Start Blog Seite 334

Mehrere Tausend Exil-Iraner demonstrieren am Brandenburger Tor
RBB24 – 10. Juli 2021 / Mehrere Tausend Menschen haben am Brandenburger Tor für einen politischen Wandel im Iran demonstriert. Die Teilnehmer forderten unter anderem die Abschaffung der Todesstrafe und richteten auch einen Appell an die deutsche Bundesregierung.
Tausende Exil-Iraner haben am Samstag vor dem Brandenburger Tor in Berlin für Menschenrechte in ihrer Heimat demonstriert. Aufgerufen zu der Kundgebung waren Landsleute aus ganz Deutschland, teilten die Veranstalter mit. Sie wollten Deutschland und die Europäische Union zu einer entschlossenen Politik gegenüber dem iranischen Regime auffordern.

Weltweite Protestaktion gegen iranische Führung
Zu den Forderungen der Protestierenden gehörten unter anderem die Abschaffung der Todesstrafe und die Freilassung politischer Gefangener im Iran. Unter den Inhaftierten seien auch viele gefangene Demonstranten, die im Iran für Menschenrechte auf die Straße gegangen seien. Kritisiert wird auch die vor Kurzem abgehaltene Präsidentschaftswahl in Iran, die von vielen Menschen im Land aufgrund der vorausgewählten Kandidaten boykottiert worden war.

Das Regime im Iran lasse sich von der deutschen Bundesregierung nicht beschwichtigen, sagte der Student Hanif Mahoutchian, der für den Protest aus Hamburg nach Berlin gereist war. “Wir fordern, dass diese Menschen vor den Internationalen Gerichtshof gezogen werden”, so Mahoutchian.
Die Kundgebung in Berlin ist nach Angaben der Organisatoren Teil des Weltgipfels “Free Iran 2021”. Dabei wollten bis zum 12. Juli internationale Unterstützer aus 105 Ländern an vielen Orten der Welt teilnehmen. Wegen der Pandemie finde der Gipfel größtenteils online statt.

Javad Dabiran vom Nationalen Widerstandsrat Iran (NWRI) teilte kurz vor Beginn des Protests auf Twitter mit: Die “iranische Diaspora organisiert historische Online-Veranstaltung zur Förderung von Demokratie und Gerechtigkeit im #Iran”.

8000 Teilnehmer an der Kundgebung in Berlin im Rahmen des Free Iran World Summit 2021

Aufruf zur strafrechtlichen Verfolgung der Anführer des iranischen Regimes, einschließlich Raisi – Aufruf zum Boykott des Mullah-Regimes unter der Präsidentschaft von Raisi
Trotz der Coronavirus-Beschränkungen kamen am Samstag, 10. Juli, 8000 Menschen aus ganz Deutschland am Brandenburger Tor in Berlin zu der Free-Iran-Großkundgebung zusammen. Demonstrationsteilnehmer riefen dazu auf, das Oberhaupt des iranischen Regimes und konkret seine Führer Ali Khamenei und den designierten Präsident Ebrahim Raisi zur Rechenschaft zu ziehen. Die Iraner forderten umfassende Sanktionen gegen ein Regime, dessen Präsident Raisi ist, dem nachweislich Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen werden.


Die Demonstranten forderten die Abschaffung der Todesstrafe und die Freilassung politischer Gefangener, insbesondere tausender inhaftierter Demonstranten, und bekundeten ihre Solidarität mit den Volksaufständen.
Iraner waren mit über 100 Bussen sowie Hunderten von Personenkraftwagen aus ganz Deutschland nach Berlin gekommen. Die Polizei hatte die Straße vom 17. Juni in Berlin-Mitte für das Parken von Bussen gesperrt. Iraner starteten nach der Auftaktkundgebung eine Großdemonstration durch das Regierungsviertel.
Die Berliner Großkundgebung war Teil des Free Iran World Summit 2021. Die Teilnehmer waren online von 50.000 Standorten in 105 Ländern zu dem Gipfel zugeschaltet. Die Teilnehmer von Sydney bis Hawaii mit einem Zeitunterschied von 20 Stunden schließen sich online Tausenden von Mitgliedern der Organisation der Volksmudschahedin Iran (PMIO/MEK) in Ashraf 3 in Albanien an.


Neben Berlin nahmen Iraner an Kundgebungen in 16 Haupt- und Großstädten, darunter Paris, Washington, London, Amsterdam, Stockholm, Oslo, Wien, Rom und Genf, live am Iran-Gipfel teil. An manchen Orten, wie zum Beispiel in Berlin, wurde der Weltgipfel auf großen LED-Bildschirmen übertragen.
Auch Maryam Rajavi, die Präsidentin des Nationalen Widerstandsrates der iranischen Opposition, sprach live per Videoschaltung zu den Demonstranten in Berlin.
Zu den weiteren Rednern am Brandenburger Tor gehörten: persönlich erschienen: Martin Patzelt (MdB), Klaus-Dieter Gröhler (MdB), Deutschlandvertreterin des Nationalen Widerstandsrates Iran, Leo Dautzenberg (DSFI-Vorstand und MdB a.D.), Katrin Bornmüller (IGFM-Ehrenvorsitzende), Andreas Statzkowski (MdA, ehem. Staatssekretär). Videobotschaften kamen u.a. von: Prof. Rita Süssmuth (Bundestagspräsidentin a.D.), Katharina Landgraf (MdB), Prof. Heribert Hirte (MdB), Fritz Felgentreu (MdB), Susanne Menge (MdL-Niedersachsen), Dr. Tim Ostermann (MdB) und Rudolf Henke (MdB).
Digitale Konferenz mit Matteo Renzi und Guy Verhofstadt: Begleitet wurden die Demonstrationen von einem digitalen internationalen Iran-Kongress, an dem auch 30 Mitglieder des US-Senats und des Repräsentantenhauses, 12 ehemalige Premierminister und Präsidenten, 70 ehemalige Minister aus Europa, Nordamerika und dem Nahen Osten sowie mehr als 250 Parlamentarier aus Europa, Kanada und islamischen Ländern teilnahmen. So gehörten der ehemalige italienische Ministerpräsident Matteo Renzi und der belgische Ex-Premier Guy Verhofstadt zu den Teilnehmern.


Hintergrund sind die Präsidentenwahlen im Iran: Hintergrund der Proteste ist die Wahlfarce im Iran am 18. Juni, aus denen der Blutrichter Ebrahim Raisi als neuer Staatspräsident hervorging. Die Opposition macht ihn für ein Massaker an 30.000 politischen Gefangenen im Sommer 1988 im Iran mitverantwortlich. Auch der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte im Iran, Javid Rehman, hatte jüngst den Wahlverlauf kritisiert und eine unabhängige Untersuchung der Vorgänge im Sommer 1988 gefordert.

Der Weltgipfel Free Iran 2021 hebt historische Ära im Iran hervor


Archivfoto: Versammlung Freier Iran in Berlin 2018

Der kommende Samstag markiert den Beginn eines dreitägigen Weltgipfels Freier Iran, um für eine entschiedenere globale Politik gegenüber dem iranischen Regime zu werben, damit auch für eine Politik, die eine große und wachsende Bewegung für zivilen Protest unterstützt. Der „Weltgipfel Free Iran“ wird iranische Gemeinschaften von Expatriierten in der ganzen Welt zusammenschließen. Laut den Organisatoren der Veranstaltung werden mehr als 30 000 Orte mit Ashraf 3 verbunden, dem Heim von Mitgliedern der iranischen Opposition der Organisation der Volksmudschahedin des Iran (PMOI/MEK).
Außer den einfachen Teilnehmern werden 1000 politische Würdenträger, darunter 250 Abgeordnete aus europäischen Ländern, dem Mittleren Osten und Kanada sowie 30 US Senatoren und Mitglieder des US Repräsentantenhauses sich dem Weltgipfel Free Iran anschließen.
Dieser Gipfel wird weniger als einen Monat nach den letzten Scheinpräsidentenwahlen stattfinden, und wenn die derzeitigen Trends andauern, wird er eng zusammenfallen mit großen Demonstrationen von Arbeitern und einfachen Bürgern innerhalb des Iran. Diese Proteste sind eine Fortsetzung des Aktivismus, der während der Scheinwahlen auf dem Schirm stand in der Form koordinierter Nichtteilnahme an dem strikt kontrollierten politischen Prozess. Der neue Präsident des Regimes Ebrahim Raisi war in dem Rennen in Wahrheit ohne Gegenspieler, nachdem er vom Obersten Führer des Regimes Ali Khamenei zur einzig akzeptablen Wahl bestimmt worden ist und das letzte Instrument für Khameneis Bemühen um die Konsolidierung der Macht darstellt.

