Friday, December 9, 2022
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„Iran bildet Iraker für Einsätze in Syrien aus“

Oppositionelle Volksmudschahedin: Lager für schiitische Milizionäre in Teheran

Her. FRANKFURT, 1. August. Frankfurter Allgemeine Zeitung – Die Führung in Teheran unterstützt nach Angaben der iranischen Opposition das syrische Regime von Präsident Baschar al Assad auch, indem es schiitische Milizen aus dem Irak rekrutiert und ausbildet.

In Syrien kämpften gegenwärtig drei schiitische Milizen, die zuvor in Iran auf ihre Mission vorbereitet worden seien, berichtete der Nationale Widerstandsrat Iran (NWRI), die politische Organisation der oppositionellen Volksmudschahedin. Das sei nur die „Spitze des Eisbergs der Aktivitäten des Mullah-Regimes” im Irak und in der Region, um Assad an der Macht zu halten, sagte der Sprecher des NWRI in Paris, Shahin Gobadi, dieser Zeitung. Der NWRI hatte in der Vergangenheit wichtige geheim gehaltene Atomanlagen Irans aufgedeckt und publik gemacht.

Nach den Erkenntnissen des NWRI hat seit dem Beginn des Jahres 2013 und vor allem in den vergangenen Monaten die Zahl der Iraker, die über Iran nach Syrien gelangen, zugenommen. Damit kämpfen auf der Seite der regimetreuen syrischen Truppen iranische Revolutionswächter (Pasdaran), die libanesische Hizbullah und zunehmend Iraker. Gobadi schätzt die Zahl der Iraker auf 1500. Selbst im Jemen rekrutiere Iran Kämpfer, teilte der NRWI mit. Im Irak werben die Pasdaran demnach Kämpfer aus den Reihen dreier Milizen für Einsätze in Syrien: Die Milizen „Asaib al Haq” und “Kataib Hizbullah” sind beide mit der Qods-Eliteeinheit der Pasdaran für internationale Einsätze verbunden. Die dritte wird unter dem Namen „Sheikh Akram Kabi” geführt.

Der NWRI beruft sich auf Quellen innerhalb der Pasdaran, des Generalstabs und des Verteidigungsministeriums. Demnach erhält jeder Iraker, der von der Miliz Kataib al Haq für Syrien angeheuert wird, für seine Familie 1300 Dollar. Die Rekruten sammelten sich in der südirakischen Hafenstadt Basra, von wo sie über die Grenzstation Schalamtscheh in die iranische Provinzhauptstadt Ahwaz gelangen. Einige würden für ihren Einsatz dort ausgebildet, die meisten nach Teheran geschickt. In Gruppen von 60 bis 80 Mann werden sie demnach in Bussen erst in die den Schiiten heilige Pilgerstadt Qom gebracht, im Anschluss besuchen sie das südlich von Teheran gelegene Mausoleum des Revolutionsführers Chomenei. Von dort geht es weiter in das Ausbildungslager „Saheb-e Zaman” der Pasdaran, das im Norden Teherans liegt. In dem Lager, das nach einem früheren Kommandeur der Pasdaran auch Pazouki genannt wird, würden die meisten Iraker ausgebildet, die im syrischen Bürgerkrieg kämpfen sollen, berichtete der NWRI.

Mitglieder der Eliteeinheit Qods unter Führung eines “Abu Yunus” genannten Offiziers bereiten demnach die irakischen Milizionäre in einem zweiwöchigen Lehrgang auf Syrien vor. Sie werden mit Uniformen, Ausrüstungen und Waffen ausgestattet. Die Ausbildung findet am Sturmgewehr, Maschinengewehr und Scharfschützengewehr statt sowie an Granatwerfern und Panzerfäusten. Sie umfasst den Umgang mit Sprengstoffen und selbstgebauten Sprengfallen. Geübt würden ferner Häuserkampf und nächtliche Angriffe. Nach Abschluss der Ausbildung werden die irakischen Kämpfer nach Angaben des NWRI mit gefälschten Identitäten und Papieren ausgestattet und in kleinen Gruppen. in Nachtflügen nach Damaskus gebracht. In Haram al Awamid südlich von Damaskus werden sie zunächst in einem Lager untergebracht, das von der Miliz Asaib al Haq geführt wird. Seit dem Frühjahr befinden sich nach den Erkenntnissen des NWRI 90 Prozent der irakischen Milizangehörigen von Asaib al Haq in Syrien. Die letzte Gruppe von Kämpfern soll in der zweiten Junihälfte eingetroffen sein. Gewöhnlich hält sich eine Gruppe von Kämpfern bis zu acht Wochen in Syrien auf, sie wird dann ersetzt, aber bald danach wieder nach Syrien entsandt.

Nach den Worten von NWRI-Sprecher Gobadi setzt Iran alle Ressourcen ein, um Assad an der Macht zu halten — Kommandeure und Soldaten der Pasdaran, militärische Ausrüstung, auch Fmanzhilfen wie eine Kredit von 3,6 Milliarden Dollar, um Erdöl zu kaufen: Gobadi verwies auf eine Rede, die der schiitische Theologe Mandi Taeb, der zum inneren Kreis um Revoluti-onsführer All Chamenei gehört, am 14. Februar 2013 in Teheran vor Mitgliedern der Freiwilligenmiliz der Bassidschjehalten hat. Taeb soll gesagt haben, das Überleben der Islamischen Republik hänge vom Überleben des syrischen Regimes ab. “Verlieren wir Syrien, können wir Teheran nicht halten”, wird Taeb zitiert.