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Iran HRM Monatsbericht: Das Mullah-Regime verstärkt seine Unterdrückungsmaßnahmen im November


In seinem Monatsbericht für November hob der Iran Human Rights Monitor (Iran HRM) [die Organisation Menschenrechtsbeobachter für den Iran] hervor, dass das Mullah Regime seine repressiven Maßnahmen zum Zeitpunkt des Jahrestags des Aufstandes im November 2019 verstärkt.

„Das iranische Regime hat mehr Sicherheitskräfte in verschiedenen Städten einsatzbereit gemacht, unter dem Vorwand, dass man gegen die Ausbreitung und die Zunahme der Zahl der Todesfälle durch das Coronavirus vorbeugen wolle, um das Zeigen von politischem Dissens vor dem Jahrestag der November 2019 Proteste zu unterdrücken“, liest man in dem Bericht.

Iran HRM unterstreicht auch die Untätigkeit des Regimes, die sich in der Coronavirus Krise mit deren Todesfällen erweitert hat. Statt zu handeln und den Menschen zu helfen, hat das Regime seine Unterdrückungsmaßnahmen verstärkt aus Angst vor einem möglichen Zurückschlagen der Menschen.

„Menschenrechtsorganisationen und Aktivisten haben schon vorher gewarnt vor der Steigerung der Repression durch das Regime unter dem Vorwand einer Einschränkung der Pandemie“, schreibt HRM dazu.


„In einem Statement vom 17. November gab der Nationale Widerstandsrat Iran (NWRI) bekannt, dass die Behörden eine große Zahl an früheren politischen Gefangenen und Angehörigen von Mitgliedern der Organisation der Volksmudschahedin des Iran (PMOI/MEK) festgenommen haben. Andere luden sie vor und warnten sie vor irgendwelchen Aktivitäten zum Jahrestag des Aufstandes“, schreibt Iran HRM unter Verweis auf die Erklärung des Iranischen Widerstands über neue Verhaftungen von Unterstützern der Opposition.

Iran HRM weist auch auf die weiterhin stattfindenden Hinrichtungen im Iran hin und auf inhumane Todesurteile, die das Regime gegen politische Gefangene gefällt hat. „Mindestens acht Menschen wurden im November in Irans Gefängnissen hingerichtet“. Eines der Opfer, Fakhreddin Dastiyar, wurde wegen Drogendelikten am Abend des Sonntag, des 8. November in Taybad in der Provinz Razavi Khorasan, Nordost Iran, hingerichtet. Ein iranisch-schwedischer Spezialist für Notfallmedizin, Ahmad-Reza Jalali, wurde am 24. November in Einzelhaft verlegt, wo er auf die Vollstreckung seines Todesurteils warten muss“.

Außer den Hinrichtungen hat das iranische Regime willkürlich Bürger getötet. „Die Staatskräfte fuhren fort damit, direkt einfache Bürger ins Visier zu nehmen, unbescholtene Bürger, wobei mindestens 10 Menschen getötet wurden“, schreibt Iran HRM.

„Sicherheitskräfte töteten Ende November zwei Bürger in Sistan und Belutschistan im Südosten des Iran. Abdollah Gorgij wurde am 21. November aus nächster Nähe angeschossen und starb zwei Tage später an der Schwere der Verletzungen. Am 23. Nov. wurde Mehdi Ali Zehi von Grenzpatrouillen in Hirmand totgeschossen”, fügt Iran HRM hinzu.
Unter Hervorhebung der weiter stattfindenden Menschenrechtsverletzungen „fordert“ Iran HRM „den Generalsekretär der Vereinten Nationen, den Menschenrechtsrat, die Hohe Kommissarin für Menschenrechte, den Sonderberichterstatter der UNO und alle Menschenrechtsorganisationen auf, dringend etwas zu unternehmen, um die Freilassung politischer Gefangener mindestens bis zum Ende der Coronavirus Pandemie sicherzustellen, um eine humanitäre Katastrophe abzuwenden. Weiterhin fordert Iran HRM die Bildung einer internationalen Kommission zur Tatsachenermittlung, die die Gefängnisse im Iran aufsuchen und mit Gefangenen sprechen kann, besonders mit politischen Gefangenen“.

 

Unterstützungserklärung für Amnesty International durch ehem. politische Gefangene, die Zeuge des Massakers von 1988 im Iran waren


Ein Angriff auf Amnesty International ist ein Angriff auf die Bewegung für Gerechtigkeit und kann nur den Interessen derjenigen dienen, die das Massaker angeordnet haben

Drei Jahrzehnte nach dem Massaker von 1988 an politischen Gefangenen im Iran erleben wir die Bemühungen von Amnesty International, die Einzelheiten dieses schrecklichen Verbrechens aufzudecken. Dies ist ein Verbrechen, das der ehemalige designierte Nachfolge von Khomeini zu dieser Zeit (Ayatollah Monatazeri, d.Ü.) als das größte Verbrechen bezeichnete, das das klerikale Regime in seiner Geschichte begangen und seine Täter als Verbrecher bezeichnet hat.

Leider hat die Weltgemeinschaft, insbesondere die Länder, die behaupten, die Menschenrechte zu verteidigen, aufgrund der Beschwichtigungspolitik und ihrer wirtschaftlichen Interessen und politischen Erwägungen bisher Schweigen und Untätigkeit in Bezug auf dieses große Verbrechen ausgeübt. Wären nicht die Bemühungen der Familien der Opfer und die 32-jährigen Aktivitäten des iranischen Widerstands und deren Anhänger sowie insbesondere die Forderung nach Gerechtigkeit von Frau Maryam Rajavi, der gewählten Präsidentin des Nationalen Widerstandsrates des Iran (NWRI), wären die gegenwärtigen Errungenschaften in Bezug auf die Aufdeckung dieses Massakers und des unheimlichen Verbrechens nicht verwirklicht worden.

Der Bericht von Amnesty International zum 30. Jahrestag des Massakers mit dem Titel „BLUTGETRÄNKTE GEHEIMNISSE: WARUM DIE GEFÄNGNISMASSACER VON 1988 IM IRAN ANHALTENDE VERBRECHEN GEGEN DIE MENSCHLICHKEIT SIND“ war ein wichtiger Schritt, um die Gerechtigkeitsbewegung zu beschleunigen und Regimefunktionäre als Verantwortliche für diese großen Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen. Angesichts dieser Enthüllungen greifen die Schläferzellen des klerikalen Regimes sowie politische Verbündete und Agenten, einschließlich der Unterwanderer und Geheimdienstagent Iraj Mesdaghi, den AI-Bericht im Gleichschritt mit an das Regime gebundenen Fraktionen im Mafia-Stil und sogenannten “Reformisten” an, die diese schmutzige Kampagne befeuern.


In den Augen dieser Agenten liegt die unverzeihliche Sünde von Amnesty International in zwei Fragen:
Erstens, warum wurde die politische Identität der Opfer des Massakers von 1988 enthüllt, von denen mehr als 90% Mitglieder und Unterstützer der Volksmojahedin (Mujahedin-e Khalq – MEK) waren? Aber dies sind dieselben Menschen, die ihr Leben für die Freiheit des Volkes und für ihre Heimat geopfert haben und für diese Ideale die Galgen umarmten, während sie in Sprechchören „Nieder mit Khomeinie – Es lebe Rajavi“ riefen.
Zweitens beschweren sich diese Agenten, warum Mir Hossein Mossouavi, der damalige Premierminister von Khomeini, als einer der verantwortlichen Funktionäre entlarvt wurde, die zu dieser Zeit dem Regime dienten.

Wir, politische Gefangene, die das Massaker von 1988 als Teil der großen Familie der MEK persönlich miterlebt haben, haben den 30.000 stolzen Opfer dieses Massakers ein festes Versprechen gegeben, dass wir keine Mühe scheuen werden, das Ausmaß des schrecklichen und unmenschlichen Massakers von 1988 zu beleuchten und um sicherzustellen, dass seine Täter vor Gericht gestellt werden.

Amnesty International kann sich auf die Unterstützung politischer Gefangener, Familien der Opfer und des iranischen Volkes verlassen, wenn es weiterhin die Wahrheit sagt und dieses große Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufdeckt. Die Führer des Regimes müssen sich der Tatsache stellen, dass vier Jahrzehnte Verbrechen und Mord, die bis zum Massaker im November 2019 und den Hinrichtungen von Mostafa Salehi und Navid Afkari andauerten, nicht unbeantwortet bleiben werden.

Wir betonen in diesem Zusammenhang, dass es bedauerlich ist, Amnesty International und seine Forscher und Reporter zu beleidigen und anzugreifen und sich den mörderischen Herrschern des Iran anzuschließen und sie zu begleiten. Wie es in der Erklärung von 1.404 politischen Gefangenen heißt: “Wir betrachten es als dringende Verpflichtung aller politischen Gefangenen und jedes würdigen Menschen, jeden, ob ehemaligen Gefangenen oder auf andere Weise, mit einem politischen Anspruch zu entlarven, der den Interessen vom klerikalen Regime dient, und wir verurteilen jegliches Schweigen in Bezug auf solche abscheulichen Handlungen.”

