausland

Die Konferenz beinhaltete auch eindringliche Zeugenaussagen von Mitgliedern der iranischen Gemeinde in Deutschland, deren persönliche Geschichten die Grausamkeit des Regimes deutlich vor Augen führten. Sie berichteten vom generationenübergreifenden Kampf um Freiheit und den Versuchen des Regimes, abweichende Meinungen selbst auf deutschem Boden zu unterdrücken.

Hanif Mahoutchian , ein Jurist, dessen Familienangehörige wegen Unterstützung der PMOI hingerichtet wurden, enthüllte die beispiellose Intensivierung der Aktivitäten des iranischen Geheimdienstes in Deutschland. Er schilderte detailliert eine Kampagne von Drohungen – darunter Mord, Entführung und Folter von Familienangehörigen im Iran –, die darauf abzielte, Aktivisten einzuschüchtern und sie zur Spionage gegen die Opposition zu zwingen. Er enthüllte außerdem, dass in einem laufenden Schauprozess in Teheran gegen 104 Mitglieder des iranischen Widerstands ein Richter direkt drohte, „diese Hinrichtungen eigenständig in Europa durchzuführen“. Daraufhin forderte Mahoutchian die Ausweisung aller Spione des Regimes und die Schließung seiner diplomatischen Vertretungen, die er als „Zentren von Terrornetzwerken“ bezeichnete.

Die Psychotherapeutin Sahar Sanaei erzählte von ihrer tragischen Familiengeschichte. Ihr Vater wurde vom Regime getötet, als sie zwei Jahre alt war, und zwei Onkel wurden als Teenager hingerichtet. Sie verband ihren persönlichen Verlust mit dem kollektiven Kampf und sagte: „Heute sehen Sie hier im Saal Opfer, die sich aus Liebe zu Freiheit und Gerechtigkeit dem Widerstand angeschlossen haben. Und für uns ist der demokratische Wandel die einzige Option.“

Sanya Mohammadi , eine 22-Jährige, die ihre Kindheit im Iran mit einem politischen Gefangenen als Vater verbrachte, sprach über die Hoffnungslosigkeit, die das Regime insbesondere Frauen und Jugendlichen aufzwingen will. Sie erklärte, wie ihr die „Aktivitäten des iranischen Widerstands trotz der Angst viel Mut und Hoffnung gaben“. Sie dankte den deutschen Würdenträgern für ihre Solidarität und betonte, dass deren Unterstützung die Menschen im Iran, die weiterhin für ihre Grundrechte kämpfen, zutiefst ermutigt.

Die Berliner Konferenz schloss mit einer einhelligen Botschaft: Die Praxis des iranischen Regimes, Massenhinrichtungen durchzuführen, ist ein Zeichen tiefer Schwäche, nicht Stärke. Die Redner forderten gemeinsam ein Ende der gescheiterten Beschwichtigungspolitik und appellierten an die westlichen Regierungen, sich entschieden an die Seite des iranischen Volkes zu stellen. Indem die internationale Gemeinschaft das Recht des iranischen Volkes auf Widerstand gegen Tyrannei anerkennt und dessen organisierte, demokratische Alternative im Nationalen Widerstandsrat des Iran (NWRI) unterstützt, kann sie dazu beitragen, den Weg für ein freies, säkulares und demokratisches Iran zu ebnen, das ein Partner für globalen Frieden und Sicherheit sein wird.

Arbeiter, Rentner und Hauskäufer protestieren landesweit im Iran

Protest der Opfer des Pardis-Wohnungsbetrugs (8. November 2025)

Am 8. November 2025 brach im Iran eine Welle massiver Proteste aus, die die tiefen Spaltungen innerhalb eines Regimes offenlegte, das nicht einmal die grundlegendsten Bedürfnisse seiner Bevölkerung befriedigen kann. Von der Hauptstadt Teheran bis hin zu Städten wie Kermanshah und Yasuj gingen Menschen aus allen Gesellschaftsschichten – darunter Bankangestellte im Ruhestand, städtische Angestellte, Krankenschwestern und betrogene Hauskäufer – gemeinsam auf die Straße, um ihrer Wut über die Korruption und den wirtschaftlichen Zusammenbruch Ausdruck zu verleihen. Die Ereignisse dieses Tages zeichnen das düstere Bild eines Staates, dessen Kernfunktionen versagen und den Bürgern keine andere Wahl lässt, als zu protestieren.