Wer ist Ebrahim Raisi, ein Kandidat bei der Präsidentenwahl im Iran und ein Henker beim Massaker 1988?

Das Projekt ist in den letzten Jahren entstanden, als das Kleriker Regime sich beispiellosen Bedrohungen sowohl von heimischen als auch von internationalen Quellen gegenüber sah. Abgesehen von den offensichtlichen Herausforderungen durch die Wirtschaftssanktionen und die gleichzeitige diplomatische Isolation hatte Teheran sich damit auseinanderzusetzen, dass die prodemokratische Widerstandsbewegung an Fahrt gewann bis zu dem Punkt, dass sie die staatliche Propaganda überholte, die ihr die bloße Existenz absprach. Im Januar 2018 hielt Khamenei eine Rede, in der er widerwillig den sozialen Einfluss und die organisatorische Stärke der PMOI anerkannte. Diese Äußerungen waren notwendig geworden durch den landesweiten Aufstand, der damals im Gang war und der provokative Slogans wie „Tod dem Diktator“ voll in den Mainstream brachte.
Diese Botschaft schuf die Voraussetzungen für zahllose lose miteinander verbundene Proteste im Rest von 2018 und dann letztlich für einen anderen größeren landesweiten Aufstand im November 2019. Die kollektive Zurückweisung beider politischer Fraktionen fand auch ihren Ausdruck im Boykott der Präsidentenwahlen im vergangenen Monat und ebenso zuvor in einem ähnlichen Boykott der Parlamentswahlen im Februar 2020.

Die MEK hält ein aktives Netz innerhalb des Iran aufrecht und sie hat Berichte von 1200 Journalisten in mehr als 400 Städten zitiert. Um die Schlussfolgerung zu unterstützen, dass weniger als einer von zehn wahlberechtigten Iranern am 18. Juni seine Stimme abgab. Die Streiks von Arbeitern in der petrochemischen Industrie gingen schon am Tag nach den Wahlen los und es folgten kurz danach andere große Proteste, die die Auffassung bestärkten, dass die Iraner keine Aussicht auf eine Lösung ihrer zahlreichen Probleme unter der Raisi Administration sehen.

Wahl im Iran 2021: Leere Wahllokale im ganzen Land (Zusammenstellung Bd.1)

Der Weltgipfel Free Iran wird die neuesten Entwicklungen im Iran behandeln. Die wichtigste dieser Entwicklungen ist ein Anwachsen der gewaltsamen Unterdrückung von Dissens. Raisi hatte ja wirklich schon seine starke Neigung zu dieser Form des Handelns, als er seine letzte Position als Chef der Justiz innehatte.
In dieser Eigenschaft hatte Raisi die Oberaufsicht über einen Höhepunkt in der schon weltweit führenden Rate der Hinrichtungen, wo die Todesstrafe auf Personen ausgedehnt wird, die für geringfügige Verbrechen wie den Konsum von Alkohol angeklagt sind. Andere Formen der autoritären Tötung beschleunigten sich auch unter Raisi, besonders nach dem Ausbruch des Novemberaufstands 2019. Der Oberste Führer leitete das Regime an, diesen Aufstand sogar noch stärker zu bekämpfen als seinen Vorläufer und die Revolutionsgarden antworteten sofort mit dem Feuer auf die Menge, wobei sie 1500 friedliche Protestler töteten. Noch Monate später tauchten Berichte aus iranischen Gefängnissen auf, wo es um Folter an Menschen ging, die wie Tausende andere bei den Unruhen verhaftet worden waren.
Proteste im Iran: Landesweiter Aufstand im Iran- November 2019

Die politische Gewalt hat jedoch den öffentlichen Aktivismus nicht daran gehindert, wieder aufzuflammen. Im Januar 2020 haben nach dem Raketenschlag des IRGC, der ein kommerzielles Linienflugzeug bei Teheran zum Absturz brachte, studentische Aktivisten und andere Gruppen einmal mehr koordinierte Proteste in Gang gesetzt, die mindestens ein Dutzend verschiedene Provinzen erfassten. Auch hier wieder hob die Botschaft der Proteste auf einen ausdrücklichen Ruf nach einem Regimewechsel ab. Und bald danach wurde diese Botschaft zur treibenden Kraft hinter den Bemühungen der MEK, für Wahlboykotts zu werben. Im ganzen Iran verfassten die „Widerstandseinheiten“, ein Teil der Gruppe, Graffitis, brachten Poster an und hielten illegale öffentliche Demonstrationen ab mit der Aussage, dass eine Nichtteilnahme am politischen Prozess ein Mittel sein, um „für den Regimewechsel zu stimmen“.


Noch bevor unabhängige Journalisten über leere Wahllokale am 18. Juni berichteten, wurde der Erfolg dieses Appells deutlich an verschiedenen öffentlichen Formen des Rückhalts für die Boykottbewegung. Informelle Gewerkschaften, verarmte Rentner, Opfer von Investmentstrategien der Regierung und andere haben ihre eigenen Proteste veranstaltet in den Wochen, die der Wahl vorausgingen und in den meisten Fällen waren ihre jeweils problemspezifischen Slogans von Erklärungen wie „Wir haben keine Gerechtigkeit gesehen; wir werden niemals wieder wählen gehen“ begleitet.
Der Weltgipfel Free Iran wird als ein Ort für eine fortgeschrittene Diskussion westlicher Politik gegenüber dem iranischen Regime dienen. Er liefert der internationalen Gemeinschaft die lebenswichtige Einsicht in die Mängel des derzeitigen Ansatzes und zugleich die Bedeutsamkeit, sich Teheran entgegenzustellen und der Widerstandsbewegung Unterstützung zu zeigen am unmittelbaren Beginn der Raisi Ära.

Mit Präsidentschaftswahlen und neuen Gesetzen erweitert Iran das Durchgreifen gegen abweichende Meinungen

Truppen des IRGC in einem iranischen Gefängnis (Archivfoto)

Das iranische Regime befindet sich kurz vor der Annahme eines Gesetzes, das seine jetzt schon gewaltige Fähigkeit, den Dissens zu unterdrücken, noch weiter verstärken wird. Am 8. Juni verabschiedete das Parlament einen Gesetzentwurf, demzufolge die „Zusammenarbeit mit Feindstaaten“ – ein Vorwurf, der oft gegen engagierte Personen erhoben wird, die das herrschende System herausfordern – mit der Todesstrafe belegt werden kann. Außerdem stellt der Entwurf das Filmen und Fotografieren verbrecherischer Szenen und aller Arten von Vorfällen unter Strafe, die zum Tode oder zu schwerer Verletzung von Menschen führen.