Politische Gefangene, Zeugen des Massakers von 1988
Oktober 2020

Unterzeichnerinnen / Unterzeichner:
1. Ahmad Ebrahimi (Evin – Gohardasht – Qoms Saheli-Gefängnisse 1981-1991)
2. Mohammad Khodabandeh Loui (Evin – Ghezel Hesar – Gohardasht und „Komitee-Moshtarak“-Gefängnisse – 1982 – 1004)
3. Hamid Khalaghdoust (Evin – Ghezel Hesar – Gohardasht Gefängnisse 9,5 Jahre)
4. Seyed Mohammad Seyedi (Evin – Ghezel Hesar – Gohardasht Gefängnisse 1982-1992)
5. Mehrdad Kavousi (Evin – Ghezel-Hesar-Gefängnisse 1982-1992)
6. Ramazan Mousavi (Evin – Ghezel-Hesar – Sari-Gefängnisse 1982-1989)
7. Sheila Neinavaei (Evin – Ghezel Hesar – „Komitee Moshatarak“ – Chabahar-Gefängnisse 1981-1989)
8. Ali Bijan Zolfaghari (Evin – Gohardasht – Rasht Gefängnisse 1981-1993)
9. Kiomars Nouri (Evin – Ghezel Hesar – Gohardasht und „Komitee Moshtarak“-Gefängnisse 1981-1992)
10. Ali Safari (Evin – Dastgerd, Isfahan Gefängnisse 1983-1993)
11. Hossein Niakan (Evin – Ghezel Hesar – Semnan Gefängnisse 1983-1992 und 2009-2010)
12. Amir Borjkhani (Evin – Ghezel Hesar – Gohardasht Gefängnisse 1983-1992)
13. Batool Majani (Gefängnisse Evin – Gohardasht – Ghezel Hesar 1982-1992)
14. Mostafa Ahmadi (Evin – Gohardasht-Gefängnisse 1981-1988)
15. Abdullah Naseri (Evin – Gohardasht – Ghezel Hesar Gefängnisse 1982-1988)
16. Saifullah Manieh (12 Jahre in den Gefängnissen Evin – Ghezel Hesar – Ghardasht)
17. Soheila Valinejad (Evin – Ghezel Hesar – Gohardasht Gefängnisse 1981-1991)
18. Fazel Kouzani (Jamshidieh – Ghezelhesar – Gohardasht-Gefängnisse 1984-1991)
19. Mahmoud Mesgari (Evin – Ghezel-Hesar-Gefängnisse 1981-1988)
20. Razieh Toloo Sharifi (Evin – Ghezel Hesar – Gohardasht – Gefängnisse 1981 – 1989), Autor von „Tolo Javid – Memoiren des Gefängnisses“
21. Zohreh Rastegar Motlagh (Evin – Ghezel Hesar – Vakilabad, Mashhad Gefängnisse 1981-1991)
22. Mehri Omrani (Evin-Vakilabad, Mashhad-Gefängnisse 1991-1991)
23. Nasrollah Marandi (Evin – Gohardasht – Ghezel Hesar Gefängnisse 1981-1991)
24. Gholamreza Shemirani (Evin-Ghezel-Hesar-Gefängnisse), Autor des Buches “Die Ehrenwerten”, Bericht über das Massaker im Evin-Gefängnis – Gefängnis-Memoiren
25. Ali Akbar Bandali (Evin – Ghezel Hesar – Gohardasht Gefängnisse 1981-1994)
26. Mohsen Zadshir (Evin – Ghezel Hesar – Gohardasht Gefängnisse 1982-1993)
27. Reza Fallahi (Evin – Gohardasht – Ghezel Hesar – Jamshidia Gefängnisse 1981-1991)
28. Ramadan Fathi (12 Jahre in den Gefängnissen Evin und Gohardasht)
29. Yazdan Afsharpour (Evin-Gefängnis 1981-1990)
30. Farzaneh Adalatian (Evin-Gefängnis 1984-1988)
31. Javad Abdollahi Nik (Gefängnisse Täbriz-Zahedan-Mashhad 1981-1993)
32. Rasoul Tabrizi (Ghezelhesar – Gohardasht-Gefängnisse 1981-1989)
33. Sadollah Falahati Roshanat (Evin – Ghezel Hesar Gefängnisse)
34. Massoud Nemati (Jamshidieh 366, Evin, Ghezelhesar, Gohardasht-Gefängnisse 1983-1991)
35. Alireza Sadeghi (Täbriz-Gefängnis 1981-1988)
36. Safia Saeida (Gefängnisse Evin und Ghezel Hesar 1981-1991)
37. Zahra Firoozan (Gefängnisse Evin, Ghezel Hesar und Gohardasht 1981-1990)
38. Nasrin Feyz (Gefängnisse Evin, Ghezel Hesar und Gohardasht 1981-1990)
39. Abdolrassoul Ebrahimian Dehkordi (Gefängnisse von Oroumieh und Khoy1982-1999)
40. Majid Saheb Jame (Gefängnisse Evin, Ghezel Hesar und Gohardasht 1988-1998)
41. Asghar Mehdizadeh (Gefängnisse Teheran, Karaj, Soomehsara, Fooman und Rasht 1982-1995)
42. Assadollah Nabavi Chashmi (Gefängnisse Semnan und Evin 1985-1998 und 2005-2006)
43. Akbar Shafaqat (Evin, Ghezel Hesar und Gohardasht Gefängnisse 1981-1994)
44. Hassan Zarif Nazarian (Jamshidieh, Ghezel Hesar, Evin Gefängnisse 1981-1993)
45. Heidar Yousefli (Evin, Ghezel Hesar, Gefängnisse Comiteh – Gohardasht 1986-1994)
46. Mohammad Raputam (Evin, Ghezel Hesar und Gohardasht Gefängnis 1981-1992)
47. Mohammad Zand (Evin, Ghezel Hesar und Gohardasht Gefängnisse 1981-1991)
48. Akbar Samadi (Evin, Gohardasht, Ghezel Hesar Gefängnisse 1991-1991)
49. Hassan Ashrafian (Evin, Gohardasht, Ghezel Hesar Gefängnisse 1982-1992)
50. Mohammad Rahim Taghipour (Evin, Gohardasht, Ghezel Hesar Gefängnisse 1981-1991)
51. Asghar Moeini Karbakandi (Evin, Gohardasht, Ghezel Hesar Gefängnisse 1987-1992)
52. Mojtaba Akhgar (Evin, Gohardasht, Ghezel Hesar Gefängnisse 1982-1991)
53. Mohammad Sarkhili (Evin, Gohardasht-Gefängnisse 1983-1992)
54. Maliheh Hassan Shishebor (Evin Gefängnis 1981-1988)
55. Masoud Aboui Rad (Gefängnisse Evin, Gohardasht, Ghezel Hesar und Babol 1981-1999)
56. Saeed Banazadeh Amirkhizi (Evin Gefängnis 1986-1991)
57. Abbas-Ali Torabi (Gefängnisse Zahedan, Evin und Ghezel Hesar 1981-1989)
58. Faramarz Ramazannia (Gohardasht, Babol, Sari-Gefängnisse 1985-1988)
59. Gholam Hossein Goodarzi (Gefängnisse Boroujerd und Khorramabad 1981-1988)
60. Azad Ali Hajiloui (Evin, Gohardasht, Ghezel Hesar Gefängnisse 1984-1988)
61. Hojjat Zabeti (Vakilabad Gefängnis von Mashhad1985-1989)
62. Hossein Farsi (Evin, Gohardasht, Ghezel Hesar Gefängnisse 1980-1991), Autor des Buches „A Star Galaxy – Gefängnis Memoiren“
63. Mahmoud Royaei (Evin, Gohardasht, Ghezel Hesar Gefängnisse 1981-1991), Autor von 5 Bänden des Buches „Sonnenblumen – Gefängniserinnerungen“
64. Parvin Poureghbal (Evin Gefängnis 1986-1991)
65. Assadollah Bahrami (Gefängnisse in Ishratabad und Evin, 1983-1990)
66. Hamid Taheri (Täbriz-Gefängnis 1981-1988)
67. Farideh Goodarzi (Gefängnisse Hamedan und Nahavand 1983-1988)
68. Abolfazl Mahzoon (Gefängnisse Ghezelhesar, Gohardasht und Qazvin 1981-1988)
69. Akbar Kazemi (Gefängnisse Evin, Ghezel Hesar und Lahijan 1983-1988)
70. Mehdi Abdolrahimi (Täbriz-Gefängnis 1981-1988)
71. Ismail Taghipour (Evin, Gohardasht, Ghezel Hesar Gefängnisse 1983-1991)
72. Kobra Yazdian Azad (Evin-Gefängnis 1982-1988)
73. Mostafa Naderi, ein Überlebender des Massakers von 1988, der 10 Jahre in den Gefängnissen von Evin-Gohardasht-Ghezel Hesar verbracht hat (7 Jahre in Einzelhaft) – Autor des Buches „Projekte zur Zerstörung einer Bewegung und der Roten Linie des Widerstands“
74. Manijeh Hakimzadeh (Evin-Täbriz-Ardabil-Gefängnisse 1981-1989)
75. Parvin Koohi (Evin – Gohardasht – Isfahan Gefängnis 1982-1988)
76. Mohammad Amin Tohidi (Isfahan-Zahedan-Evin-Gefängnisse 1984-1988)
77. Ali Mohammad Sinaki (Evin – Ghezel Hesar – Gohardasht Gefängnisse 1981-1988)
78. Parvin Heidari (Zanjan, Shiraz Adel Abad Gefängnisse, 1981-1988)
79. Sara Shah Mohammadi (Ghezel Hesar, Evin, Gohardasht, 1981-1990)
80. Gholamreza Ghaderi (Evin, Ghezel Hesar, Gohardasht-Gefängnisse, 1981-1989)
81. Mohammad Karimi Rahjerdi (Evin-Gefängnis 1985-1992)
82. Mansureh Congereh (Evin, Ahvaz-Gefängnisse 1988-2003)