Die Säulen des Staates bröckeln

Die Unfähigkeit des Regimes, für seine eigenen Angestellten und ehemaligen Mitarbeiter zu sorgen, trat in Teheran deutlich zutage, wo Angestellte und Rentner der Bank Mellat einen Großprotest abhielten. Ihre lauten Rufe durchdrangen den Lärm der Stadt: „Versprechen genügen, unsere Tische sind leer!“ und „Rentner sterben lieber, als sich demütigen zu lassen!“ Der Protest verdeutlichte eine schwere Krise im Pensionsfonds der Banken – ein klares Zeichen für die Zahlungsunfähigkeit des Regimes und seine Vernachlässigung derjenigen, die dem Staat jahrzehntelang gedient hatten.

Diese Krise beschränkt sich nicht auf den Finanzsektor. Hunderte Kilometer entfernt, im Westen Irans, traten die Fahrer städtischer Baumaschinen in Kermanshah in den Streik und versammelten sich vor dem Büro des Provinzgouverneurs. Ihre Beschwerde war einfach und vernichtend: Sie hatten seit vier Monaten keinen Lohn erhalten. Die Fahrer stellten infrage, wie sie den Auftragnehmern in Zukunft noch vertrauen könnten, und erklärten ihre Notlage mit der jahrelangen Ausbeutung und Misswirtschaft der Stadt und ihrer Bevölkerung.

Gleichzeitig protestierten in Yasuj, der Hauptstadt der Provinz Kohgiluyeh und Boyer-Ahmad, Krankenschwestern und medizinisches Personal aus städtischen Krankenhäusern vor dem Gouverneursbüro. Sie forderten seit Monaten ausstehende Boni und andere überfällige Leistungen und machten damit deutlich, dass selbst die für das Gesundheitswesen unverzichtbaren Arbeitskräfte des Landes inmitten des weitverbreiteten Missmanagements des Regimes vernachlässigt werden.

Ein auf Betrug aufgebautes System

Abgesehen von der Tatsache, dass das Regime seinen Arbeitern die Löhne vorenthält, hat seine Mitschuld an groß angelegtem Betrug vielen Iranern ihre Ersparnisse geraubt. In einem besonders eklatanten Fall versammelten sich Opfer eines massiven Wohnungsbetrugs in Pardis, einer Stadt nahe Teheran, vor dem Justizgebäude und forderten Gerechtigkeit. Diese Bürger hatten Wohnungen in einem großen Wohnbauprojekt im Voraus gekauft und mussten nun feststellen, dass einige Einheiten an mehrere Käufer verkauft worden waren, während andere gar nicht erst gebaut wurden.

Das schwerwiegendste Detail ist die direkte Beteiligung einer staatlichen Institution. Die Opfer berichteten, dass ihnen vor dem Kauf ein staatliches Ingenieurbüro des Wohnungsbauministeriums versichert hatte, die Bauträger seien vertrauenswürdig. Diese staatlich sanktionierte Bestätigung ermöglichte einen Betrug, der rund 400 Familien ruiniert hat. Viele hatten ihre Häuser, Grundstücke und Goldbestände verkauft, um die Anzahlung leisten zu können, und sind nun gezwungen, zur Miete zu wohnen oder sind in Armut in ihre Dörfer zurückgekehrt.

Dieses Muster staatlich gelenkten Verbraucherbetrugs spiegelte sich am selben Tag in einem weiteren Protest in Teheran wider. Kunden der Firma Farda Motor, die Fahrzeuge im Voraus bezahlt hatten, versammelten sich vor dem Ministerium für Industrie, Handel und Bergbau. Sie warfen den Beamten monatelange leere Versprechungen und Untätigkeit vor und brachten ihre Frustration in der Erklärung zum Ausdruck: „Niemand ist zur Rechenschaft zu ziehen, nur Schweigen und Ungerechtigkeit!“

Die Ereignisse vom 8. November 2025 sind mehr als eine Ansammlung vereinzelter Missstände; sie sind eine nationale Anklage gegen ein korruptes und unfähiges Regime. Von Bankrentnern in Teheran bis zu unbezahlten städtischen Fahrern in Kermanshah, von betrogenen Familien bis zu vernachlässigten Krankenschwestern – das iranische Volk teilt das Gefühl des Verrats durch ein herrschendes System, das nicht nur unfähig ist zu regieren, sondern seine Bürger auch aktiv ausbeutet.