Die Verabschiedung des Entwurfs ging der Wahl des iranischen Präsidenten um zehn Tage voraus; sie geschah in einer Zeit, in der in bezug auf deren Ergebnis kaum Zweifel bestanden. Am 18. Juni wurde bestätigt: Der nächste Präsident des Regimes wird der derzeitige Leiter der Justiz, Ebrahim Raisi, sein, dessen Menschenrechtsverletzungen wohl bekannt sind. Der bevorstehende Erlaß des Gesetzes kann daher als eine bedeutende Maßnahme gelten – ergriffen zu dem Zweck, die brutale Erbschaft Raisis zu erhalten.

Im Jahre 1988 war Raisi der stellvertretende öffentliche Ankläger Teherans. Im Sommer desselben Jahres verlieh man ihm einen Sitz in der „Todeskommission“, die für die Ausführung einer gegen die Mojahedin-e Khalq (MEK) gerichteten Fatwa in der Hauptstadt des Landes verantwortlich war. In dieser Funktion wurde er rasch zu einem der Akteure des Massakers, das am Ende im ganzen Lande mehr als 30 000 Menschen kostete. Darnach behauptete er oft seine Position als einer der wichtigsten Befürworter der Körperstrafe, der Todesstrafe, des Massakers und der Forderung des Höchsten Führers dessen Hauptfeind: die Organisation der Volksmojahedin des Iran (PMOI/MEK) ohne Gnade zu behandeln.

Die Vereinten Nationen müssen das Massaker von 1988 untersuchen

Diese Forderung wurde oft durch Verfolgung bekannter Mitglieder der MEK bzw. solcher Personen, die der Mitgliedschaft in ihr verdächtigt wurden, sowie ihrer Verwandten beantwortet – aufgrund vage definierter Kapitalverbrechen wie „der Verbreitung des Verderbens auf Erden“.

Sowohl dieser kriminelle Tatbestand als auch die ihm zu Grunde liegende Definition sieht auf eine lange Geschichte ihrer Verfolgung zurück – willkürlich angewandt zu Zwecken der Propaganda und zur Rechtfertigung schärfster Urteile. Nach dem neuen Gesetz wird diese Verfolgung zunehmen, um die Kontrolle zu rechtfertigen, die das Regime auf die öffentlichen Erzählungen von regimekritischen Tätigkeiten ausübt – jenen Tätigkeiten, die das soziale Leben des Iran während der vergangenen drei oder vier Jahre geprägt haben.

Wer ist Ebrahim Raisi – Kandidat bei der Wahl des iranischen Präsidenten und Henker während des Massakers von 1988

Im Dezember 2017 und Januar 2018 nahmen Bewohner von mehr als 100 Städten des Iran an gleichzeitigen Demonstrationen teil; sie forderten das herrschende System heraus und verbreiteten provozierende Slogans wie diesen: „Tod dem Diktator“. Im November 2019 verbreiteten sich diese Slogans auf noch mehr Ortschaften und führten zu einer der schärfsten Unterdrückungen des Dissensus der letzten Jahrzehnte. Doch nach nur zwei Monaten begaben sich die Iraner erneut auf die Straße – in etwa der Hälfte der 31 Provinzen des Landes; sie protestierten gegen die Repression und verurteilten die Art, wie das Regime den Abschuß eines ausländischen Flugzeugs bei Teheran zu vertuschen versucht hatte.

Im Februar 2020 und erneut im vorigen Monat fand das verbreitete Unbehagen an der Regierung in Form von Wahlboycotten eine weitere Äußerung – zunächst dem der Präsidentenwahl und darnach dem des Wettrennens um das Präsidentenamt (?), das wenig mehr darstellte als die Krönung des Leiters der Justiz, der während der Repression von November 2019 den Mord an 1500 Demonstranten und die Verhaftung von weiteren 12 000 beaufsichtigt hatte.


In jedem dieser Fälle unternahmen die leitenden Funktionäre des Regimes, darunter der Höchste Führer, Ali Khamenei, den Versuch, dem politischen Engagement der Bürger dadurch die Legitimität zu entziehen, daß sie behaupten, es stamme von unbestimmter Einflußnahme seitens der Vereinigten Staaten und anderer westlicher Länder. Doch im Falle des ersten Aufstandes erkannte Khamenei an, daß die MEK bei der Planung und Förderung der Demonstrationen die Hauptrolle gespielt hatten. Das war notwendig, um die Überschneidung zwischen der Botschaft des Aufstandes – der Forderung des Wandels des Regimes – und dem schon betagten Programm der MEK zu erklären.

Gleichviel ob das neue Gesetz, wenn Raisi im August sein Amt antritt, in Kraft schon gelten wird oder nicht – die internationale Gemeinschaft sollte von ihm erwarten, daß er auf Fälle des öffentlichen Dissenses die Todesstrafe großzügiger anwenden wird, und dies ohne anzuerkennen, daß dem Dissens eine im Lande organisierte Bewegung zu Grunde liegt. Doch es bleibt abzuwarten, ob die neue Regierung wirklich in der Lage sein wird, in die Zeit zurückzukehren, als die offiziellen Warnungen vor dem zunehmenden gesellschaftlichen Einfluß und der organisatorischen Kraft der MEK noch nicht ausgesprochen worden waren. Dabei hat die öffentliche Anerkennung dieser Kraft auf das Maß der anhaltenden Unruhe schon ihre Wirkung ausgeübt.

Gleichviel welche Maßnahmen das Parlament des Iran nun ergreifen wird – internationaler Druck wird um so notwendiger, wenn Raisi, den die jüngsten Demonstrationen als „Henker von 1988“ bezeichneten, das Amt des Präsidenten antritt. Der NWRI vertraut darauf, daß die Unruhe des Volkes das Land in die Richtung eines Regimewandels führen wird; doch er verhält sich nicht unwissend naiv zu der Erwartung, daß die neue Regierung sich zum Volk noch gewalttätiger verhalten wird, als die scheidende Regierung es im Jahre 2019 getan hat.

Die Wahl im Iran 2021: Leere Wahllokale überall im Lande (1. Teil der Sammlung)

Die folgenden Demonstrationen und Wahlboycotte machten klar: Das iranische Volk und die organisierte Widerstandsbewegung werden durch solche Gewalttätigkeit nicht eingeschüchtert werden. Doch das ist natürlich kein Grund für die Westmächte, die Möglichkeit von Todesfällen zu ignorieren. Der Westen kann durch Ermittlung der Verbrechen des gewählten iranischen Präsidenten und anderer Funktionäre und dadurch, daß er sie mit Sanktionen belegt und auf internationaler Verfolgung dieser Verbrechen besteht, über die möglichen Folgen einer Verstärkung der Repression Teheran eine klare Botschaft senden.

 

 

 

 

Staatliche Medien: Das Regime im Iran profitiert mit 500 Mio. $ von den derzeitigen Stromausfällen


Dutzende iranische Provinzen erleben gerade ausgedehnte Stromausfälle an heißen Sommertagen und mitten im Ausbruch von Covid-19. In den letzten Tagen haben staatliche Medien des Regimes zugegeben, dass Regimeobere von dieser Situation profitieren und dass sie sie geschaffen haben.
Mohammad Hassan Motavilizadeh, Vorstandvorsitzender von Tavanir, erklärte, dass die Situation demnächst ein „Notstand“ sein werde und dass das persische Jahr 1400 „in vieler Hinsicht ein Ausnahmejahr“ sei.
Das Parlament des Regimes versucht, einen Gewinn von 500 Mio. $ mit Kryptowährungen zu erzielen mitten in einem extensiven Blackout. Daneben exportiert das Regime weiterhin Strom in Nachbarländer.
„Gestern Mittag, an einem der heißesten Sommertage, haben viele Teile der Hauptstadt Stromausfälle erlebt. Während sich in Teheran die Bürger über den Stromausfall beklagten, deuten Nachrichten darauf hin, dass auch andere Teile des Landes Stromausfälle erlebten”, schrieb die staatliche Tageszeitung Hamdeli („Sympathie“) am Montag, dem 5. Juli 2021.
„Gestern gab es einen Stromausfall in Teheran und zugleich gab es einen kompletten Blackout für mehrere Stunden am Samstag abend“, fügt Hamdeli hinzu.
Wie die iranischen Behörden den Reichtum des Volkes stehlen