 

Christoph de Vries: „Der Gefahr des islamischen Fundamentalismus aus dem Iran nicht stillschweigend und tatenlos gegenüberstehen“


Christoph de Vries, Mitglied des Innenausshusses im Deutschen Bundestag von der CDU/CSU-Fraktion, sprach auf der Video-Onlinekonferenz des Deutschen Solidaritätskomitees für einen freien Iran (DSFI) am 18.11.. Diese Konferenz fand anläßlich des Jahrestages der landesweiten Bürgerproteste im Iran (Novmeber 2019). Dutzende Bundestagsabgeordnete und Menschenrechtler sowie Vizepräsidentin des polnischen Senats haben dort die Aussetzung der Todesurteile im Iran gefordert, ebenso die Freilassung von inhaftierten Demonstranten sowie von zwei Deutsch-IranerInnen, die als politische Druckmittel eingesetzt werden.Hier lesen Sie den Text der Rede von MdB Christoph de Vries:

Ich Grüße alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz hier als Mitglied des Deutschen Bundestages und insbesondere begrüße ich den Verband von jungen Iranerinnen und Iranern hier aus meinem Wahlkreis Hamburg Mitte.

Vor einem Jahr im November 2019 demonstrierten viele aufgebrachte Bürger in hunderten iranischen Städten, sichtbar für die ganze Welt. Dies war ein unüberhörbarer Schrei der jungen iranischen Gesellschaft nach Freiheit und nach Demokratie. Und die brutale Reaktion durch das iranische Regime und seine Milizen kann diesen Schrei nicht unterdrücken. Die Sehnsucht des Volkes nach Freiheit und Demokratie ist dafür zu stark.
Wir gedenken den über 1500 Opfern dieses Bürgeraufstandes, die ein legitimer Einsatz für Freiheit, für die Menschenrechte teuer bezahlt haben, mit staatlicher Repression, zum Teil mit Haft und zum Teil sogar mit ihrem Leben. Aber dieser Einsatz war nicht umsonst und sollte Sie auch nicht resignieren lassen. Es braucht Mut zu mehr Einsatz für Menschenrechte, Redefreiheit, Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit. Diese Menschenrechte sind universell anerkannte Grundrechte. Sie sind nicht nur im deutschen Grundgesetz verankert, sondern sie gelten weltweit auch im Iran und ganz unabhängig von der politischen und religiösen Führung des Landes.


Im 10 Punkte Plan des Nationalen Widerstandsrat Iran sind diese Grundrechte besonders hervorgehoben. Es ist gut und wichtig, dass es eine demokratische Alternative im Iran gibt zum herrschenden Mullah-Regime. Sie haben meine volle Unterstützung und auch die Unterstützung vieler Christdemokratinnen und Christdemokraten in Deutschland.
Brutale Gewalt, Folter und Hinrichtung des Mullah-Regimes sind kein Zeichen von Stärke. Diese Willkür des Staates gegen seine Bürger ist ein Zeichen der Schwäche. Sie wird die Flut der unzufriedenen im Land nicht stoppen können.
Aktuell sind laut Amnesty International mehrere Dutzende junge Demonstranten vom Tod durch Hinrichtung im Iran bedroht. Das muss verhindert werden. Ich unterstütze die Initiativen des iranischen Widerstandsrates für die Rettung des Lebens von über 40 politischen Gefangenen und Demonstranten, die in akuter Lebensgefahr sind. Die westliche demokratische Welt darf nicht tatenlos zusehen und muss aktiv werden in dieser Angelegenheit.

Und völlig inakzeptabel ist auch die Verfolgung iranischer Dissidenten und Oppositioneller hier bei uns in Deutschland und im Ausland generell durch die fundamentalistischen Zentren. Iranische Mullas predigen im Ausland Fundamentalismus und Verfolgung Oppositionelle. Ein Beispiel ist das sogenannte islamische Zentrum hier bei uns in Hamburg, aber ich sage: Das hat nichts mit Islam zu tun. Das ist Missbrauch der Religionsfreiheit und das ist eine Gefahr für die Sicherheit der Menschen in Deutschland. Dieser Gefahr dürfen Staat und Politik nicht stillschweigend und tatenlos gegenüberstehen.
Seit langem fordere ich persönlich im Namen der CDU Hamburg ein Verbot des IZH zu prüfen und jede Kooperation, jede Zusammenarbeit mit dem IZH zu beenden. Auch hier stehe ich an eurer Seite und wünsche allen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kongresses viel Erfolg. Mach weiter so.

Geheimdienste: Iranischer Diplomat soll Terrorattacke geplant haben

 

Süddeutsche Zeitung – Am Freitag beginnt in Antwerpen der Prozess gegen einen iranischen Botschaftsrat, der von Wien aus einen Anschlag in Auftrag gegeben haben soll. Europas Geheimdienste sind alarmiert.

Von Florian Flade, Georg Mascolo und Ronen Steinke, Berlin

Es war eine Geste der Überlegenheit. Höhnisch, spöttisch, auch ein wenig leichtsinnig. Wenige Monate ist es her, da meldete sich ein prominenter Häftling im belgischen Beveren nahe Antwerpen beim Personal des Untersuchungsgefängnisses. Er habe einen Wunsch: Er wolle die Polizei sprechen. Der Häftling, ein mutmaßlicher Geheimdienstmitarbeiter aus der Islamischen Republik Iran, ließ die Beamten zu sich kommen.

Im Gespräch eröffnete er ihnen, es könnten schlimme Dinge geschehen, wenn ein jetzt anstehender Prozess gegen ihn vor der belgischen Justiz schlecht ausgehe. Es gebe da bewaffnete Gruppen, die auf Irans Befehl hören würden, im Irak, in Libanon, Jemen und Syrien. Diese würden sehr genau sehen, was hier in Europa mit ihm geschehe. Sie würden “von der Seitenlinie aus beobachten, ob Belgien sie unterstützt oder nicht”, so steht es in einem internen Protokoll, das die Polizeibeamten nach dem Treffen anfertigten.

Dann ließ dieser Häftling sich aus dem Besprechungszimmer wieder in seine Zelle bringen, in der hochgesicherten Strafanstalt in der Schaarbeekstraat 2.

Seit diesem Tag im März ist in Europa eine ohnehin schon große Sorge noch ein wenig gewachsen, die Sorge vor einem iranischen Staatsterrorismus, auf dessen Konto in früheren Jahrzehnten etliche Tote auch in Europa gingen. Die Sorge, dass die Islamische Republik nicht nur in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft in der arabischen Welt ihre Spezialkräfte losschickt, um in Stellvertreterkriegen zu zündeln. Sondern dass sie, wie früher schon einmal, auch vor Europa nicht haltmachen will.

Die meisten Nachrichtendienste in Europa werden den Prozess sehr genau verfolgen

An diesem Freitag beginnt in Antwerpen der Prozess gegen den Iraner, Assadollah A., 48 Jahre alt, und diesen Prozess werden vielleicht tatsächlich bewaffnete Gruppen im Nahen Osten, ganz sicher aber die meisten Nachrichtendienste des europäischen Kontinents sehr genau verfolgen wollen. Denn laut der Staatsanwaltschaft liefen in einem Wiener Palais in der Jaurèsgasse, in Irans Botschaft, die Fäden für ein großes Terrorkomplott zusammen, das in den vergangenen Jahren auf europäischem Boden geplant wurde.

Es ist ein Verfahren, von dem politisch viel abhängt – für das angespannte Verhältnis Irans zum Westen. Die Prozessunterlagen, welche die Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR einsehen konnten, zeichnen eine aufwendige internationale Ermittlung nach. Deren Ergebnisse werden von Assadollah A. umfassend bestritten, wie sein belgischer Anwalt auf Anfrage mitteilt.