Ob ein pensionierter Banker „Unsere Tische sind leer“ ruft oder ein betrogener Bürger „Schweigen und Ungerechtigkeit“ anprangert – die Kernbotschaft ist dieselbe: Das iranische Volk hat jegliches Vertrauen in das bestehende System verloren. Die zunehmende Häufigkeit dieser Proteste in allen Gesellschaftsschichten signalisiert einen tiefgreifenden Wandel. Gefordert werden nicht länger Stückwerkreformen, sondern ein kompletter Regimewechsel.

Berlin: Konferenz zu Iran – Hinrichtungswelle und Geheimdienstdruck im Fokus

 

v.r.n.l: Carsten Müller, Peter Altmaier, Sandra Weeser, Rudlf Adam

Ein klarer Ton aus der Hauptstadt: Unter Leitung von Carsten Müller, amtierender Vorsitzender des Rechtsausschusses des Bundestages, diskutierten Abgeordnete mehrerer Fraktionen in Berlin zwei Kernfragen – den „unmissverständlichen Aufruf zur Beendigung der Hinrichtungen im Iran“ und die „Verschärfung der Geheimdienstaktivitäten des Regimes gegen iranische Oppositionelle und Unterstützer des Widerstands in Deutschland“. Müller beschreibt Ziel und Haltung der Tagung als Dreiklang aus Würdeschutz, Wandel und Verantwortung – und verweist auf „zahlreiche Berichte über Druck, Drohungen, die Überwachung von Demonstrierenden und Versuche, Personen zur nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit in Deutschland zu bewegen“ – ein Trend, der „zeigt, dass das Teheraner Regime den Nationalen Widerstandsrat und die Volksmojahedin als die zentrale Existenzbedrohung ansieht.“

Rajavis Alarmruf – und eine Forderung an Europa
In einer Videobotschaft mit dem Titel „Das entsetzliche Morden an Gefangenen und die Notwendigkeit des Handelns der internationalen Gemeinschaft“ legt Maryam Rajavi dramatische Zahlen vor: „Das klerikale Regime hat im Oktober 2025 mindestens 285 Gefangene, darunter 7 Frauen und eine Person, die zum Zeitpunkt der zugeschriebenen Tat unter 18 war, hingerichtet.“ Ihre Schlussfolgerung ist unmissverständlich: „Wenn das Regime gezwungen wird, die Maßstäbe eines fairen Verfahrens einzuhalten, bricht das Fundament seiner Herrschaft zusammen.“ Rajavi ruft zu konkretem Handeln auf – vom Verweis des Falls an den UN-Sicherheitsrat über Verfahren nach dem Weltrechtsprinzip bis zu Gefängnisbesuchen internationaler Institutionen – und erinnert: „Da der Sicherheitsrat nun akzeptiert hat, dass dieses Regime eine Bedrohung für Frieden und Sicherheit der Welt ist, müssen die Menschen, die unter der Herrschaft dieses Regimes stehen, das Recht haben, sich zu verteidigen.“

Druck machen statt beschwichtigen
Müller präzisiert die politische To-do-Liste: umgehende Rettungsmaßnahmen für mindestens 16 akut bedrohte Gefangene, ein Ende der „Beschwichtigung“, EU-Listung der Revolutionsgarden und vollständige Anwendung des „Snapback-Mechanismus“. Der richtige Kurs sei „prinzipiengeleitete Abschreckung“ – verbunden mit politischer Unterstützung für das iranische Volk und seinen organisierten Widerstand.