„Dabei ist am bemerkenswertesten für die Öffentlichkeit der ausgedehnte Blackout durch das Energieministerium in verschiedenen Teilen des Landes direkt nach den Wahlen. In den letzten Stunden des Samstag waren viele Gebiete in Teheran und Alborz ohne Elektrizität und dieser Stromausfall ereignete sich vollständig außer der Reihe, was die Rücksichtslosigkeit des Energieministeriums zeigt“, schreibt die Tageszeitung Hamdeli.
„Noch bemerkenswerter ist jedoch der neue parlamentarische Plan, 500 Mio. $ durch Kryptowährungen zu bekommen, was zeigt, dass die Geschichte gerade angefangen hat und dass die Krise in den kommenden Jahren weitergehen wird“, räumte die Tageszeitung Hamdeli ein.
Vor wenigen Tagen bereitete der Wirtschaftsausschuss des Parlaments ein Gesetz mit der Bezeichnung „Unterstützung der Gewinnung von Kryptowährungen und die Organisation des internen Tauschmarkts damit“ vor.
Nach diesem Plan wird das Ministerium für Industrie, Bergbau und Handel verantwortlich sein für die Ausgabe von Lizenzen für Farmen des „Mining“ von Kryptowährung [der Erzeugung der Währung mit großem Aufwand an Rechnerleistung]. In Zusammenarbeit mit den Ministerien für Wirtschaft, Öl, Energie und Kommunikation werden die Farmen für das Mining von Kryptowährungen des Landes in Gang gesetzt, um „jährliche Einkünfte von 500 Mio. $ im Jahr 1401 zu generieren“.


„Die Elektrizitätsindustrie gerät unter Druck wegen der illegalen Extraktion digitaler Währungen, die sehr viel Strom benötigt“, zitierte Hamdeli die Äußerung eines Sprechers der Industrie der Regierung von vor einiger Zeit.
„Während die Staatsführung von Kryptowährungen zu profitieren plant, gibt es die schlechten Nachrichten der Blackouts in einigen Teilen des Landes. An den heißesten Tagen des Jahres stehen die südlichen Teile des Landes vor noch mehr Problemen. Ein Teilnehmer an den sozialen Netzen mit Namen Mojtaba schreibt: ‚Am Samstag mit dem heißen und feuchten Wetter von Bushehr hatten wir von 13 bis 16:30 Uhr keinen Strom, aber niemand hört auf uns‘“, so die Tageszeitung Hamdeli weiter.
Es gibt viele Spekulationen über die derzeitige Krise der Stromversorgung im Iran. Aber die Hauptursache ist die Nachlässigkeit des Regimes bei der Befassung mit der beschädigten Infrastruktur in den Kraftwerken, der Export von Strom in benachbarte Länder und das Mining von Kryptowährungen, um die Sanktionen zu umgehen.
„In den letzten Jahren haben Beamte des Energieministeriums kein Geld ausgegeben für die Gewährleistung der Produktion in den Kraftwerken. Wenn sie in diesen Sektor investiert haben, haben sie Projekte ohne jede Expertise umgesetzt. Viele Projekte des Energieministeriums hatten häufige Stromausfälle zur Folge, es gibt keine Elektrizität an den heißesten Tagen des Jahres. Die Ankündigung dieser Projekte sind leere Gesten eines der wichtigsten Ministerien und seiner Abteilungen, weil die Situation jetzt eine andere wäre, wenn Kraftwerksprojekte professionell durchgeführt würden“, schrieb dazu die Tageszeitung Hamdeli am Montag.
Hamdeli räumt ein: „Jetzt ist das Mining von Kryptowährungen ein weiterer Faktor, der die letzten Blackouts beeinflusst hat und manche sagen, der Hauptgrund für diese Krise sei der Export von Strom in Nachbarländer“.

Wie der Reichtum des Iran unter Khamenei & Rouhani verbraucht wird
„Es wird geschätzt, dass der Iran etwa 40 % des Stroms des Irak liefert, und es ist eigentümlich, dass das Energieministerium im vergangenen Sommer verlauten ließ, dass die Exporte nach Afghanistan zunehmen werden“, schreibt Hamdeli.
„Wenn verschiedene Segmente der Gesellschaft es mit Krisen zu tun haben und wenn diese ausgedehnten Blackouts sie aus ihrer normalen Routine herausbringen, wozu sind dann Stromexporte nötig?“ fragt Hamdeli.
„Laut einem Bericht, der von der Teheraner Kammer veröffentlicht und der in einer chinesischen Zeitung zitiert wurde, ist der Iran seit Ende 2018 für die Chinesen der Wendepunkt geworden, was das Mining von Bitcoins anbetrifft“, schrieb die staatliche Website Rahe-Pardakht („Zahlungsweg“) am 9. Juli 2020.
„Die chinesische Farm für Bitcoins in Rafsanjan ist die größte Produktionseinheit für digitale Währung im Iran, es sind darin 54 000 Miner installiert“, gab Majid Fassihi Harandi, der Gouverneur von Rafsanjan, im  Januar 2021 gegenüber der offiziellen Nachrichtenagentur IRNA an.
Außer den verheerenden Wirkungen auf die Geschäfte haben die massiven Blackouts mitten in der Ausweitung der Covid-19 Krise noch mehr Todesfälle zur Folge, weil die Krankenhäuser die Beatmungsgeräte nicht verwenden können.
„Laut Dr. Hamid Emadi, dem Chef der Abteilung für Infektionskrankheiten des Khomeini Krankenhauses, haben in diesen Tagen Stromausfälle bei Patienten mit der Diagnose Covid-19 zu akuten Problemen der Lungenfunktion geführt. Das kommt daher, dass eine der grundlegendsten Behandlungen für diese Patienten die mit der Sauerstoffmaschine sind“, schrieb dazu die Tageszeitung Jahan-e Sanat am 24. Mai.

Die jetzigen massiven Blackouts und die Rolle des Regimes dabei haben den Hass der Bevölkerung gegen es verstärkt. Videos aus Teheran zeigen Menschen, die rufen „Tod dem Diktator“ und „Tod für [Ali] Khamenei“, den Obersten Führer des Regimes.
Die Iraner kennen die Wurzel aller Probleme im Iran. Diese Krisen werden wohl nicht enden, solange das Mullah Regime an der Macht ist. „Die Wahrheit ist, dass die Energiekrise im Iran zum Vorschein gekommen ist. Dies ist ein Stadium, wo mit Händen zu greifende und bedrohliche Realitäten einen gefährlichen physischen und psychischen Schaden für die Infrastruktur und alles, was an Elementen in der Gesellschaft damit zusammenhängt, anrichten können“, warnte die Tageszeitung Farhikhtegan die Amtsträger am 1. Juni.