Der Iraner soll als Beamter mit Diplomatenpass nach Europa gekommen sein, friedlich und unauffällig, seit 2014 war er als sogenannter Dritter Botschaftsrat an der Botschaft der Islamischen Republik in Wien akkreditiert. Tatsächlich, so glauben die Ermittler, soll er zum Ministerium für Nachrichtenwesen MOIS gehören, dem Geheimdienst. Geschickt mit dem Auftrag, “menschliche Quellen” in Europa zu führen.

Assadollah A. handelte auf Anweisung Teherans, davon sind die Ermittler überzeugt

Es geht um den Sommer vor zwei Jahren, 2018. Die USA waren gerade aus dem gemeinsamen Atomabkommen ausgestiegen, neue Sanktionen drohten. Auf den Straßen Irans antworteten die Sicherheitskräfte auf die zunehmenden Proteste einer unzufriedenen Jugend und Mittelschicht mit Gewalt. In dieser Situation soll Assadollah A. von seinem Wiener Stützpunkt aus einen Anschlag auf ein Treffen von prowestlichen Iranern im europäischen Exil geplant haben, eine Gruppe iranischer Exilanten, die seit Langem auf den Sturz des Regimes hinarbeitet.

Auf Videos kann man es heute noch sehen, dieses Jahrestreffen des Nationalen Widerstandsrates Irans, NCRI, in Villepinte, einem Ort bei Paris. Man sieht eine Halle, die Tausende Menschen fasst, ein Fahnenmeer und eine Bühne mit leuchtenden LED-Bildschirmen, darüber der Schriftzug “Free Iran”. Prominentester Gast der Tagung: Rudy Giuliani, der Anwalt von US-Präsident Donald Trump.

Der vermeintliche Botschaftsrat Assadollah A., davon sind die europäischen Ermittler überzeugt, handelte auf Anweisung aus Teheran. “Das Anschlagsprojekt wurde im Namen Irans geplant und von ihm angetrieben. Es handelt sich nicht um eine private Initiative von A.”, so steht es in einem Vermerk des belgischen Geheimdienstes VSSE.

550 Gramm des hochexplosiven Sprengstoffs TATP soll er dafür eigenhändig im Diplomatenkoffer nach Europa geschafft haben, eine Substanz, die bei Terroristen beliebt ist, weil sie vergleichsweise leicht aus handelsüblichen Chemikalien hergestellt werden kann. Die Bombe von Assadollah A. soll aber “sehr professionell” konstruiert gewesen sein, so attestiert ein Experte der belgischen Polizei, mit einer Sprengkraft, die viele Menschen hätte töten können.

Laut der Anklage soll er dann ein junges, iranischstämmiges Ehepaar kontaktiert haben. Amir S., 40 Jahre alt, und Nasimeh N., 36 Jahre alt, leben schon lange in Belgien und besitzen auch die belgische Staatsbürgerschaft. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie schon seit mindestens 2007 für den iranischen Geheimdienst tätig waren, für insgesamt mehrere Zehntausend Euro.

Der Agentenführer und die mutmaßlichen Terrorhelfer trafen sich in Mailand, Venedig oder Salzburg

Am 28. Juni 2018 reisten die jungen Eheleute nach Luxemburg, dabei wurden sie heimlich beschattet, die belgischen Behörden hatten das veranlasst. Und in Luxemburg nun soll es zu einer Begegnung in einem Pizza-Schnellrestaurant gekommen sein. Die iranischen Eheleute trafen ihren mutmaßlichen Agentenführer, Assadollah A., mit ihm sollen sie sich in den vergangenen Jahren immer wieder in besonders malerischen europäischen Städten verabredet haben, Mailand, Venedig, Salzburg.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der vermeintliche Botschaftsrat ihnen hier die genauen Anweisungen gegeben habe. Später sollen sie Codewörter benutzt haben, wenn sie über den Anschlagsplan sprachen. Die “Playstation”, so nannten sie wohl den Sprengsatz, sei mit dem “Fernseher” verbunden, meldeten die mutmaßlichen Terrorhelfer ihrem Instrukteur. Gemeint war womöglich, dass der Fernzünder angebracht worden war, den Assadollah A. ebenfalls übergeben hatte – versteckt in einem Damenkulturbeutel.

“Wir werden den Pokal gewinnen”, stand in einer SMS an den Diplomaten. Der wiederum versprach, er werde persönlich dem “Agha” von der erfolgreichen Operation berichten. Das bedeutet einfach nur Herr. Die Ermittler gehen davon aus, dass damit ein hochrangiger Funktionär des iranischen Geheimdienstes oder gar der iranische Religionsführer Ali Chamenei gemeint gewesen sein könnte.

Aber stimmt das? Irans Regierung weist solche Hypothesen zurück. “Der Diplomat ist Opfer einer Verschwörung von Gruppen, die gegen die Verbesserung der Beziehungen Irans zu Deutschland und anderen europäischen Staaten sind”, hat der Sprecher des iranischen Außenministeriums längst erklärt. Stattdessen hält Iran mit einer eigenen Erklärung dagegen. Es seien die prowestlichen Exiliraner selbst gewesen, die einen Anschlag auf sich inszenieren wollten. Einen Akt unter “falscher Flagge”, kurz vor einem geplanten offiziellen Besuch des Präsidenten Hassan Rohani in Österreich, um Teheran zu diskreditieren; ein perfides Spiel.

Anfangs sagten die Eheleute aus, sie seien von Assadollah A. beauftragt worden

Fest steht, dass die 550 Gramm Sprengstoff in Belgien gefunden und sichergestellt wurden. Die jungen Eheleute Amir S. und Nasimeh N. waren gerade im Begriff, sich auf den Weg zu ihrem mutmaßlichen Anschlagsziel in Paris zu machen, als belgische Spezialeinheiten zugriffen und die beiden verhafteten. Anfangs zeigte sich das Paar kooperativ und sagte aus, von Assadollah A. beauftragt worden zu sein. Ihren Agentenführer aus der iranischen Botschaft in Wien hätten sie nur unter einem Decknamen gekannt: Daniel.

Sollte nun ein europäisches Gericht urteilen, dass das iranische Regime wirklich Assadollah A. mit dem Anschlag beauftragt hatte, würde dies an dunkelste Zeiten erinnern. Allein zwischen 1979 und 1994 zählte die CIA mehr als 60 versuchte und vollendete Anschläge auf Regimegegner, etliche davon in Europa. Der spektakulärste, ein Attentat auf vier iranisch-kurdische Exilpolitiker im Berliner Restaurant “Mykonos” 1992 führte fast zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Iran und Deutschland.

Lange hofften europäische Diplomaten darauf, dass Iran inzwischen erkannt habe, dass der Preis für solche Mordaktionen zu hoch sei – und diese zumindest in Europa deshalb auch nicht ausgeführt würden. Der Fall Assadollah A. wirft die Frage auf, ob diese Annahme noch stimmt. Oder ob Teheran zu den alten, blutigen Methoden zurückgekehrt ist.

Besorgniserregende Indizien dafür hat es in den vergangenen Jahren bereits gegeben. Der ehemalige SPD-Politiker und Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Reinhold Robbe, war von einem iranischen Agenten ausgespäht worden. Nach Überzeugung des Berliner Kammergerichts handelte es sich dabei um Vorbereitungen für einen möglichen Anschlag.

Deutschland und seine europäischen Partner hoffen darauf, dass Atomabkommen mit Iran retten zu können – nach der Abwahl von US-Präsident Donald Trump spricht viel dafür, dass auch die neue US-Regierung unter Joe Biden sich hierfür engagieren wird. Schließlich wurde das Abkommen einst mit Zustimmung von Barack Obama abgeschlossen – Biden war sein Vize. Die ohnehin schwierigen Verhandlungen allerdings würden durch ein eindeutiges Urteil des belgischen Gerichtes sicher nicht erleichtert.

An der Autobahnraststätte “Spessart” wurde der Diplomat schließlich festgenommen

Für Assadollah A. jedenfalls endete seine Karriere als Dritter Botschaftsrat ganz glanzlos, auf der Autobahnraststätte “Spessart” zwischen Würzburg und Aschaffenburg. Der Iraner war gerade auf dem Rückweg von Luxemburg nach Wien, als bayerische Polizeibeamte ihn dort anhielten. Kurz zuvor waren schon die jungen Eheleute in Belgien verhaftet worden. Es war der 1. Juli 2018.

Die bayerischen Beamten, alarmiert durch einen europaweiten Fahndungsaufruf, ließen ihn den Kofferraum öffnen, in seinem Auto fanden sich Mobiltelefone, SIM-Karten, Hotelrechnungen, Tankquittungen – und ein rotes Notizbuch, angeblich mit handschriftlichen Anweisungen für die Bombenleger. Assadollah A. protestierte. Er genieße als Diplomat Immunität. Wovon sich die bayerischen Beamten nicht beeindrucken ließen.
Als Diplomat akkreditiert sei er vielleicht in Österreich, erklärten sie ihm. Aber nicht hier.