Altmaier: „Entscheidender Moment“
Auch Bundesminister a.D. Peter Altmaier setzt einen Punkt: „Jetzt ist der entscheidende Moment für die internationale Gemeinschaft, an der Seite des iranischen Volkes und seines organisierten Widerstands zu stehen. Der Zehn-Punkte-Plan von Frau Rajavi bietet die glaubwürdige und demokratische Alternative – eine Vision einer säkularen Republik, die auf Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Frieden gründet. Der Weg zu Stabilität im Nahen Osten und zu Sicherheit in Europa führt über einen freien Iran.“

Rücker warnt vor Werteerosion

Der frühere Präsident des UN-Menschenrechtsrats, Joachim Rücker, fordert klare Kante: „Genau in diesen Tagen brauchen wir eine öffentliche Verurteilung der Todesurteile gegen politische Gefangene durch Deutschland und die Europäische Union. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Dämonisierung der Opposition durch das Regime die europäischen Demokratien von ihren Prinzipien entfernt; Europa muss seine klare Position zu politischen Hinrichtungen unmissverständlich formulieren.“

Sahar Sanaie zeigt die Bilder ihrer Angehörigen, die vom iranischen Regime hingerichtet wurden

Sahar Sanaie zeigt die Bilder ihrer Angehörigen, die vom iranischen Regime hingerichtet wurden

Belege für transnationalen Druck 

Der nachrichtenstärkste Block kommt mit Namen und Fällen: Hanif Mahouchian spricht von einer „beispiellosen“ Verschärfung iranischer Geheimdienstaktivitäten in Deutschland – zunächst, um Unterstützer von oppositionellen Aktivitäten abzuhalten, dann, um einige zur „erzwungenen Zusammenarbeit“ zu drängen und in Deutschland gegen den Widerstand zu identifizieren und zu spionieren. Berichtet würden Mord- und Entführungsdrohungen, Geiselnahme und Folter von Angehörigen sowie sexuelle Drohungen; zahlreiche Anzeigen seien gestellt. Seine Forderungen: Ausweisung von Regimeagenten, Schließung verdeckter Operationszentren, Schluss mit dem Export von Zensur und Repression nach Europa.
Der musterhafte Betroffene Parham Dezfouli schildert die Festnahme seines Onkels durch den Geheimdienst im Iran und Versuche, ihn selbst über Messenger, Erpressungsanrufe sowie Druck auf seine Mutter zur Kooperation zu zwingen – ein „greifbares Bild von justizieller Geiselnahme und Sicherheitsbedrohung“. Nach seiner Weigerung sei ihm mit der „Eliminierung an Ort und Stelle“ in Deutschland gedroht worden.

Strategische Hausaufgaben für Europa
Der ehemalige Botschafter Dr. Hans-Ulrich Seidt warnt: Ohne einen regelmäßigen, öffentlichen und zielgerichteten Dialog mit der organisierten Opposition – insbesondere dem NWRI – verliere Europa wirksame Hebel und einen verantwortlichen Übergangspfad. Die Botschaft an Teheran müsse lauten: Die Ära der Straflosigkeit und der Hinrichtungsfixierung ist vorbei. Ergänzend plädiert Dr. Rudolf Adam, Ex-Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik und früherer Vizechef des BND, für eine rechtsbasierte, koordinierte Antwort Europas auf verdeckte und grenzüberschreitende Bedrohungen.

Große mediale Aufmerksamkeit, klare Forderungen: sofortiger Stopp der Hinrichtungen, Ende der Beschwichtigung, EU-weite IRGC-Listung, Schutz der in Europa aktiven Iranerinnen und Iraner – und die Unterstützung einer demokratischen Alternative für den „Tag danach“. Die Konferenz in Berlin setzt damit ein Signal, das über den Tag hinausweist.

Irans interne Krise: Nahrung, Wasser und Sicherheit am Limit

Das ausgetrocknete Flussbett des Zayandeh Rud unter der historischen Si-o-se-pol-Brücke in Isfahan, einst ein fließender Fluss und Treffpunkt des kulturellen Lebens der Stadt.