Berlin: Mehrere Tausend demonstrieren für Freiheit im Iran – Teil des Weltgipfels FREE IRAN 2021


• Zeit: 10. Juli 2021 – Ort: Brandenburger Tor / Platz des 18. März
• Aufruf zu strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Präsidenten der Mullahs, E. Raisi – Keine Zusammenarbeit mit einem Regime, dessen Präsident ein Verbrecher gegen die Menschlichkeit ist
Mehrere tausend Iraner aus dem ganzen Bundesgebiet versammeln sich am Samstag, 10. Juli 2021, am Brandenburger Tor in Berlin, um Deutschland und die Europäische Union zu einer entschlossenen Politik gegenüber dem iranischen Regime aufzufordern, wobei Menschenrechte in deren Zentrum gestellt wird. Sie rufen zu strafrechtlichen Ermittlungen gegen den designierten Präsidenten des Mullah-Regimes – Ebrahim Raisi – wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit auf.
Die Demonstranten fordern die Abschaffung der Todesstrafe und die Freilassung politischer Gefangener, insbesondere tausender inhaftierter Demonstranten, und bekunden ihre Solidarität mit den Volksaufständen.
Die Großkundgebung in Berlin ist Teil des Weltgipfels FREE IRAN 2021. An diesem Tag werden Iraner und ihre internationalen Unterstützer aus 105 Ländern aus zehntausenden Orten an dem Gipfel teilnehmen, der größtenteils online stattfindet. Der globale Gipfel wird live auf riesigen LED-Bildschirmen am Kundgebungsort in Berlin übertragen.
1.029 politische Würdenträger aus Nordamerika, Europa, Australien und islamischen Ländern werden auch an dem Gipfel teilnehmen, der am 10. Juli beginnt und bis zum 12. Juli dauert. Mehrere deutsche und polnische Parlamentsabgeordnete sprechen persönlich in Berlin, viele renommierte internationale Politiker werden live und online zur Kundgebung in Berlin sprechen.


Die Teilnehmer fordern ein Ende der Verantwortungslosigkeit der Teheraner Führung, indem sie jede Interaktion mit einem Regime ablehnen, dessen Präsident ein Verbrecher gegen die Menschlichkeit ist.
Die Botschaft des landesweiten Boykotts der Wahlfarce durch die überwältigende Mehrheit der Stimmberechtigten im Iran und ihr Wille zum Regimewechsel und zur Errichtung einer demokratischen Republik gehören zu den Themen der Veranstaltung.
Tausende von MEK-Mitgliedern in Ashraf 3 in Albanien nehmen an dem Gipfel teil.

Hintergrund:
Am 18. Juni wurde der Blutrichter Ebrahim Raisi bei einer Wahlfarce zum neuen iranischen Präsidenten bestimmt. Er wird für ein Massaker an 30.000 politischen Gefangenen im Sommer 1988 im Iran mitverantwortlich gemacht. Dutzende betroffene Angehörige der Opfer des Blutrichters Raisi werden auch an der Berliner Kundgebung teilnehmen, während sie die Bilder ihrer Liebsten mitführen.

19. Juni 2021: Die Generalsekretärin von Amnesty International, Agnès Callamard: Gegen Ebrahim Raisi muss wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ermittelt werden.

Am 25. Juni hat der Bundestag einen Antrag von Regierungsfraktionen und der Opposition beschlossen, Menschenrechte im Zentrum der Iranpolitik zu stellen. Dieser Auftrag ging an die Bundesregierung.

https://www.bundestag.de/#url=L2Rva3VtZW50ZS90ZXh0YXJjaGl2LzIwMjEva3cyNS1kZS1pcmFucG9saXRpay04NDcwMzQ=&mod=mod493054

29. Juni 2021: Javid Rehman, UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte im Iran, kritisiert Wahlverlauf, fordert eine unabhängige Untersuchung der mutmaßlichen Tötung von Tausenden im Jahr 1988 sowie der Rolle des Mullah-Präsidenten Raisi bei diesem Massaker.
https://www.reuters.com/world/middle-east/exclusive-un-expert-backs-probe-into-irans-1988-killings-raisis-role-2021-06-29/

Wer ist Gholamhossein Mohseni Ejei, der neue Justizchef des Iran?


Gholamhossain-Mohseni-Ejei

Zusammenfassung

Am 19. Juni 2021 endete die vorgespiegelte Präsidentenwahl im Iran. Der Oberste Führer des iranischen Regimes ernannte den Justizchef des Regimes, den berüchtigten Ebrahim Raisi, zum neuen Präsidenten. Wenige Tage nach Raisis Wahl wurde Gholamhossein Mohseni Ejei der neue Justizchef des Regimes.
Ejei ist einer der bösartigsten Figuren des Mullah Regimes und unterliegt Sanktionen in der Europäischen Union und in den Vereinigten Staaten für seine Rolle bei der Unterdrückung der iranischen Bevölkerung. Mit Raisi als Präsident und Ejei als Justizchef bestätigte Khamenei seine Entscheidung, seine Politik der Konsolidierung seines Regimes angesichts einer unruhigen Gesellschaft fortzusetzen und die Unterdrückung zu verstärken, um die Kontrolle über diese explosive Gesellschaft zu behalten.
Wir wollen in diesem Artikel einen Blick auf Ejeis Hintergrund werfen.

Bekannt werden mit Gholam-Hossein Mohseni-Ejei

Mohseni-Ejei wurde 1956 in Ezhiyeh, Isfahan, Iran geboren. Er hat einen Abschluss der Haqqani Schule in Ghom, wo die meisten Spitzenleute des Regimes und Kleriker studiert haben.
Ejei kam in die Nähe des Regimegründers Ruhollah Khomeini und seinesgleichen schon vor der Revolution 1979 durch die angehenden Regimeoberen in der Haqqani Schule,

dem Haqqani Seminar in Ghom.

Nach der Revolution von 1979 lud Ali Ghodussi, einer der verbrecherischsten Amtsinhaber in der Justiz und sogenannter „Generalstaatsanwalt der Islamischen Revolution“, Ejei nach Teheran, wo dieser seine Arbeit im sogenannten islamischen Revolutionsgericht aufnahm.
Wegen seiner Grausamkeit gelangte Ejei bald in Spitzenpositionen im Regime und war jahrelang an Verletzungen der Menschenrechte beteiligt.
In den 1980er Jahren hatte Ejei verschiedene Positionen inne, wie die des Vertreters des revolutionären Anklägers im Ministerium für Nachrichtendienste und Sicherheit (MOIS) und die des Chefs des 3. Zuständigkeitsbereichs des Revolutionsgerichts. Er war auch Chef des Auswahlkomitees des MOIS von 1984 bis 1985.


1986 wurde Ejei der Vertreter des Justizchefs im MOIS und behielt diese Position bis 1988.
Dadurch spielte er eine bedeutende Rolle bei Verhaftungen, Folter und Hinrichtung von Dissidenten und bei der Verhängung von Hinrichtungsbefehlen gegen Tausende politische Gefangene, besonders während des Massakers von 1988 an politischen Gefangenen im Iran.
Um die Hinrichtungen im Iran dauerhaft zu beenden, sollte die Welt die Mullahs für das Massaker 1988 zur Verantwortung ziehen

Der Vertreter des MOIS hatte eine entscheidende Rolle in allen Todeskommissionen inne, er trieb die Kommissionen an, die Zahl der Hinrichtungen zu erhöhen. Sie waren damit die Augen, Ohren und Arme des Henkers. Wie es Montazeri gesagt hatte: „Er [Khomeini] würde verschiedene Berichte von Beamten im Ministerium für Nachrichtendienste bekommen … er würde diese Berichte als göttliche Wahrheiten behandeln“.
In den Memoiren des damaligen Ministers für Nachrichtendienste Mohammadi Reyshahri sind mehrere Briefe zwischen ihm und Khomeini wiedergegeben, die beweisen, dass Khomeini das Ministerium für Nachrichtendienste direkt dazu anleitete, die Verbrechen auszuführen. In seinem Buch gesteht Reyshahri auch die Unterdrückung des inneren Kreises von Montazeri mit den Worten: „Wir belangten ihn für die geringsten Angelegenheiten“.
Als stellvertretender Ankläger des Sondergerichts des Klerus 1995 und als Ankläger des Sondergerichts des Klerus seit 1999 spielte Ejei eine Rolle bei der Verhaftung, der Einweisung ins Gefängnis und der Hinrichtung vieler Abweichler unter den Klerikern im Iran.