 

Übersicht der Iran – Proteste: 22. – 25. November


Proteste iranischer Arbeiter (Archivfoto)

Berichte der Volksmojahedin Iran (PMOI/MEK) aus dem Land zeigen, dass es innerhalb der letzten Tage mehrere Proteste in allen Bereichen der Gesellschaft gab. So protestierten zum Beispiel am Montag Kohlearbeiter in Kerman, weil die Geschäftsleitung ihre Zugagen nicht eingehalten hat.

Am 24. November protestierte eine Gruppe von Anwälten und Mitgliedern der Rechtsanwaltskammer in Khuzestan vor dem Gebäude der Kammer in Amaniyeh in der Nachbarschaft von Ahvaz (Süwestiran). „Die Demonstration wird aus Protest gegen die Entscheidung des Parlamentes abgehalten, die Gesetze von Artikel 44 zu ändern, laut derer die Rechtsanwaltskammer als eine Art Geschäft angesehen wird“, sagte der Vertreter der protestierenden Anwälte.

Ebenfalls am 24. November gingen Fahrer, welche die Tageszeitung Donyay-e Eghtesad in den Provinzen ausliefern, in den Streik. Sie protestieren gegen die Coronavirus Restriktionen, welche sie von der Ausübung ihrer Arbeit abhalten.

Die Zeitungen gehören zu den am meisten betroffenen Branchen, nachdem die Regierung neue Coronavirus – Restriktionen verhängt hat. Nun können sie nicht mehr weiter arbeiten. In den ersten Tagen, so die Demonstranten, wurden die Zeitungsverteiler mit Strafen belegt, obwohl es eine Koordination mit dem sogenannten Ministerium für islamische Richtlinien gegeben hatte.

Am Mittwoch gingen die Arbeiter des Unternehmen Exir Sanat in den Streik. Dieses betreibt Feld 13 am South Pars Tonbak Kai im Südwesten des Iran. Die Arbeiter haben seit drei Monaten keine Löhne erhalten.

Am 25. November protestierten die medizinischen Studenten der Universität von Hamedan (Nordwestiran) gegen neue Bestimmungen, wie die Examensprüfungen abgehalten werden sollen. Die protestierende Studenten riefen Sprechchöre gegen die Vertreter der Universität und riefen zu ihrem Rücktritt auf.


Ebenfalls am Mittwoch gedachten Bürger aus Behbahan (Südwestiran) an Morteza Farajnia, die vor fünf Jahren von den staatlichen Sicherheitskräften (SSF; Polizei) vor der Bid-e Boland Raffinerie erschossen wurde. Die protestierenden Bürger sagten, dass die meisten Jugendlichen in der Stadt arbeitslos sind, obwohl die Bid-e Boland Raffinerie in ihrer Nähe ist. Sie betonten, dass die Beschäftigung lokaler Bürger durch lokale Unternehmen das Recht der Bürger ist und ergänzten:“ Die Jugendlichen dieser Stadt sollten nicht in anderen Städten und Provinzen arbeiten müssen, wenn die Bid-e Boland Raffinerie direkt hier vor Ort ist.“

Am 15. Dezember 2015 hatten sich die Bürger des Dorfes Behrohan Shahroui vor der Bid-e Boland 2 Gasraffinerie versammelt und nach Arbeit verlangt. Während der Demonstration eröffnete die unterdrückende SSF das Feuer auf die Demonstranten. Morteza Farajnia wurde dabei getötet und zwei weitere Personen verwundet.

Ebenfalls am Mittwoch gingen Bürger des Dorfes Agh-Mashhad in San (Hauptstadt der Provinz Mazandaran, Nordiran) auf die Straße, um gegen die Stiftung für Wälder und Weiden zu protestieren. Es gab Auseinandersetzungen mit dem Generaldirektor der Stiftung von Mazandaran und er wurde daran gehindert, sein Auto zu betreten.

Vertreter des iranischen Regimes, vor allem der oberste Führer Ali Khamenei, haben große Bereiche der iranischen natürlichen Ressourcen sowie Landflächen konfisziert, unter dem Vorwand, sie Stiftungen zukommen zu lassen. Die Astan-e Quds Razavi (AQR), eine der am längsten bestehenden finanziellen und religiösen Stiftungen im Iran, steht unter der direkten Kontrolle von Khamenei und sie kontrolliert einen großen Teil dieser Stiftung.
Laut eines speziellen Berichtes des iranischen Widerstandes, besitzt „Astan-e Quds Razavi im ganzen Iran mehrere Ländereien, Gärten, Brunnen und Aquädukte sowie 300.000 Pachtgrundstücke in Hamadan, Ost – Aserbaidschan, Golestan, Gilan, Teheran, Semnan und Yazd. Der geschätzte Wert des Landes von Astan-e Quds Razavi’ beträgt rund 20 Milliarden Dollar und darin sind andere Besitztümer noch nicht enthalten.

Die fortgesetzten Proteste im Iran in allen Bereichen der Gesellschaft zeigen, dass die Menschen das Regime für alle Probleme verantwortlich machen und nicht die Sanktionen, trotz all der Propaganda, die in dieser Hinsicht verbreitet wird. Das Mullahregime hat die iranische Wirtschaft zerstört und es wird mit dem Mißbrauch des Landes und seiner natürlichen Ressourcen sowie dem Wohlstand des Landes für die Finanzierung seiner terroristischen Aktivitäten fortsetzen. Die einzige Lösung für das Ende der wirtschaftlichen Not ist der Sturz des Regimes.

 

Terrorprozess eines Diplomaten sollte die Iranpolitik bestimmen


Am 30. Juni 2018 hat der Nationale Widerstandsrat Iran seine jährliche Kundgebung „Freier Iran” bei Paris abgehalten in der Absicht, für eine demokratische Zukunft zu werben, sich für die neuesten Fortschritte der „Widerstandseinheiten” innerhalb des Iran einzusetzen und eine entschiedenere internationale Politik im Umgang mit dem zutiefst unpopulären theokratischen Regime zu vertreten. Im Vorfeld dieser Veranstaltung billigten die Autoritäten des iranischen Regimes Pläne, einen terroristischen Anschlag auf die Kundgebung auszuführen, und schleuste danach die Pläne in das diplomatische Netzwerk, wo der dritte Rat der Botschaft des Regimes in Wien die Leitung der Operation übernahm.

Dieser „Diplomat-Terrorist“ Assadollah Assadi nahm es auf sich, die Sprengvorrichtung nach Europa zu schmuggeln, bevor er sie an zwei Agenten aushändigte, die in Belgien rekrutiert worden waren. Die Möchtegern Bombenattentäter wurden von der belgischen Polizei aufgegriffen, als sie versuchten, nach Frankreich überzuwechseln, und die Vorrichtung in ihrem Besitz wurde zur Explosion gebracht, nachdem das Gebiet evakuiert worden war. Die Gewalt der Explosion zerstörte einen Roboter zur Bombenentschärfung und verletzte einen Beamten leicht, der 200 Meter entfernt stand. Damit vermittelte sie den Ermittlern ein Gefühl für die verheerende Wirkung, die von der Bombe hätte ausgehen können, wenn sie mitten in der Menschenmenge losgegangen wäre, die sich im Veranstaltungsraum in Villepinte versammelt hatte.

Die NWRI Jahresversammlung der Expatriierten hat schätzungsweise 100 000 Teilnehmer angezogen, darunter Hunderte von politischen Würdenträgern, die eine große Zahl von Nationen und politischen Gruppen vertraten. Eidesstattliche Aussagen, die einem belgischen Gericht vor dem Prozess gegen Assadi geliefert wurden, vermitteln ein allgemeines Verständnis dafür, dass die Zahl der Toten aus der ersten Stoßwelle sicherlich in die Hunderte gegangen wäre, wenn der Terroranschlag ausgeführt worden wäre, wobei die dann folgende Panik und Flucht diese Zahl durchaus hätte in die Tausende gehen lassen können.

Da außerdem das primäre Ziel des Anschlags die gewählte Präsidentin des NWRI Maryam Rajavi gewesen war, ist es sehr wahrscheinlich, dass zu den Todesopfern einige der Würdenträger gehört hätten, die bei der Veranstaltung in ihrer Nähe platziert worden waren. Das mag zeigen, dass die Autoritäten des Regimes bereit waren, ihre Außenbeziehungen aufs Spiel zu setzen im Zuge ihrer Bemühungen, die organisierte Opposition gegen das Kleriker Regime auszulöschen. Obwohl dieser Sachverhalt am Freitag nicht viel Aufmerksamkeit bekommen mag im Vergleich zu den Gesamtfolgen des Terroranschlags, ist er sicherlich etwas, was die internationale Gemeinschaft in ihre Kalkulationen einbeziehen sollte, wenn sie sich über die Zukunft ihrer Iranpolitik Gedanken macht.

Die internationale Gemeinschaft sollte einem Regime keine wirtschaftlichen Vorteile ermöglichen, das keine Skrupel hat bezüglich von Ausländern zusammen mit der eigenen Bevölkerung oder bezüglich der Benutzung diplomatischen Personals für seine Zwecke. Assadis Rolle als Chefplaner des Terroranschlags von 2018 ist nur Teil eines viel größeren Phänomens, das vermutlich beim Prozess am Freitag erneut bloßgestellt wird. Nach den Verhaftungen der Verschwörer äußerte ein Sprecher der belgischen Justiz, dass „praktisch alle“ in den iranischen konsularischen Diensten Beschäftigten in Wirklichkeit Agenten im Geheimdienst des Regimes sind.