Im gesamten Iran gerät das tägliche Leben an einen Punkt, an dem viele nichts mehr zu verlieren haben. Die immer kleiner werdenden Esstische, die Rationierung von Trinkwasser und die Ausbreitung baufälliger Gebäude sind keine abstrakten Anzeichen von Misswirtschaft mehr, sondern unmittelbare Bedrohungen des Überlebens. Diese sich überschneidenden Belastungen sind nicht das Ergebnis vorübergehender Schocks, Sanktionen oder unglücklicher Umstände. Sie spiegeln eine politische Ordnung wider, die systematisch die Sicherheit des Regimes, die Außenwirkung und die Günstlingswirtschaft der Eliten über die grundlegendsten Lebensbedingungen der Zivilbevölkerung gestellt hat.

Da diese Systeme gleichzeitig zusammenbrechen, sieht sich die Klerikerdiktatur nicht nur mit dem Zorn der Öffentlichkeit konfrontiert, sondern auch mit dem Verlust der materiellen Grundlage sozialer Kontrolle.

Bezahlbare Lebensmittel: Eine einfache Mahlzeit wird zum Luxus

Am 2. November 2025 warnte der iranische Parlamentsabgeordnete Valliollah Bayati, dass Inflation und Währungsverfall den Konsum der Haushalte stark beeinträchtigt hätten. Als Beispiel nannte er Reis – ein Grundnahrungsmittel der iranischen Bevölkerung. Da iranischer Reis im Durchschnitt 400.000 Toman pro Kilo kostet, errechneten staatlich kontrollierte Medien, dass ein Löffel Reis etwa 2.400 Toman kostet.

Hier geht es nicht um veränderte Vorlieben, sondern um erzwungenen Ausschluss. Familien streichen ganze Lebensmittelgruppen – erst Milchprodukte, dann Proteine, jetzt Grundnahrungsmittel.

Sogar die regierungsnahe Wirtschaftszeitung Jahan-e Sanat warnte davor , dass die Methode der Regierung zur Einteilung von Einkommensgruppen darauf abziele, Subventionen zu umgehen. Sie merkte an, dass der Staat „falsche und unrealistische Maßstäbe“ anwende, um Familien als „wohlhabend“ neu einzustufen. Der Leitartikel warnte, dass dieser Ansatz wahrscheinlich soziale Unruhen auslösen werde .

Unterdessen schätzt das Majlis Research Center , dass 30 Prozent der Bevölkerung – 26 Millionen Menschen – in absoluter Armut leben und vier Millionen Menschen von extremer Ernährungsunsicherheit betroffen sind.

Diese Zahlen dürften selbst noch zu niedrig sein; offizielle Daten im Iran werden häufig verändert, zurückgehalten oder umgedeutet, um politische Konsequenzen zu vermeiden. Doch selbst die vom Regime selbst gefilterten Statistiken zeigen einen rapiden Abwärtstrend.

Wasserknappheit: Teheran am Beatmungsgerät für zwei Wochen

Am 1. November 2025 gab der Geschäftsführer der regionalen Wassergesellschaft Teherans bekannt, dass der Amir-Kabir-Staudamm – eine der wichtigsten Trinkwasserquellen der Hauptstadt – nur noch 14 Millionen Kubikmeter Wasser enthält, was für etwa zwei Wochen reicht . Im Vorjahr um diese Zeit waren es noch 86 Millionen Kubikmeter.

Die Regierung kündigte Pläne an, die städtischen Wasserzuteilungen um 10 Prozent zu reduzieren.

Im selben Zeitraum erklärte Vizepräsident Mohammad-Reza Aref, dass der Wasserverbrauch in Teilen Irans weiterhin bei etwa 250 Litern pro Person und Tag liege, während der Verbrauch in europäischen Städten auf etwa 100 Liter geplant sei. Aref sagte : „Wir müssen mit der Öffentlichkeit ehrlich über die Realität der Wasserversorgung sprechen.“

Arefs Aufruf zu einem „ehrlichen Gespräch“ ist jedoch keine Transparenz, sondern eine politische Taktik. Die Wasserkrise ist nicht die Folge übermäßigen Verbrauchs durch die Bevölkerung oder plötzlicher Klimaveränderungen – sie ist das Ergebnis jahrzehntelanger staatlich gelenkter Grundwasserentnahme, unkontrollierter Baugenehmigungen und einer Agrarlandverteilung, die darauf abzielt, Klientelnetzwerke und mit Sicherheitskräften verbundene Landbesitzer zu begünstigen. Indem Aref die Krise als Problem des öffentlichen Konsumverhaltens darstellt, versucht er, die Verantwortung abzuwälzen und die öffentliche Empörung durch den Anschein von Offenheit zu beschwichtigen, anstatt anzuerkennen, dass der Staat selbst die Wasserknappheit verursacht hat.