In den 1990er Jahren spielte Ejei auch eine bedeutende Rolle bei den sogenannten „Kettentötungen“ an iranischen Intellektuellen und Schriftstellern. Danach wurde er zum Minister für Nachrichtendienste (2005-2009) und Generalankläger (2009-2014) ernannt.
Als Minister für Nachrichtendienste war Ejei einer der hochrangigsten Amtsträger im Mullah Regime und verantwortlich für Hinrichtungen, Tötungen und Folter im Land. In diesem Zeitraum wurde eine große Zahl von Gefangenen hingerichtet in den vielen Folterkammern und Gefängnissen des Regimes.
Bevor er Justizchef des Regimes wurde, war er der erste Stellvertreter in der Justiz und ein Mitglied des Schlichtungsrats.
In einer Pressekonferenz in Teheran am Dienstag, dem 18. Juni 2019, gab Ejei als damaliger erster Stellvertreter des Justizchefs bekannt, dass Khamenei den Grad seiner Autorität erhöht und ihm damit erlaubt habe, Todesurteile zu verkünden.
Nach den Artikeln 477 und 350 des Strafgesetzbuches des iranischen Regimes hat der Oberste Führer den Justizchef autorisiert, Todesurteile und ‚Qisas’ [Vergeltungsurteile] nach dem sogenannten Sharia-Recht zu verhängen, um Straftäter mit der gleichen Tat zu bestrafen, die sie begangen haben. Ejei erklärte damals, dass der erste Stellvertreter des Justizchefs ab sofort die gleiche Befugnis hat und somit Urteile zur Todesstrafe und zu Qisas fällen kann.
In den letzten zweieinhalb Monaten hätten diese Änderungen das Abschließen von mehr als 600 Fällen von Qisas und Hinrichtung beschleunigt, sagte er, wie die staatliche Nachrichtenagentur ISNA berichtet.
Aber Ejei sagte nichts darüber, wie er die Fälle abgeschlossen hat – ob er alle Todes- und Qisas-Urteile bestätigt hat oder nicht. Er nannte diese Maßnahme eine „revolutionären Tat des Dschihad“ von Justizchef Ebrahim Raisi.
Am 13. April 2011 hat die Europäische Union Sanktionen gegen 32 iranische Amtsträger verhängt, darunter gegen Ejei, und wegen der schweren Verletzung von Menschenrechten untersagt, EU-Länder zu betreten.
Am 29. September 2010 hat das US Finanzministerium Ejei Sanktionen auferlegt für das Begehen von schweren Verletzungen der Menschenrechte. Die Erklärung des Ministeriums verwies auf die Beteiligung an der „Unterdrückung von Protesten nach den Wahlen von 2009“. Im Rahmen dieser Sanktionen wurde beschlossen, Gholamhossein Mohseni Ejeis mögliche Guthaben in den Vereinigten Staaten zu beschlagnahmen und ihm das Betreten des Landes zu untersagen, so dass amerikanische Bürger mit ihm auch keine Geschäfte abschließen können.
Schlussfolgerung
Der neue Präsident des Regimes Ebrahim Raisi ist einer der Hauptübeltäter bei dem Massaker von 1988 an 30 000 politischen Gefangenen. Mit Ejei als Justizchef hat das Regime seine Entscheidung dafür bekräftigt, die Zahl der Verletzungen von Menschenrechten zu erhöhen.
Wer ist Ebrahim Raisi, ein Kandidat bei der Präsidentenwahl im Iran und ein Henker beim Massaker 1988?

Sowohl Raisi als auch Ejei unterliegen Sanktionen für ihre Verletzungen der Menschenrechte. Der Aufstieg dieser Verbrecher zu Trägern von Spitzenämtern des Regimes ist Teil der systematischen Straflosigkeit, die sie im Iran genießen. Leider hat die internationale Gemeinschaft dieser systematischen Straflosigkeit Vorschub geleistet. Die internationale Gemeinschaft sollte die Amtsträger des Regimes, hauptsächlich Raisi und Ejei, für ihre dunkle Liste an Verstößen gegen die Menschenrechte zur Verantwortung ziehen.
Diese Verbrecher zur Verantwortung zu ziehen, wäre zum Vorteil für das iranische Volk und die allgemeine Situation der Menschenrechte im Iran.

 

Irans wirtschaftliche Krisen und deren Wirkungen auf die Gesellschaft


Die wirtschaftliche Krise im Iran vertieft sich. Die Menschen haben es mit in den Himmel schießenden Preisen zu tun. In den letzten Tagen haben in der Folge der Schein-Wahl des Regimes staatliche Medien einige Aspekte der wirtschaftlichen Krise und der Rolle des Regimes bei deren Hervorbringung und Verschlimmerung eingeräumt.
Staatliche Medien warnen auch die Amtsträger vor der Folge der derzeitigen sozialen und wirtschaftlichen Krise.
„Die wirtschaftliche Situation des Landes ist ungesunder und chaotischer als man es sich vorstellen kann. Sie hat gefährliche und schädliche soziale, politische und moralische Wirkungen und Folgen und sollte nicht ignoriert werden. Diese chronische Krankheit breitet sich vor den Augen der Staatsverwaltung aus“, schrieb die staatliche Tageszeitung Eghtesad-e Pouya („Wirtschaft von Pouya“) am Mittwoch dem 30. Juni 2021.
Eghtesad-e Pouya gibt dann zu, dass „die Inflation und die in den Himmel schießenden Preise“ das Leben der Bevölkerung beeinflusst.
Wie die Mullahs Irans Wirtschaft zerstört haben

Während die Mehrheit der Iraner unter der Armutslinie lebt, leiden die iranischen Arbeiter am meisten. Kürzlich hat Hassan Rohanis Regierung die Löhne der Arbeiter erhöht, aber laut der staatlichen Eghtesad-e Pouya „sind die Löhne der Arbeiter kaputt gemacht worden“ durch die steigende Inflationsrate. „Lohnzuwächse fußen auf der Inflation des Vorjahres und jetzt sind 40 Prozent der Arbeiter unter der Armutslinie“, gesteht Eghtesad-e Pouya ein.
„Die Armutslinie wird in der Gesellschaft bestimmt, aber die arbeitende Gesellschaft ist mit einem Lohn von 2,6 Millionen Toman tätig. Selbst wenn die Arbeiter Zulagen bekommen, übersteigt ihr Lohn immer noch nicht 3,3 Millionen Toman. Mit anderen Worten, die Löhne der Arbeiter betragen etwa 7 Millionen Toman weniger als die Armutslinie“, schrieb Eghtesad-e Pouya am Mittwoch.

Irans Politik der minimalen Löhne ist wie ein Dolch im Rücken der Arbeiter.

„Die Arbeiter haben keine Sicherheit der Arbeit, mehr als 70 % der Arbeiter bekommen minimale Löhne und viele von ihnen bekommen keine Zusatzleistungen. Mit dem Einkommen, das sie haben, können sie nur einen Teil der Ausgaben für den Lebensunterhalt bestreiten. Gegenwärtig gibt es Gebiete, wo die Kosten für die Miete etwa 3 Millionen Toman betragen, an den schlimmsten Orten liegen sie bei etwa 5,1 Millionen Toman. Unter solchen Umständen gibt ein Arbeiter etwa 50 % für die Wohnung aus“, so beschreibt Eghtesad-e Pouya einen Teil der Notlage der Arbeiter.
Was aber hat die Inflationsrate im Iran und die in den Himmel schießenden Preise bewirkt?
„Wirtschaftsexperten nehmen an, dass die sehr hohe Inflation, die wir heute im Land sehen, auf den großen Umfang des Druckens von Banknoten im Jahr 2020 zurückgeht“, schrieb die staatliche Tageszeitung Eskenas („Banknote“) dazu am Mittwoch.