Solche Beobachtungen unterstreichen das Potential für weitere Terroranschläge, die in Zukunft auftreten könnten und die demjenigen gleichen, der vor zweieinhalb Jahren fast gegen die Kundgebung Freier Iran zugeschlagen hätte. Dieses Potential wird sich sicher erweitern, wenn das Regime zu größeren finanziellen Ressourcen Zugang bekommt, wie es passieren wird in dem Fall, dass die Aufhebung von Sanktionen internationale Unternehmen veranlasst, auf den iranischen Markt zurückzukehren. Der Löwenanteil solcher wirtschaftlicher Profite wird in der Tat für die Planung und Finanzierung von Terrorismus ausgegeben. Laut Berichten, die vom NWRI vorbereitet werden, wird mehr als die Hälfte des Bruttosinlandsprodukts vom Corps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) kontrolliert.

Der bevorstehende Prozess gegen Assadi ist nicht nur ein Prozess gegen eine Person, es ist ein Prozess gegen ein terroristisches Regime. Um die terroristischen Aktivitäten der Mullahs auf europäischem Boden zu beenden, sollten alle Botschaften des Regimes geschlossen werden und die Agenten des Regimes sollten ausgewiesen werden.

Iran: Europäische Außenminister verurteilen den Terror-anschlag in Villepinte

 

 

Unlängst wurden von einer Reihe europäischer Außenministerien offizielle Stellungnahmen zu dem gegenwärtig in Antwerpen, Belgien stattfindenden Prozeß gegen Terroristen abgegeben.

Durch seinen parlamentarischen Stellvertreter James Cleverly erklärte der britische Außenminister zur Beantwortung von mindestens vier von Mitgliedern des House of Commons erhobenen Fragen seine Besorgnis angesichts des derzeit laufenden Verfahrens:

„Wir haben den jetzt laufenden Prozeß gegen vier Iraner in Belgien zur Kenntnis genommen, der mit dem Anschlag des Jahres 2018, welcher einer Versammlung in Paris galt, befaßt ist. Berichte, die besagen, daß im Zusammenhang mit dem Vorfall ein iranischer Diplomat vor Gericht steht, haben uns zutiefst besorgt. Während das Gerichtsverfahren anhält, wäre ein weiterer Kommentar unange-bracht; wir sind bei der iranischen Regierung dazu nicht besonders vorstellig geworden. Das Vereinigte Königreich verurteilt entschieden Angriffe auf Zivilpersonen und begrüßt die Schritte, die unternommen wurden, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Wir werden weiterhin in Angelegenheiten der Sicherheit und der Bekämpfung des Terrorismus mit unseren europäischen Part-nern eng zusammenarbeiten. Im gegenwärtigen Zustand ist uns keine Verbindung mit dem Vereinigten Königreich bekannt.“

Zwei Mitglieder des Parlaments, Bob Blackman, Mitglied von der Konservativen Partei, und Toby Perkins, Mitglied von der Labour-Partei, haben sich dieser Angelegenheit in schriftlichen Anfragen an den Außenminister angenommen.

Das irische Außenministerium nahm in einer Antwort an den Abgeordneten Joe O‘Brien, der an das Ministerium eine Anfrage zu dem vereitelten Terroranschlag in Villepinte, im Jahre 2018 gerichtet hatte, wie folgt Stellung:

„In Beziehung auf den Fall, den der Stellvertreter zur Sprache gebracht hat, möchte ich sagen: Ich bin über die davon handelnden Berichte im Bilde. Ich verurteile aufs entschiedenste jedes Unternehmen, in dem es zu Gewalttätigkeit oder zu terroristischen Maßnahmen kommt. Weil jedoch die Lage einer noch anhaltenden strafrechtlichen Ermittlung – ausgeübt von einer anderen Jurisdik-tion – unterliegt, wäre es unangemessen, wenn ich die Angelegenheit noch weiter kommentieren würde.“

Jean-Michel Clément, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses der Französischen Nationalversammlung, trug die Sache dem franzö-sischen Außenminister Jean-Yves Le Drian vor. Herr Clément sagte: Wenn der terroristische Bombenanschlag im Juni 2018 Erfolg gehabt hätte, so wären bei der Veranstaltung hunderte von unschuldigen Menschen ermordet worden. Er fragte den Außenminister, ob nicht Frankreich und Europa gegenüber dem staatlichen Terrorismus des Iran eine entschiedenere Haltung einnehmen müßten. Herr Le Drian antwortete wie folgt:

„Was die Affäre von Villepinte betrifft, so wissen Sie, daß wir über den Iran eine spezifische Sanktion verhängt haben; insbesondere wurde der iranische Geheimdienst sanktioniert. Darin bestand unsere prompte Reaktion auf den Anschlag.“

Diplomat vor Gericht: Eine Bombe für Paris

tagesschau.de – In Belgien beginnt der Prozess gegen einen iranischen Diplomaten. Er soll einen Bombenanschlag auf Exil-Oppositionelle in Frankreich geplant haben. Die Ermittler sind überzeugt davon, dass es sich um iranischen Staatsterrorismus handelt.

Von Florian Flade, WDR, und Georg Mascolo, NDR/WDR

Zwei Jahre schon sitzt Assadollah A. in Belgien in Untersuchungshaft. Er ist ein ungewöhnlicher Häftling, denn er war als Diplomat an der iranischen Botschaft in Wien akkreditiert – und steht nun unter Terrorverdacht. Im März soll der Iraner überraschend um ein Gespräch mit den Ermittlern gebeten haben. Nein, er wolle nicht vernommen werden, soll A. den Polizisten mitgeteilt haben, die später ein Protokoll ihres Besuches in der Haftanstalt anfertigten. Er wolle nur etwas loswerden. Falls er verurteilt werde, könnten schlimme Dinge passieren. Es gebe Leute, die stünden bereit und seien bewaffnet.
Am Freitag beginnt vor dem Gericht in Antwerpen der Prozess gegen Assadollah A.. Seit 2014 war der 48-Jährige als sogenannter Dritter Botschaftsrat an der Botschaft der Islamischen Republik Iran in Wien akkreditiert. Eine Tarnung, wie die Ankläger glauben. Tatsächlich soll er ein Offizier des iranischen Ministeriums für Nachrichtenwesen MOIS, also des Geheimdienstes, sein.

Anklage vermutet iranischen Staatsterrorismus

Die Staatsanwaltschaft wirft Assadollah A. vor, einen Bombenanschlag auf iranische Exil-Oppositionelle geplant zu haben. Und zwar auf das Jahrestreffen des Nationalen Widerstandsrates des Iran (NWRI) im Juli 2018 in Villepinte bei Paris – eine Veranstaltung von Aktivisten, die einen Sturz des islamistischen Mullah-Regimes anstreben. Mehr als 20.000 Menschen nahmen daran teil, darunter Rudy Giuliani, der Rechtsberater von US-Präsident Donald Trump, der ehemalige französische Außenminister Bernard Kouchner und Kanadas früherer Premier Stephan Harper.

Laut Anklage soll Assadollah A. einem belgischen Paar einen Sprengsatz übergeben haben, um damit ein Attentat auf die Veranstaltung in Villepinte zu verüben. Die mutmaßlichen Helfer sind nun ebenfalls angeklagt. Es ist ein spektakulärer Prozess, in dessen Akten WDR, NDR und “Süddeutsche Zeitung” Einsicht nehmen konnten. Die Ermittler haben offenbar keinen Zweifel daran, dass es sich um einen Fall von iranischem Staatsterrorismus handelt.
“Das Anschlagsprojekt wurde im Namen des Iran geplant und von ihm angetrieben. Es handelt sich nicht um eine private Initiative von A.”, so steht es in einem Vermerk des belgischen Geheimdienstes VSSE. Irans Regierung allerdings dementiert bereits jede Beteiligung. “Der Diplomat ist Opfer einer Verschwörung von Gruppen, die gegen die Verbesserung der Beziehungen des Irans zu den europäischen Staaten sind”, teilte Bahram Ghassemi, der Sprecher des iranischen Außenministeriums, nach der Festnahme von Assadollah A. mit.

Europas Sicherheitsbehörden sind alarmiert

Auch die europäischen Sicherheitsbehörden werden den Prozess in Antwerpen wohl mit großem Interesse verfolgen. Denn seit Jahren wächst die Sorge, dass das iranische Regime wieder Killerkommandos nach Europa entsendet. Iranischer Staatsterrorismus war auf dem Kontinent über viele Jahre eine reale Bedrohung, Oppositionelle wurden ermordet, teilweise auf offener Straße. Dass es jetzt nicht zu einem Anschlag kam, ist wohl dem Hinweis eines ausländischen Geheimdienstes zu verdanken, durch den die belgischen Behörden auf ein iranischstämmiges Paar aufmerksam wurden.