Städtische Sicherheit: Die Möglichkeit von Massenunfällen durch Vernachlässigung

Am 1. November 2025 berichtete Kamran Abdoli, stellvertretender Leiter der Feuerwehr von Teheran, dass 80.000 Gebäude in der Hauptstadt unsicher seien, darunter 27.000 Hochrisikogebäude und 129, die als „äußerst kritisch“ eingestuft wurden.

Das bedeutet, dass der Staat weiß, wo es zu Massensterben kommen kann – und ihm entweder die Ressourcen, die Autorität oder der politische Wille fehlen, um dies zu verhindern.

Die jüngsten Brände in Gewerbegebäuden haben gezeigt, dass die Ausrüstung zwar vorhanden, aber nie gewartet wurde. Abdoli beschrieb dies mit den Worten: „Wie ein Fahrzeug ohne Bremsen. Vorhanden, aber nutzlos.“

Der Einsturz des Plasco-Gebäudes in Teheran 2017 und des Metropol-Turms in Abadan 2022 – sowie ähnliche Katastrophen in anderen Großstädten – führten nicht zu Reformen. Jede dieser Katastrophen folgte demselben Muster: Baugenehmigungen wurden durch politische Günstlingswirtschaft erteilt, Sicherheitswarnungen ignoriert, und es gab keine Verantwortlichkeit. Die zugrundeliegenden Ursachen – Spekulation, Korruption und Straflosigkeit – bestehen weiterhin.

Finanzielle Beschränkungen ohne Reform der Regierungsführung

Der stellvertretende Vorsitzende der Haushaltskommission des Parlaments gab am 2. November 2025 bekannt, dass die Regierung bis Jahresende mit einem Haushaltsdefizit von fast 1,8 Billiarden Toman konfrontiert sein wird. Die Ölexportziele seien politisch überhöht gewesen, und die realen Einnahmen blieben hinter den Erwartungen zurück.

Als Reaktion darauf plant die Regierung die Einführung einer dritten Benzinpreisstufe bei 7.500 Toman pro Liter ab dem Jahr 2026.

Preisanpassungen dieser Art haben in der Vergangenheit Folgendes ausgelöst:

  • Transportinflation
  • Kaskadenartige Lebensmittelpreisentwicklung
  • Die Kaufkraft der Löhne bricht ein
  • und Unruhen

Doch der Staat konzentriert sich weiterhin auf Mechanismen zur Einnahmenerzielung und nicht auf die Korrektur struktureller wirtschaftlicher Ursachen.

Strukturelle Bedeutung: Der Staat hat den Schutz der Sozialleistungen nicht „vernachlässigt“ – er hat ihm nie Priorität eingeräumt.

Es ist entscheidend, die Situation nicht falsch zu interpretieren, als wolle die Regierung zwar Dienstleistungen anbieten, könne dies aber aufgrund von Einschränkungen nicht.

Seit der Gründung des Klerikerregimes war die öffentliche Wohlfahrt instrumentalisiert – nützlich nur insofern, als sie die Stabilität des Regimes aufrechterhält . Bei Ressourcenknappheit ist die Wohlfahrt verzichtbar, aber:

  • Sicherheitsbudgets
  • elitäre Patronagenetzwerke und
  • ausländische Stellvertreterfinanzierung

bleiben geschützt.

Die gegenwärtige Krise ist daher nicht der Zusammenbruch eines Gesellschaftsvertrags. Sie ist die Offenlegung der Tatsache, dass ein solcher Vertrag nie existierte.

Wenn Systeme zusammenbrechen, schwindet die Kontrolle.

  • Nahrungsmittelunsicherheit verringert die Therapietreue.
  • Wasserknappheit untergräbt die Geduld.
  • Unsichere Städte erzeugen latente Traumata und sichtbare Angst.

