Wednesday, November 30, 2022
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Irak und Afghanistan: Iran soll Waffen an US-Gegner geliefert haben

Hat Iran Aufständische im Irak und in Afghanistan mit Waffen versorgt? Das berichtet das “Wall Street Journal” unter Berufung auf hochrangige US-Beamte.
Spiegel Online – Hamburg – Die iranischen Revolutionsgarden haben offenbar in den vergangenen Monaten neue Waffen in den Irak und nach Afghanistan geliefert. Das berichtet das “Wall Street Journal” (“WSJ”) unter Berufung auf hochrangige US-Beamte.

Ziel der Aktion sei es gewesen, den Rückzug der amerikanischen Truppen aus beiden Ländern zu beschleunigen. Die Revolutionsgarden sind die iranische Elite-Militäreinheit, deren wichtigste Aufgabe der Schutz des Regimes in Teheran ist.
Offenbar hat Iran an seine verbündeten Milizen im Irak Geschosse geschmuggelt, mit denen bereits US-Soldaten getötet wurden. Im Juni kamen 15 Amerikaner im Irak ums Leben – so viele binnen eines Monats wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Die USA führten die Angriffe auf schiitische Milizen zurück, die nach Meinung der Regierung eher von den iranischen Revolutionsgarden als von al-Qaida oder sunnitischen Gruppen ausgebildet wurden.
Außerdem soll Iran die Taliban in Afghanistan mit Langstreckenraketen beliefert haben. Mit diesen seien die Aufständischen in der Lage, die ausländischen Truppen aus einer sichereren Distanz zu attackieren, schreibt das “WSJ”. Allerdings gehen die USA nach Angaben der Zeitung davon aus, dass die iranische Beteiligung in Afghanistan deutlich geringer ist als im Irak.
“Sie wollen, dass wir gehen”
Sollte der Bericht über die Waffenlieferungen stimmen, würde dies den Kampf um Einfluss im Nahen Osten und auch in Nordafrika verschärfen. Dieser wird seit längerem zwischen den USA und Iran ausgefochten – bislang ohne Ergebnis. Nach Angaben von US-Beamten, die vom “WSJ” zitiert werden, hat Iran in den vergangenen Monaten seine Geheimdienst- und Propagandaaktivitäten in Ägypten, Bahrain und Jemen verstärkt – alles Länder, in denen pro-amerikanische Regierungschefs gestürzt oder zumindest unter starken Druck gerieten.
Allerdings hat die US-Regierung nicht nur mit den Folgen der Umbrüche in Nordafrika zu kämpfen. Präsident Barack Obama muss auch den Abzug der letzten Truppen aus dem Irak und die Reduzierung der US-Kontingente in Afghanistan organisieren. Beide Kriege sind in den USA äußerst unbeliebt – und verschlingen gigantische Geldbeträge. Im kommenden Jahr stehen Präsidentschaftswahlen an, bei denen Obama um seine Wiederwahl fürchten muss.
Iran versucht offenbar, aus der unübersichtlichen Lage und den Problemen der USA Kapital zu schlagen – indem das Land versucht, die Truppenabzüge zu beschleunigen und für die Amerikaner so schmerzhaft wie möglich zu gestalten. So sagte etwa James Buchanan, Sprecher der US-Truppen im Irak laut “WSJ”: “Ich glaube, dass uns die von Iran unterstützten Gruppen weiterhin stark attackieren werden.” Und im Hinblick auf die iranische Rolle in Afghanistan wird ein US-Beamter wie folgt zitiert: “Sie unterstützen die Taliban, weil sie uns hier raushaben wollen.”
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URL: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,771963,00.html