Amir S., 40 Jahre alt, und Nasimeh N., 36 Jahre alt, leben schon lange in Antwerpen, sie besitzen die belgische Staatsbürgerschaft. Am 28. Juni 2018 reisten Amir S. und Nasimeh N. nach Luxemburg – und wurden dabei observiert. Die Verfolger beobachteten, wie sich das Paar in einem Pizza-Schnellrestaurant mit einem bis dato unbekannten Mann traf. Es war Assadollah A., wie sich später herausstellte. Die drei sollen sich in den vergangenen Jahren immer wieder mal getroffen haben, in Mailand, in Venedig, Salzburg und Wien.

Bombe im Diplomatengepäck?

Bei dem konspirativen Treffen in Luxemburg soll der Diplomat dem Paar eine Bombe übergeben haben – bestehend aus 550 Gramm des hochexplosiven Sprengstoffs Triacetontriperoxid (TATP). Die Substanz ist weltweit bei Terroristen beliebt, weil sie mit leicht zu beschaffenden Chemikalien vergleichsweise einfach herzustellen ist. In diesem Fall aber soll die Bombe keine amateurhafte Konstruktion gewesen sein. Ein Experte der belgischen Polizei attestierte, dass der Sprengsatz “sehr professionell” gebaut sei und eine erhebliche Zerstörungskraft habe.

Umso erschreckender ist ein Detail, das sich in den Ermittlungsakten des Falls findet: Belgiens Geheimdienst geht davon aus, dass Assadollah A. die Bombe nicht erst in Luxemburg zusammengebaut hat, sondern dass er sie aus dem Iran nach Österreich transportiert hat – und zwar an Bord eines zivilen Passagierflugzeugs im Diplomatengepäck.
Wie die Ermittler später feststellten, sollen Assadollah A. und seine Komplizen Codewörtern benutzt haben, wenn sie über die Bombe und den Anschlagsplan sprachen. Die “Playstation 4”, so nannten sie wohl den Sprengsatz, sei mit dem “Fernseher” verbunden, meldeten die mutmaßlichen Terrorhelfer ihrem Instrukteur. Gemeint sei, glauben die Ermittler, dass der Fernzünder angebracht worden war, den Assadollah A. ebenfalls übergeben hatte – versteckt in einem Damenkulturbeutel.

Teilexplosion bei Festnahme

Als sich Amir S. und Nasimeh N. am 30. Juni 2018 mit der Bombe auf den Weg zu ihrem Anschlagsziel nach Paris gemacht haben sollen, griffen belgische Spezialeinheiten zu – und stellten auch den fertigen Sprengsatz sicher, wobei ein Teil der Substanz sogar explodierte. Das Paar zeigte sich zunächst geständig und erzählte von dem Kontaktmann aus der iranischen Botschaft in Wien.

Am nächsten Tag wurde Assadollah A. festgenommen. Auf der Raststätte “Spessart” an der A3 zwischen Würzburg und Aschaffenburg. Der Diplomat war gerade mit seinen Söhnen auf der Rückfahrt von Luxemburg nach Wien und ging den bayerischen Polizisten bei der Schleierfahndung ins Netz.

Diplomatenstatus nur in Österreich

Assadollah A. soll vehement gegen seine Verhaftung protestiert haben und verwies wiederholt auf seinen Diplomatenstatus. Was ihm allerdings in Deutschland wenig nützte, denn er war nur in Österreich akkreditiert. Irans Regierung protestierte, die deutsche Justiz aber stimmte im Oktober 2018 schließlich einer Überstellung von A. nach Belgien zu.
“Herr A. bestreitet die Vorwürfe”, teilte der belgische Anwalt von Assadollah A. auf Anfrage mit. Man werde in dem Prozess erneut auf den diplomatischen Schutzstatus verweisen. Zum Zeitpunkt der angeklagten Vorwürfe sei sein Mandant ein akkreditierter Diplomat gewesen. Und genieße daher Immunität.

 

Iranische Staatsmedien und Offizielle warnen vor der schwierigen wirtschaftlichen Lage und ihren Folgen

Iran State Media and Officials Warn of Harsh Economic Situation and Its Outcomes

Die staatlichen Medien des Iran und die Funktionäre der herr-schenden Theokratie haben auf die sich verschlechternde wirt-schaftliche Situation hingewiesen und vor der möglichen Reaktion des Volkes gewarnt.

Am Montag berichtete das staatliche Fernsehen des Iran: „In den vergangenen Tagen wurden wir erneut zu Zeugen einer neuen Steigerung der Preise – besonders der für wertvolle Konsumgüter, aber auch für die Befriedigung der Grundbedürfnisse zu entrichtenden. Milch, Öl, Hühner und Obst gehören zu den Gütern, deren Preise plötzlich zunehmen.“

In dem Bericht heißt es ferner: „Angaben des Zentrums für Statistik zeigen außerdem, daß die Preise seit November 2019 um mehr als 46% zugenommen haben. Unter den teurer geworden Gegenständen nehmen die Hühnchen einen besonderen Platz ein. Während der bisherigen etwa sieben Monate dieses Jahres hat der Preis für Hühnchen von 100 000 bis zu 250 000 Rial pro Kilogramm zugenommen. Und in den letzten Tagen stieg er noch einmal an – von 250 000 auf 355 000 Rial, nahm mithin binnen einer Woche um 42% zu.“


Der Preis für Hühnchen hat im Iran wieder zugenommen

Das Zentrum für Statistik des Iran räumte in einem Bericht ein: „Das Niveau der Inflation hat sich insgesamt erhöht; die Leute benötigen einen Monat oder mehr Arbeit, um sich einen normalen Futterkorb leisten zu können.“

Dem Bericht zufolge betrug die Inflationsrate in den Haushalten des Landes – d. h.: die Zunahme der Preise in der Zahl des Preis-Index – „im November 2020 46,4%. Mit anderen Worten, die Haushalte des Landes haben im November durchschnittlich 46,4% mehr Geld ausgegeben als im November 2019, um „die gleiche Menge von Waren und Dienstleistungen zu erwerben“. Die Preise hatten seit dem vorigen Monat um 5% zugenommen.

Auch die Nachrichtenagentur TASNIM, die mit der Quds-Truppe der Revolutionsgarden verbunden ist, räumte in einem Artikel am Sonntag die Preissteigerungen ein. „Die Regierung gestattete es dem Markt, die Preise von 20 verschiedenen Gütern zu steigern. TASNIM schreibt: „Am 21. November begann die Steigerung der für Milch, zehn Meiereiprodukte, Butter, vier Ölprodukte und vier Nutztiere zu entrichtenden Preise.“

„Der für Hühnerfleisch zu entrichtende Preis steigerte sich bis zu 355 000 Rial pro Kilogramm; die Schaufenster sind voll, doch die Käufer fehlen. Die Leute sagen: ‚Wir wissen nicht, wann diese Steigerung der Preise aufhören wird‘“ – so die Nachrichtenagentur Fars, die mit dem IRGC verbunden ist.

Die zunehmenden Preise und die zunehmende Inflation üben auf das iranische Volk immensen Druck aus. Zugleich fürchtet sich das Regime vor Reaktionen des Volkes und einem möglichen Aufstand. Mithin haben auch die Fraktionskämpfe zugenommen.

Am Sonntag wies während einer Sitzung des Parlaments der Abgeordnete Alireza Zandian den Präsidenten des Regimes, Hassan Rouhani, auf den wirtschaftlichen Druck hin, dem das Volk unterworfen wird, und warnte vor seinen möglichen Folgen.

„Wann werden Sie,“ sagte Zandian, „endlich diese bittere Gleichgültigkeit gegenüber der Lebenshaltung des Volkes und den großen Preisen aufgeben? Das Volk wird von der Last der Inflation, den großen Preisen, der Entwertung der nationalen Währung, der Arbeitslosigkeit, dem Tumult an der Börse und der Auswirkung der steigenden Liquidität bedrückt. Das verarmte Volk ist von den Nöten des Lebens enttäuscht.“

Die großen Demonstrationen entstanden im Iran nach der plötzlichen Steigerung des Benzinpreises. Bald wendeten sie sich ins Politische. Das Volk identifizierte das Regime als die Wurzel aller wirtschaftlichen und sozialen Krisen. Rebellische Jugendliche attackierten die dem Regime eigenen Zentren der Repression und der Ausplünderung; es befand sich am Rande des Zusammenbruchs. Obwohl es diesen Aufstand dadurch überlebte, daß es 1 500 Demonstranten ermordete und weitere verhaftete, sind die Demonstrationen, die den ganzen Iran überziehen, zu der Nachtmahr des Regimes geworden. Jetzt, da die wirtschaftlichen Nöte wegen der finanziellen Mißwirtschaft des Regimes zunehmen, warnen die Funktionäre und die staatlichen Medien einander vor einem weiteren bedeutenden Aufstand. Ein solcher Aufstand ist unvermeidlich; der kommende wird zu dem Sturz der Mullahs führen.