Zusammengenommen bringen sie die Bevölkerung näher an den Punkt, an dem weiteres Durchhalten keinen rationalen Nutzen mehr hat.

Der Staat kann verhaften , zensieren und abweichende Meinungen überwachen – aber er kann weder Hunger, Durst noch die Schwerkraft überwachen.

Der Iran steht nicht vor einem vorübergehenden Abschwung.

Es kommt zu einem strukturellen Verlust staatlicher Leistungsfähigkeit in zentralen Überlebenssystemen.

Dies ist keine Krise, die das Regime bewältigt.

Dies ist eine Krise der Regimeführung.

Ein System, das seine Reihen nicht länger schließen kann

Fraktionskonflikte innerhalb des iranischen Regimes funktionierten einst wie ein Druckventil: Wenn das System existenzielle Bedrohungen spürte, legten die Eliten ihre Streitigkeiten bei und kämpften ums Überleben. Dieser Reflex ist verschwunden. Unter akutem Druck streiten sie nun öffentlich – und zwar weniger über politische Inhalte als vielmehr darüber, wer in der Weltordnung nach Khamenei überleben wird. Die Folge ist ein Bruch, keine Konsolidierung.

Wir haben es diese Woche deutlich gesehen. Ali Larijani, der jetzige Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates, warnte, dass „einige der politischen Veteranen des Landes die Brisanz und Tragweite der aktuellen Lage noch immer nicht begreifen“ und sich „leichtfertig untereinander streiten“. Er forderte sie auf, „ihre Differenzen beiseitezulegen und den nationalen Zusammenhalt zu stärken“. Der Appell klingt weniger nach Schlichtung als vielmehr nach Alarm: Ein alter Hase im Hintergrund erklärt der Klasse, dass das Haus brennt und sie sich über Möbel streiten.

Der Konflikt dreht sich nicht um eine neue Wirtschaftspolitik oder außenpolitische Doktrin, sondern um die Nachfolge. Mit Khameneis zunehmendem Alter ist kein vereinbarter Weg oder ein Konsenskandidat für seine Nachfolge in Sicht. Dieses Vakuum zieht jede Debatte in den Strudel der Frage, wer nach ihm für den Staat sprechen wird – und wer jetzt zum Schweigen gebracht wird.

Zwei Auslöser der Panik in der herrschenden Klasse

Zunächst das Machtvakuum nach Raisi. Nach dem Tod von Ebrahim Raisi war Khamenei gezwungen, sein politisches Gleichgewicht neu auszurichten, anstatt seine einseitige Konsolidierungsstrategie abzuschließen. Er setzte faktisch Masoud Pezeshkian als Präsidenten und Ali Larijani als Leiter der nationalen Sicherheitspolitik ein – zwei Persönlichkeiten, die die Paydari-Extremisten und Teile der Kommentatoren der Revolutionsgarde erzürnen. Pezeshkians ständige Kritik an den Missständen im System demoralisiert die ohnehin schrumpfende Loyalität seiner Anhänger, und Larijani mahnt das System immer wieder, aus den Fehlern der Vorgängerregierungen zu lernen, anstatt blinden Widerstand zu leisten.

Zweitens die Rückkehr entmachteter Strippenzieher. Ex-Präsident Hassan Rouhani ist zurück auf der politischen Bühne. In einem von den Staatsmedien am 23. Oktober 2025 verbreiteten Video stellte er die Repräsentativität des Parlaments infrage: „Welchen Prozentsatz der Bevölkerung repräsentiert dieses Parlament?“ Er argumentierte, wenn „ 90 Prozent der Bevölkerung “ eine Maßnahme ablehnen (er bezog sich auf das neue Kopftuchgesetz), „dann ist das kein Gesetz; der Geist eines solchen Gesetzes ist korrupt.“ Für jemanden, der einst als systemtreuer Manager galt, war dies der Auftakt zu einem Versuch im Stile Rafsanjanis, die Nachfolge zu gestalten – ein Versuch, sich nicht als Außenseiter, sondern als Vermittler der nächsten Führungsriege zu positionieren.