„Der Bericht des Zentrums für Statistik zeigt, dass die Inflation am Ende der zehnten Regierung 35 % betrug. Nach der neuesten Statistik hat sie im Juni 2021 43 % erreicht. Eine der wichtigen Faktoren bei der Schaffung und der Verstärkung der Inflation in der Wirtschaft des Iran ist das Drucken und Banknoten und das Wachstum der Liquidität. Nach der offiziellen Statistik betrug das durchschnittliche Wachstum der Liquidität in den 1960ern 17 % betrug, in den 1970ern 32 %, in den 1980ern 18 %. In den 1990ern 27 %, in den 2000ern 28 % und von 2011 bis jetzt war es 8,27 %. Der Bericht der Zentralbank zeigt auch, dass 1990 das Wachstum der Liquidität im Iran 40 % erreicht hat“, erläuterte Eskenas weiter die Ursache für die hohe Inflation des Iran.
Mit anderen Worten steht das Regime hinter der derzeitigen Wirtschaftskrise.
Die Scheinwahlen für die Präsidentschaft im Iran sind am 19. Juni zu Ende gegangen. Während der neue Präsident des Regimes, der berüchtigte Ebrahim Raisi, hohle Versprechungen über eine Wirtschaftsreform machte, geben staatliche Medien zu, dass er nicht imstande sein werde, irgendeine bedeutende Maßnahme zu ergreifen.
„Der beunruhigende Trend der steigenden Inflation zusammen mit dem Kollaps der wirtschaftlichen Strukturen hat Besorgnisse erregt, dass die neue Regierung vor einer großen Herausforderung stehen könnte“, schrieb die Tageszeitung Eskenas dazu.
Wer ist Ebrahim Raisi, ein Kandidat bei der Präsidentenwahl im Iran und ein Henker beim Massaker 1988
Irans wirtschaftliche Krisen wie die hohe Inflation und die in den Himmel schießenden Preise sind auf die institutionalisierte Korruption des Regimes zurückzuführen. Deshalb werden sie nicht in der Lage sein, diese Krisen zu beheben.
Während die Regimeoberen ein Luxusleben führen, steht die Bevölkerung unter hohem Druck.

„Während Amtsträger und Politiker sich in diesen Tagen gut fühlen, leiden die Menschen. Das Volk wird zerbrochen unter Armut und Inflation“, schrieb die staatliche Aftab-e Yazd („Die Sonne von Yazd“) am 30. Juni.
Die sich verstärkenden wirtschaftlichen Krisen im Iran verbunden mit der Unterdrückung und der Korruption haben die Gesellschaft in ein Pulverfass verwandelt. Deshalb warnen die staatlichen Medien vor den „gefährlichen“ Folgen der derzeitigen Situation.
„Die Amtsträger sollten die Veruntreuer und wirtschaftlichen Terroristen nicht ignorieren und sich um sie kümmern. Sie können diese Fälle nicht ignorieren und nur Versprechungen machen. Die negativen Wirkungen wären extrem schädlich für die Gesellschaft und sie könnten die Integrität [des Regimes] untergraben“, warnte Eghtesad-e Pouya vor der derzeitigen Korruption im Regime.
„Ohne angemessene Beschäftigung hat die kranke Wirtschaft des Iran bewirkt, dass sich die Menschen schlechter fühlen als zuvor und die Lebensbedingungen sind sehr schwierig geworden. Zugleich ist der Wert der Währung des Landes scharf heruntergegangen. Es ist sicher, dass die sozialen Leiden der Armut, die durch die Fluktuationen der Währung und die Spaltungen in Klassen verursacht wurden, so fragil sind, dass ihre Wirkungen auf die sozialen Strukturen und die Institutionen der Regierung sehr viel Schaden anrichten werden“, warnt Eghtesad-e Pouya die Regierenden.

Wird das iranische Regime die wirtschaftlichen Krisen nach den Scheinwahlen lösen?


Die vorgespiegelten Wahlen für die Präsidentschaft sind am 19. Juni zu Ende gegangen. Der berüchtigte Ebrahim Raisi wurde zum neuen Präsidenten des Regimes ernannt. Wie andere Amtsträger des Regimes sprach er über eine wirtschaftliche Reform. Aber Fakten und Zahlen, die von den staatlichen Medien vorgelegt wurden, widerlegen Raisis betrügerische Behauptungen.
Wegen der institutionalisierten Korruption und der Verschwendung des nationalen Reichtums für den Terrorismus haben sich die wirtschaftlichen Krisen des Iran vertieft. Darüber hinaus haben sich die wirtschaftlichen Krisen während des Covid-19 Ausbruchs ausgeweitet wegen des Fehlens von Regierungshilfen für die Industrie.
„Veröffentlichte Berichte über die Lebensbedingungen der Menschen zeigen, dass mehr als 60 bis 70 % der Bevölkerung es sich nicht leisten können, Fleisch und Geflügel zu kaufen. Laut den Besitzern vieler Metzgereien kaufen die meisten Menschen nur Knochen und Abfallprodukte“, schrieb die staatliche Tageszeitung Eghtesad-e Pouya („Wirtschaft von Pouya“) am 27. Juni 2021.
Wie die Mullahs die Wirtschaft des Iran zerstört haben

„Die hohe Rate der Arbeitslosigkeit, besonders unter den Jugendlichen, hat zu Ausfällen von Zahlungen nach dem Arbeitsgesetz geführt und tatsächlich gleicht der Lebensstandard von Arbeitern dem in den ärmsten Ländern von Afrika“, räumte Eghtesad-e Pouya ein.
Laut Eghtesad-e Pouya haben die niedrigen Löhne „die Familienoberhäupter, die ihre Jobs verloren haben,“ dazu gebracht, „Jobs mit noch niedrigeren Löhnen zu akzeptieren, als es nach dem Arbeitsgesetz zulässig ist“.
„Die Kammer der Gewerkschaften des Iran sagt, dass etwa 1,4 Millionen Gewerkschaftler von der Covid-19 Krise betroffen sind. Im Agrarbereich sind die Einkommen der Bauern im Durchschnitt um fast acht Prozent gefallen und der Export von landwirtschaftlichen Produkten ist um mindestens 10 Prozent zurückgegangen“, fügt Eghtesad-e Pouya hinzu.
Das Ergebnis ist laut dem Artikel in Eghtesad-e Pouya vom Donnerstag: „Insgesamt werden 50 Prozent des Bruttosozialprodukts des Iran im Dienstleistungssektor erwirtschaftet und Verluste sind in diesem Sektor typsicherweise zu vernachlässigen. „Deshalb sollte es in den kommenden Monaten keine Kompensation geben“.
Außerdem gesteht Eghtesad-e Pouya ein, dass laut dem „Parlamentarischen Forschungszentrum zwischen 2,8 Millionen und 6,4 Millionen Menschen im Iran ihre Jobs verloren haben wegen des vollständigen Stopps oder der Beschränkung der Aktivitäten in der Produktion und in Dienstleistungseinheiten wegen der Covid-19 Krise“.
Sanktionen oder die Korruption der Regierung – was ist die Quelle der wirtschaftlichen Probleme des Iran?

Zugleich ist laut der staatlichen Tageszeitung Jahan-e Sanat vom Sonntag: „von der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrs bis zum Ende dieses Frühlings die Inflationsrate beständig angestiegen. Infolgedessen hat die Kaufkraft der Menschen abgenommen. Laut dem Zentrum für Statistik hat die neueste Inflationsrate im Juni 43 % erreicht. Deshalb kann in Anbetracht einer durchschnittlichen Zunahme der Löhne um 34 % gesagt werden, dass trotz dieses Zuwachses die Kaufkraft des Beschäftigten viel geringer ist, als es der Inflationsrate entspricht“.
Die staatliche Tageszeitung Etemad vom Sonntag gab zu, dass „von einer monatlichen Steigerung der Inflation zu sprechen, keinen Sinn ergibt. Die steigende Inflationsrate pro Woche oder sogar pro Tag ist viel bemerkenswerter. Die Inflation, die ihren Rekord innerhalb von 27 Jahren bricht, signalisiert unglückliche Ereignisse [lässt Schlimmes ahnen]“.
Die Iraner leiden unter den wirtschaftlichen Krisen, obwohl der Iran, was seine natürlichen Ressourcen anbetrifft, ein reiches Land ist.