 

 

 

Martin Patzelt: „Es ist falsch, auf Verhaltensänderung des Mullahregimes zu bauen.“

Martin Patzelt, Mitglied des Deutschen Bundestages von der CDU/CSU-Fraktion, sprach auf der Video-Onlinekonferenz des Deutschen Solidaritätskomitees für einen freien Iran (DSFI) am 18.11.. Diese Konferenz fand anläßlich des Jahrestages der landesweiten Bürgerproteste im Iran (Novmeber 2019). Hier lesen Sie den Text seiner Rede:

“Einen Guten Abend, Liebe Kolleginnen und Kollegen, Liebe Freunde eines freien Irans, ich freue mich, dass ich an diesem Abend zu ihnen sprechen darf, denn wir erinnern uns heute gemeinsam an den landesweiten Bürgeraufstand vom November 2019 im Iran.. Er hat die ganze Welt überrascht und es war ein Höhepunkt einer ganzen Reihe von Bürgerprotesten seit den Aufständen von Anfang 2018.

Wir wissen alle, dass das iranische Regime darauf mit einer Verschärfung der Unterdrückung und einem versteckten Terror geantwortet hat. Als ich am 30. Juni 2018 zusammen mit mehreren geschätzten Kollegen aus Deutschland an der Versammlung Freier Iran in der Nähe von Paris teilnehmen konnte, da war mein Herz voller Freude, denn 100.000 Iraner und Hunderte von Politikern und Persönlichkeiten aus aller Welt feierten dort den iranischen Widerstand in der Hoffnung, dass die Tage des Mullah – Regimes gezählt sind. Die gewählte Präsidentin Maryam Rajavi, die zu uns gesprochen hat, hat dort ihre Vision eines zukünftigen Iran, in dem Freiheit, Demokratie, Gleichberechtigung und Menschenrechte für jeden Iraner eine Chance zum Leben geben, dass er frei sein Weg wählen zu kann. Das hat uns alle mit Hoffnung und Freude erfüllt.

Wir waren so euphorisch, denn zum Jahreswechsel 2018 hat es ja schon große Proteste im ganzen Land gegeben, die einmalig waren und diese landesweiten Proteste forderten nicht nur zum ersten Mal lautstark ein Ende des gesamten Regime, sondern sie waren durch die Bürgergruppen des iranischen Widerstands im Inland gut organisiert, so gut, das selbst der oberste Führer des Regimes Ali Khamenei zugeben musste, dass die Volksmudschaheddin im Iran schon lange kein Grüppchen oder ein Kult mehr waren, wie es die Propaganda der Regierung jahrelang der Welt weiß machen wollte, sondern dass sie statt dessen eine gut organisierte und von vielen Iran unterstützte Widerstandsbewegung ist, welche die Fundamente des Regimes ins Wanken bringt.

Das Regime ragierte mit seiner üblichen Brutalität auf diese Proteste. Anstatt die Sorge der Iraner ernst zu nehmen, hat sie uns mit weiteren Terror überrascht. Es liegt in der Natur dieses Regimes, das es für seine gravierenden Fehler wie das wirtschaftliche Mismanagement und die Korruption, die Initialzündung für den Ausbruch der Proteste, nicht selbst die Verantwortung übernimmt, sondern sich stattdessen andere Schuldige sucht und die absurden Schuldzuweisung der von außen gesteuerten Proteste dafür verantwortlich macht, zeitgleich aber im Land jeden Dissidenten zu Tode foltert, erschießt oder hinrichten lässt, nur weil er sein Recht auf Meinungsfreiheit wahr nimmt.

Das jedoch der Arm dieses Terrors des Regimes an diesem Tage bis in das tiefste Herz Europas greifen würde, das hat mich doch sehr erschüttert. Kurz nach dem Ende der Veranstaltung sickerte eine Meldung durch, dass ein iranischer Diplomat aus Wien mit Namen Assadollah Assadi eine Bombe an ein belgisch – iranisches Paar übergeben hatte, welches diese auf der Veranstaltung des NWRI in Paris zünden sollte, wo wir versammelt waren. Ich denke, sie verstehen sehr gut ,dass man, wenn man selber im Fadenkreuz dieser terroristischen Bedrohung rückt, das alles noch intensiver wahrnimmt.

ich saß an diesem Tage in der Reihe hinter der Präsidentin, der wahrscheinlich dieser Anschlag zuerst gegolten hätte und ich danke heute noch den Sicherheitsbehörden aus Frankreich, Belgien und Deutschland, dass ich an diesem Tag nicht zu Tode kam, weil sie entschlossen handeltenn und eine Katastrophe verhinderten. Wer einmal selbst miterlebt hat, wie viele Menschen in Villepinte am Ort der Konferenz auf engstem Raum zusammensitzen, wie viel Tausende Menschen das sind, der kann nur erahnen, welches Blutvergießen und welches Chaos dieser Anschlag, wenn er gelungen wäre, angerichtet hätte.


Dieser in der Nähe von Paris verbrachte Tag hat uns viele Dinge vor Augen geführt. Zum einen wird Paris wie jede Stadt in Europa nicht nur vom islamischen Terrorismus durch den IS oder al-Qaida bedroht, sondern der iranische Staatsterrorismus gehört zu der selben Seite der Medaille. Seine Netzwerke sind sogar in den Botschaften, es gibt Tarnvereine und Schläferzellen und sogenannte Kultureinrichtung, die in vielen Ländern jederzeit in der Lage sind, ein Sicherheitsrisiko für die Menschen in diesen Ländern zu schaffen zum anderen hat uns dieser Tag auch deutlich gemacht, warum Europa endlich eine andere Politik gegen den Iran durchsetzen muss.

Es geht bei der Beseitigung der religiösen Diktatur im Iran durch das Volk und seinen legitimen Widerstand nicht nur um das Wohl des Irans oder das Wohl der Menschen im Mittleren Osten, sondern es geht um das Wohl aller Europäer. Nicht nur iranische Dissidenten werden vom Regime bedroht, deutsche Bürger, die sich für den iranischen Widerstand engagierten, Bürger mit doppelter Staatsangehörigkeit, die sich für Menschenrechte einsetzen, Verteidiger des Staates Israel, Anwälte, welche die terroristischen Machenschaften des Regimes aufdecken, sie alle können ebenso zum Ziel werden wie jeder, der sich in irgendeiner Form dem iranischen Regime in den Weg stellt oder wer die Taten, die es verbreitet, aufdecken will.

Wir in Deutschland haben eine lange Geschichte der Tyrannei und des Terrorismus hinter uns. Wir haben von den Terroranschlägen links- und rechtsextremer Gruppen erfahren müssen, wie gefährlich politischer Extremismus ist. Wir haben auch in Berlin bei dem Anschlag am Breitscheidplatz und auch im Restaurant Mykonos erfahren müssen, welche reale Gefahr durch islamistische Extremisten erzeugt werden kann. Teheran und seine Mullahs sind die Paten des Terrorismus in aller Welt. Sie müssen genauso entschlossen gestoppt werden, wie al-Qaida und der IS, denn sie sind die Wurzeln und das Fundament dieses internationalen Terrorismus.


Assadi nutzte die diplomatische Tarnung für sein Vorhaben und das zeigte uns die Verwicklung von iranischen Botschaften in Terrorhandlungen in unseren Ländern. Wir dürfen sie nicht tatenlos hinnehmen, wenn wir nicht zum Schluß diesen Kampf gegen uns selber richten. Es bedarf einer harten und entschiedenen Reaktion, wenn sich die Botschaften und die diplomatischen Vertretung in den Dienst des Terror stellen. Wenn sie dafür benutzt werden, dann müssen sie geschlossen werden und dann muss man es brandmarken und den Regierung dieser Terrorstaaten eindeutig erklären, wo unsere Grenzen sind.

Deutschland hat, meiner Ansicht nach, viele Jahre lang den Fehler gemacht, auf eine Verhaltensänderung des Mullahregimes zu bauen. Diese Politik ist gescheitert, denn Teheran hat all die Konzessionen und das blinde Auge gegenüber den Menschenrechtsverletzungen sowie seine erfolgreichen Erpressungsversuchs gegen Europa nur ist ein grünes Licht zur weiteren Niederschlagungen, Terrorismus, Folter und Hinrichtung in iranischen Gefängnissen angesehen. Wir müssen uns fragen, ob wir dieses Leid nicht auch mit verschuldet haben. Wir müssen alles tun, damit endlich Schluss ist.
Wir werden unsere Bürger und die iranischen Dissidenten auf Dauer nur schützen können, wenn wir endlich an der Seite des iranischen Volkes glaubhaft stehen es mit aller Kraft in seinem Anliegen des Widerstandes gegen die religiöse Diktatur unterstützen. Nur so werden wir eine Wiederholung der Ereignisse vom 30. Juni 2018 Paris ein für alle mal beenden können und verhindern, dass ich irgendwo in der Welt auch in unserer Nähe Gleiches abspielt.
ich danke Ihnen.”