Sie sind nicht allein. Faezeh Hashemi verschärfte ihre seit Langem andauernde Konfrontation mit dem Staatsapparat, indem sie in einem Interview, das am 28. Oktober 2025 von Khabar Online veröffentlicht wurde, erklärte, ihr Vater, Ex-Präsident Akbar Hashemi Rafsanjani, sei „im Inland ermordet“ worden. Sie wies eine ausländische Beteiligung entschieden zurück – „es war ein Terrorakt im Inland“. Der Zeitpunkt ist bedeutsam: Sie erhebt diese Behauptung in einem Moment sichtbarer Instabilität des Regimes, in dem eine solche Anschuldigung maximale politische Konsequenzen für die Führung hat und gleichzeitig das Vertrauen in eine Verschiebung der Machtverhältnisse signalisiert.

Als Ali-Akbar Nateq Nouri – eine Säule der alten Rechten – die Besetzung der US -Botschaft 1979 als „großen Fehler“ bezeichnete, reagierte das Staatsfernsehen mit der Ausgrabung einer Rede aus dem Jahr 1993, um ihn wieder in die orthodoxe Position zurückzuversetzen. Die dahinterstehende Botschaft war offensichtlich: Die heutige Opposition sollte durch die Wiederholung gestriger Loyalität delegitimiert werden. Der Bericht erschien am 4. November 2025.

Unterdessen kritisierte Gholamhossein Karbaschi (ehemaliger Bürgermeister von Teheran) den repressiven Kurs bei der Durchsetzung der Hijab-Pflicht als strategisch kontraproduktiv – „selbst acht Millionen Vollstrecker wären wirkungslos“ – und bemängelte die Finanzmittel für Institutionen des Kulturkampfes. Er bezeichnete diese Maßnahmen als im Widerspruch zu den Vorgaben des Obersten Nationalen Sicherheitsrats stehend. Das Interview, das am 23. Oktober 2025 veröffentlicht wurde, verdeutlicht, wie Persönlichkeiten mit Verbindungen zum Regime die Prioritäten der Zentralregierung nun als Bedrohung für die Stabilität des Systems selbst darstellen.

Mahmoud Ahmadinejad bleibt derweil zwar im System, unterliegt aber keinem Gehorsam: ein ehemaliger Präsident mit Fraktionsnetzwerken und ungelösten Fällen, unmöglich zu säubern, aber auch unmöglich zu vertrauen – ein weiterer unberechenbarer Akteur im Machtkampf um die Nachfolge.

Warum es diesmal anders ist

Die Justiz fungiert weiterhin als Vollstreckungsorgan des Führers und signalisiert allen Fraktionen, dass Kritik – selbst für Insider – strafrechtlich verfolgt wird. Sie ist weniger eine Institution der Rechtsprechung als vielmehr ein Mechanismus zur Aufrechterhaltung des internen Gehorsams.

Khamenei hat einen hohen Preis dafür gezahlt, die Machtmaschinerie am Laufen zu halten: Pezeshkian und Larijani sitzen nun am Steuer, obwohl sie vom Paydari-Block und Teilen der den Revolutionsgarden treu ergebenen Medien zutiefst verachtet werden. Für Teile seiner eigenen Anhängerschaft gelten beide als symbolische Niederlagen. Doch dies ist der Preis, den der Führer nun zahlt, um einen offenen Aufstand einzelner Fraktionen zu verhindern. Larijanis öffentliche Warnung, dass „einige Älteste die Tragweite der Situation nicht verstehen“, zeigt, dass selbst dieser Balanceakt an Bedeutung verliert.

Alle Signale aus dem Systeminneren deuten in dieselbe Richtung: Hochrangige Akteure gehen nun davon aus, dass Khameneis Doktrin gescheitert ist – gescheitert bei der Konsolidierung eines geeinten Herrschaftsblocks, gescheitert bei der Umwandlung regionaler Stellvertreterinvestitionen in dauerhafte Macht und gescheitert bei der Sicherung einer nuklearen Präsenz, die das Überleben garantiert. Das Ergebnis ist kein strategischer Neustart, sondern ein Wettlauf um die Positionierung in einer Weltordnung nach Khamenei.