„Diese schwierige und unglückliche Situation ist sehr schmerzhaft für die Leute, die in einem Land leben, das reich an verschiedenen Öl und Gas Ressourcen, verschiedenen Metallgruben und anderen Gottesgaben ist“, schrieb Eghtesad-e Pouya am Sonntag dazu.
Deshalb haben Proteste von Menschen aus allen Lebensbereichen in den allerletzten Monaten zugenommen. Der letzte landesweite Streik der Arbeiter der Öl- und Petrochemie-Industrie zusätzlich zu täglichen Protesten in anderen Segmenten der Gesellschaft zeigt die Explosivität der Gesellschaft des Iran.
Diese Proteste werden abgehalten nach dem landesweiten und historischen Boykott der Scheinwahlen des Regimes und sie zeigen, dass die Menschen nicht glauben, dass das Regime ihre Probleme lösen könnte und dass es in Wirklichkeit die Quelle aller Krisen ist.
Die Unruhe in der Gesellschaft versetzt das Regime in Schrecken und die staatlichen Medien warnen vor den Folgen der wirtschaftlichen Krisen.
„Die Probleme des Lebensunterhalts und das Fehlen einer minimalen wirtschaftlichen und sozialen Sicherheit veranlassen die Menschen, an Kundgebungen teilzunehmen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Wir haben in der Geschichte dieses Landes und anderer Nationen immer gesehen, dass die Krise von Armut und Hunger [Systeme] nicht toleriert. Deshalb wird von den Amtsträgern und Entscheidern im System erwartet, dass sie wirkliche Lösungen anbieten, statt den Leuten zu sagen, sie sollten nur eine Mahlzeit am Tag zu sich nehmen; so dass die Menschen unter dem Druck von Armut und Hunger überleben können und mehr Resilienz haben“, warnte Eghtesad-e Pouya die Amtsträger des Regimes am Sonntag.
„Obwohl die Inflation ein wirtschaftliches Problem zu sein scheint, wird sie soziale, kulturelle und sogar politische Konsequenzen für einen langen Zeitraum haben. Die Organisation für Soziale Sicherheit konstatiert, dass 30 Millionen Menschen in absoluter Armut leben; das bedeutet, dass die Krise über Diagramme, Zahlen, Arithmetik und Bücher hinausgeht. Deshalb muss das [Regime] schnell Entscheidungen fällen. Sonst wird der Schaden durch diese Inflation in vielen Gebieten spürbar und irreparabel sein“, warnte die Tageszeitung Etemad am Sonntag.

 

Die Bedeutung der neuen Welle von Demonstrationen nach der Wahlfarce

Nur wenige Tage nach der Wahlfarce der Präsidentenwahl im Iran traten die Arbeiter der Ölförderung und der Petrochemie in einen Streik ein. Bald breiteten sich die Protest-Versammlungen über das Land aus; weitere Arbeiter schlossen sich dem landesweiten Streik an. Am Sonntag veranstalteten viele Menschen aus anderen Bereichen des Lebens Versammlungen.

Am Sonntag kamen in Dutzenden von Städten Bauern, Ruheständler der Organisation für soziale Sicherheit, der Fluglinie „Homa“ und der Stahlfirma, ausgeplünderte Investoren des Kreditinstituts „Azico“, Apotheker in Isfahan, und – in Teheran – Bauarbeiter der petroche-mischen Fabrik von Bushehr sowie Arbeiter der Firma „Gama“ zu Protest-Versammlungen.

Die neue Serie von Demonstrationen und Streiks begann am 19. Juni – einen Tag nach der Wahlfarce des Regimes. Die Vertragsarbeiter der Ölförderung und der Petrochemie waren die ersten, die am 19. Juni ihren Streik antraten. Sie fordern mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen. Bald schlossen sich die Vollzeit-Arbeiter ihren Kollegen an und nahmen ihrerseits einen Streik auf.

Letzteres ist bedeutsam, denn das Regime versuchte, die Vertrags-arbeiter einzuschüchtern, indem es ihnen für den Fall einer Fortsetzung des Streiks die Kündigung androhte und wirklich einige von ihnen entließ. Aber die Funktionäre können gegen Vollzeitarbeiter nicht auf diese Weise vorgehen.

Iran: Die Ausbreitung der Demonstrationen deutet auf das, was kommen wird

Die Arbeiter sehen sich zunehmendem Druck ausgesetzt, denn die Wirtschaft geht darnieder – wegen der im Regime institutiona-lisierten Korruption und seiner schwachen Reaktion auf die Ausbreitung von COVID-19.

Der Streik der Arbeiter der Ölförderung und der Petrochemie wirkt sich auf die Wirtschaft des Regimes verheerend aus; denn der Export von Öl ist ihr Zentrum. Am Sonntag räumte die staatliche Zeitung „Asr Khabar“, indem sie die Angst des Regimes vor einer Fortsetzung der Demonstrationen wiedergab, ein: „Der Streik von tausenden von Vertragsarbeitern der Öl- und Gas- sowie der petro-chemischen Industrie hat seinen achten Tag erreicht; derzeit befinden sich Arbeiter von ungefähr 61 Vertragsfirmen im Streik.“

Die Ölförderung und die petrochemische Industrie stellen die Hauptader der Wirtschaft des Landes dar; das Regime ist verzweifelt auf sie angewiesen, um seinen Export des Terrorismus und seinen Apparat des Kriegsschürens zu finanzieren. Die neue Welle von Streiks könnte, verbunden mit den über das Regime aufgrund seiner bösartigen Tätigkeit verhängten Sanktionen, die Schlinge um seinen Hals zuziehen.

Außerdem bezeugen die während der vergangenen sieben Monate von Menschen aller Bereiche des Lebens veranstalteten Demonstrationen und ihre Verbreitung im Lande die Unruhe der Gesellschaft. Das Volk leidet an einer verheerenden wirtschaftlichen Situation, die das Regime durch Korruption hervorgerufen hat. Viele Iraner bezahlen für die Ausbreitung von COVID-19 und die Tatenlosigkeit des Regimes mit ihrem Leben.

Der Haß des iranischen Volkes auf das Regime hat ein neues Ausmaß erreicht. Der unlängst landesweit begangene Boycott seiner Wahlfarce und die Entscheidung der Mullahs, den berüchtigten Ebrahim Raisi zum neuen Präsidenten zu machen und mithin das Volk noch mehr zu unterdrücken, bezeugen nur, daß das Volk dies Regime nicht will.

Wer ist Ebrahim Raisi? Kandidat bei der iranischen Präsidentenwahl und Henker bei dem Massaker von 1988

Nach den Entwicklungen der vergangenen Monate sind die neuen Streiks und Demonstrationen Vorboten eines Aufstandes, der das ganze Land überziehen wird. Diese Aussicht erschreckt das Regime und seine Funktionäre in hohem Maße.

Am Sonntag, den 27. Juni 2021 warnte die staatliche Tageszeitung „Sharq“: „Achtlosigkeit gegenüber der Unzufriedenheit des Volkes könnte zum Chaos führen und die politische Kluft [zwischen ihm und dem Regime] noch vertiefen. Damit würde die Unzufriedenheit und Verärgerung der Bürger nur noch weiter gesteigert werden.“